Probleme durch einen zu hohen Testosteronspiegel

Vor allem Männer – aber auch immer mehr Frauen – versuchen auf verschiedenen Wegen ihren Testosteronspiegel zu erhöhen. Denn Testosteron kann hilfreich sein, wenn man Fett abbauen und Muskeln aufbauen möchte. Man sollte dabei jedoch darauf achten, nicht zu viel Testosteron zu sich zu nehmen. Schließlich kann sich eine zu hohe Testosteronkonzentration ebenso wie ein Testosteronmangel negativ auf die Gesundheit auswirken. Führt man synthetisiertes Testosteron künstlich von außen zu, zum Beispiel durch Injektionen, ist eine ärztliche Kontrolle sehr ratsam, da die obere Grenze der Testosteronkonzentration sehr schnell überschritten werden kann.

Testosteronwerte natürlich steigern

Sehr viel unbedenklicher ist der Ansatz, seine Testosteronwerte zu steigern, indem man die körpereigene Testosteronproduktion anregt. Testosteron wird beim Mann hauptsächlich in den Leydig-Zellen der Hoden aus Cholesterin hergestellt. In den Nebennieren wird Testosteron bei Mann und Frau in wesentlich geringeren Mengen produziert. Um die natürliche Testosteronproduktion zu steigern, eignen sich bestimmte Lebensmittel und Sport. Der Körper ist dann in der Lage, ausreichend Testosteron zu produzieren, wird sich jedoch nicht selbst vergiften und ab einer ausreichend hohen Konzentration die Produktion reduzieren. Durch solch einen Feedback-Mechanismus kann die Produktion in den Zellen dem Bedarf jederzeit angepasst werden.

Risiken durch künstliches Testosteron

Im Gegensatz dazu wird die körpereigene Testosteronproduktion verringert und sogar eingestellt, wenn künstliches Testosteron von außen in entsprechender Menge zugeführt wird. Die Zellen, die in den Hoden das Testosteron produzieren, werden dann nicht mehr gebraucht, woraufhin die Hoden verkümmern. Eine verminderte Fruchtbarkeit tritt begleitend auf, da die verkleinerten Hoden weniger Spermien produzieren. Wenn die Testosteronzuführung gestoppt wird, können die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit trotzdem bestehen bleiben.
Doch auch wenn man seinen Testosteronhaushalt auf dem natürlichen Weg steigern möchte, kann es sinnvoll sein, diesen vom Arzt zunächst überprüfen zu lassen. Sowohl für einen Testosteronmangel als auch für eine Überproduktion an Testosteron können Krankheiten die Ursache sein.
Krankheitsbedingter Testosteronmangel

Ist der Testosteronmangel ausgeprägt und krankhaft, ist es in diesem Fall sogar nötig, synthetisiertes Testosteron zu sich zu nehmen, weil der Körper nicht genug Testosteron produzieren kann. Eine Überproduktion an Testosteron kann beispielsweise beim Mann durch einen Tumor in den Hoden oder bei beiden Geschlechtern durch einen Tumor in der Nebenniere ausgelöst werden.
Der Testosteronspiegel im Blut ist von vielen Faktoren abhängig und kann über den Tag schwanken. Morgens ist die Testosteronkonzentration am höchsten und nimmt über den Tag ab. Bestimmte Situationen können die Testosteronkonzentration darüber hinaus beeinflussen. Beispielsweise kann ein Sieg bei einem Wettkampf, ein Streit oder eine sexuelle Aktivität die Konzentration zeitweise erhöhen, während Stress die Konzentration verringert.

Überwachung der Konzentration

Üblicherweise sollte die Testosteronkonzentration morgens bei Männern zwischen 3,5 und 9,0 µg/l liegen. Frauen haben einen sehr viel geringeren Testosteronspiegel. Dieser sollte bei ihnen vor der Menopause nicht über 0,5 µg/l und nach der Menopause nur noch 0,4 µg/l betragen. Beim Mann spielt das Alter ebenso eine wichtige Rolle. Ab dem 40. Lebensjahr beginnt die Testosteronkonzentration zu sinken. Das mit dem Alter zunehmende Körpergewicht ist unter anderem auch auf die abnehmende Testosteronkonzentration zurückzuführen. Somit ist es vor allem für ältere Männer empfehlenswert auf den Testosteronhaushalt zu achten.
Wenn man unter Stimmungsschwankungen leidet, die man nicht erklären kann, dazu eine verminderte Konzentrationsfähigkeit sowie Probleme mit dem Gedächtnis oder das Auftreten von Depressionen bei sich beobachtet, kann ein überhöhter Testosteronspiegel der Grund für die Beschwerden sein. Missempfindungen jeder Art können Anzeichen für zu viel Testosteron sein. Wer Wahrnehmungsstörungen beim Riechen oder Schmecken hat oder wem andere ungewöhnliche Empfindlichkeiten auffallen, sollte möglicherweise über eine Überprüfung seiner Testosteronwerte nachdenken.

Symptome und Folgen durch künstliches Testosteron

Verminderte Herzleistung

Ein sehr ernstzunehmendes Problem bei der Einnahme von synthetischen Testosteronpräparaten ist der negative Einfluss auf das Herz. Einerseits kann der Herzmuskel so stark geschädigt werden, dass selbst nach Absetzten der Testosteronzufuhr eine verminderte Herzleistung bestehen bleiben kann. Anderseits kann Testosteron Atherosklerose und damit koronare Herzerkrankungen begünstigen sowie das Schlaganfallrisiko erhöhen.
Eine amerikanische Studie untersuchte die Herzfunktion von Freizeitsportlern, die synthetische Testosteronpräparate zu sich nahmen. 71 % der teilnehmenden Freizeitsportler wiesen eine eingeschränkte Pumpleistung des Herzens auf. Außerdem konnte man einen Zusammenhang zwischen der eingenommen Testosteronmenge und dem Schweregrad der Atherosklerose feststellen.
Äußerliche Veränderungen

Da Testosteron aus Cholesterin gebildet wird, das an der Entstehung von Atherosklerose beteiligt zu sein scheint, ist dieser Zusammenhang naheliegend. Durch das zugeführte Testosteron, bleibt durch die reduzierte körpereigene Testosteronproduktion vermehrt Cholesterin übrig und führt zu einem hohen Cholesterinspiegel im Blut. Gleichzeitig ist die Aufnahme von Cholesterin über die Nahrung durch einen testosteronbedingten Appetitanstieg oftmals zusätzlich erhöht.
Ein Überschuss an Testosteron wirkt sich auch auf das äußere Erscheinungsbild aus. Testosteron vergrößert die Talgdrüsen der Haut und sorgt so für ein unreines Hautbild bis hin zu einer schweren Form von Akne. Zudem kann die Körperbehaarung abnehmen, wohingegen die Kopfbehaarung zurückgehen kann.

Innere Gefahren

Durch eine zu hohe Testosteronkonzentration, die durch die Aufnahme von synthetischem Testosteron herbeigeführt wird, wächst das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken ebenso wie das Risiko Leber- oder Nierentumore zu entwickeln.

Eine weitere negative Auswirkung eines Testosteronüberschusses ist eine Erhöhung der Endzündungsmarker und einer Überproduktion von weißen Blutkörperchen. Auf diese Weise wird langfristig das Immunsystem geschwächt.

In selteneren Fällen kann es durch einen zu hohen Testosteronhaushalt zu einer Polyglobulie kommen. Dabei beeinflusst das Testosteron den Eisenstoffwechsel so stark, dass zu viel Eisen zur Verfügung gestellt wird. Dadurch werden vermehrt rote Blutkörperchen gebildet, der Hämatokritwert steigt und das Blut wird viskoser. Folglich steigt die Gefahr, eine Thrombose zu entwickeln, die wiederum einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt verursachen kann.

Interessanterweise kann ein überhöhter Testosteronspiegel eine Gewichtszunahme durch Vergrößerung des Unterhautfettgewebes sowie durch Wassereinlagerungen im Gewebe und sogar das Wachstum der Brustdrüsen beim Mann bewirken. Dabei ist ja gerade der Hauptgrund für das Bestreben nach höheren Testosteronwerten, das Körperfett zu reduzieren, stattdessen mehr Muskelmasse aufzubauen und männlicher zu wirken. Das zeigt ganz deutlich, wie wichtig es ist, sich im richtigen Bereich der Testosteronwerte zu bewegen und nicht einfach nur einen möglichst hohen Wert erzielen zu wollen.

Unkontrollierte Testosteron-Einnahme

Die größte Gefahr bei der Verwendung von Testosteronpräparaten ist, dass ein Großteil der Konsumenten die Mittel auf dem Schwarzmarkt beziehen und sich nicht ärztlich überwachen lassen. Die auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Doping-Mittel sind oft verunreinigt und enthalten eine ungewisse Menge an Testosteron. So ist die Wirkung nicht kontrollierbar und die Risiken sind entsprechend sehr viel höher. Nimmt man dazu noch andere Medikamente ein, kann es zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen. Blutgerinnungshemmer und Testosteron verstärken ihre Wirkung gegenseitig. Andere Medikamente beeinflussen den Abbau von Testosteron und erhöhen die Testosteronkonzentration somit um einen weiteren unbekannten Faktor.

Kontrollierte Testosteron Steigerung durchaus erwünscht

Eine kontrollierte Steigerung der Testosteronwerte kann hingegen durchaus erstrebenswert sein. Denn ein Mangel an Testosteron erschwert nicht nur den Muskelaufbau und begünstigt die Bildung von Fettzellen, sondern birgt außerdem gewisse Risiken. Symptome wie Müdigkeit und sexuelle Unlust, die oft mit Erektionsstörungen einhergeht, können für Betroffene schon eine große Belastung darstellen. Schlafstörungen und eine allgemeine Leistungsschwäche können weitere Probleme wie Herz-Kreislauf-Beschwerden zur Folge haben. Auch bei einem Mangel an Testosteron können erhöhte Cholesterinwerte gemessen werden und das Entstehen von Atherosklerose fördern. Depressionen und Diabetes mellitus werden ebenfalls mit einem Testosteronmangel in Verbindung gebracht.
Der Testosteronspiegel sollte also weder zu hoch noch zu niedrig sein, sondern sich im idealen Bereich befinden. Das ist bei ansonsten gesunden Personen am besten mit einem entsprechenden Lebensstil zu erreichen, der dem Körper die perfekten Bedingungen liefert, um exakt die richtige Menge an Testosteron selbst herzustellen. Personen, bei denen der Testosteronmangel krankhaft und nur durch testosteronhaltige Medikamente behandelbar ist, profitieren allerdings auch von solch einem Lebensstil. Abgesehen von den positiven Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit können auf diese Weise die Dosierung des Testosteronpräparats und damit auch die Nebenwirkungen höchstwahrscheinlich reduziert werden.