10 Jahre Google Maps

Innerhalb weniger Jahre ist Google von einem Internet Start-up zu einem global agierenden Konzern aufgestiegen, der im Alltag der meisten Menschen unentbehrlich ist. Welche Möglichkeiten bietet das Unternehmen den Nutzern? Weshalb wird immer wieder Kritik an den Praktiken der Firma laut?

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Die Entwicklung im Laufe des Jahrzehnts

Google Earth geht ins Jahr 2001 zurück. Es wurde von einer Firma namens Keyhole Corp konzipiert, welche die Software rund um den digitalen Globus Earth Viewer nannte. Im Oktober 2004 kaufte Google das Unternehmen auf. 2005 erfolgte die Umbenennung in Google Earth. Das Computerprogramm bedient sich wie ein intuitiver Atlas. Statt die Seite mit dem gewünschten Erdteil im Inhaltsverzeichnis nachzuschlagen, genügt eine Eingabe in die Suchleiste. Dabei wird vom Konzept klassischer Karten Abstand genommen. Satellitenaufnahmen ermöglichen einen authentischeren Einblick in die über den Dienst aufgerufene Gegend.

Der Siegeszug des Kartendienstes Google Maps

Die Markteinführung erfolgte am 8. Februar 2005. In der Satellitenansicht erinnert der Internetdienst stark an Google Earth. Darüber hinaus ist eine Kartendarstellung verfügbar sowie eine Kombination aus beidem. Der Fokus liegt auf der Navigation. Bevor Smartphones den Markt eroberten, diente Maps als Routenplaner, mit dem sich Reisen vorab am Computer planen ließen. Der praktische Nutzen fiel gering aus, da lediglich die Option bestand, die Route auszudrucken. Jedes Navigationssystem übertrumpfte Maps im punkto Komfort. Die Einführung von Smartphones markierte den Wendepunkt. Sie brachten GPS in die Hosentaschen der breiten Masse. Nun vermochten die detaillierten Karten, welche dem Internetkonzern vorlagen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Deutschland ist hervorragend kartografiert, dadurch erreichte der Kartendienst den praktikablen Nutzen von Navigationsgeräten. Hinzu kommen einige Zusatzfunktionen, welche die Attraktivität für den Anwender steigern. Es ist beispielsweise möglich, einzelne Orte zu vergrößern. Große Gebäude lassen sich anhand der Satellitenaufnahmen problemlos identifizieren.

Street View ein Schritt in Richtung virtuelle Realität

Satellitenaufnahmen zeigten lediglich die Dächer von Häusern. Street View sollte das Kartenmaterial revolutionieren. Statt sich mit anonymen Straßennamen zu begnügen, schickte der Internetgigant mit einer 360-Grad-Panoramakamera ausgestattete Autos los. Die so entstandenen Fotos ermöglichten es erstmals, virtuell Straßen aus der Perspektive des Fußgängers zu betrachten.

Die Innovation stieß jedoch nicht bei allen auf Gegenliebe. Kaum eine andere Produkteinführung erzürnte Datenschützer so sehr wie Street View. Sie befürchteten einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der Bürger. Der Gesetzgebung fehlte die Handhabe. Es gab kein Gesetz, welches das Fotografieren von Fassaden verbot. Schließlich bekamen die Nutzer lediglich das zu sehen, was ein Spaziergang offenbarte. Dennoch bestand folgende Problematik: Innerhalb von Sekunden konnten Orte auf der ganzen Welt betrachtet werden, ohne dorthin zu reisen. Es kam zu einem Kompromiss. Wer mit der Darstellung seines Wohnortes nicht einverstanden war, konnte die Unkenntlichmachung beantragen. Die Fassaden erschienen nach einem solchen Antrag nur noch in verpixelter Form. Aufgrund zahlreicher Anfragen kam der Konzern mit deren Bearbeitung kaum hinterher.

Ist die Kritik berechtigt?

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Einige Jahre nach der Einführung ist die Empörung in Deutschland weitestgehend verklungen. Ländliche Regionen sind von Street View nur sporadisch erfasst worden.
Ein Sinneswandel ist erkennbar. Die Mehrheit nimmt Bedenken im Hinblick auf den Datenschutz in Kauf, zu schwer wiegt der praktische Nutzen der vom Internetgiganten bereitgestellten Dienste.
Die kostenlose Nutzung bezahlen wir mit unseren Daten. Wer auf Google Maps bestimmte Orte sucht, ermöglicht dem Konzern einen Einblick in die persönlichen Interessen. Den Umsatz generiert personenbezogene Werbung. Dieses Geschäftsmodell sollte jeder User im Hinterkopf behalten, wenn er das Angebot nutzt.
Ein sensibles Nutzungsverhalten ist der Schlüssel zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Internetdiensten. Maps bietet in seiner heutigen Form mehr als nur simples Vergrößern. Ein virtueller Stadtrundgang wird möglich.

Bild: Jörg Kleinschmidt / pixelio.de

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