Das duale Ausbildungssystem in Deutschland

Die Wurzeln des dualen Ausbildungssystems reichen bis ins Mittelalter zurück. Dieses System hat in Deutschland eine lange Tradition und hat seine Bedeutung auch in unserer hochtechnisierten Zeit keineswegs verloren. Denn auch heute ist es von großer Wichtigkeit, dass Fachkräfte umfassend ausgebildet werden, und der Weg zum hochqualifizierten Arbeiter beginnt immer mit der Berufsausbildung in den Betrieben und Berufsschulen. In der Ausbildung werden die Basiskenntnisse vermittelt, auf die im weiteren Berufsleben aufgebaut wird. Damit hat das System, in dem betriebliche und schulische Ausbildung Hand in Hand gehen, immer noch seine Berechtigung, auch wenn hin und wieder Kritik laut wird. Trotzdem ist das deutsche Ausbildungssystem ein Garant dafür, dass „Made in Germany“ immer noch einen äußerst guten Ruf genießt.

Das duale Ausbildungssystem und seine Vorteile

Die automatische Verbindung von Praxis und Theorie, die das duale Ausbildungssystem bietet, gilt als Mitgrund dafür, dass Deutschland als Wirtschaftsstandort einen so außerordentlich guten Ruf genießt. Der Stand der Auszubildenden variiert nicht sehr stark, da die schulische Berufsausbildung einem Lehrplan unterliegt und damit nicht von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich ist. Ein duales System ist für jeden Beruf eine unverzichtbare Basis und diese Basis muss einheitlich sein.

Daher ist das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft federführend bei der Entwicklung der Lehrpläne und sorgt so dafür, dass die Lehrlinge in jedem Bundesland auf dem gleichen Ausbildungsstand sind. Dadurch wird auch der weitere Weg im Berufsleben für die Auszubildenden leichter, da sie nicht an ihren Ausbildungsort gebunden sind und mit ihrer Qualifikation bundesweit einzusetzen sind. Damit haben die Auszubildenden später im Beruf größere Wahlmöglichkeiten. Sie können an jedem geeigneten Arbeitsplatz eingesetzt werden und sind nicht an eine Region oder einen Arbeitgeber gebunden. Und auch die Wirtschaft kann sich darauf verlassen, dass sich die Grundqualifikation potentieller Mitarbeiter im Segment der Bildung stets gegeben ist.

Das deutsche System und seine internationale Akzeptanz

In Deutschland besuchen die Auszubildenden immer auch die Berufsschule. Was hier als Selbstverständlichkeit gilt, das wird im Ausland oft mit Interesse und auch mit Neid beobachtet. Denn die theoretischen Fähigkeiten werden in den meisten anderen Ländern ausschließlich durch ein Studium erworben und nicht während der Ausbildung in der Wirtschaft. Das ist in Deutschland nicht der Fall. Durch die duale Ausbildung bekommen die deutschen Lehrlinge nicht nur fachliche Kompetenzen vermittelt, sie werden auch zugleich in der Berufsschule mit den theoretischen Aspekten ihres Berufs vertraut gemacht.

Die Lehrpläne sind auf einem Niveau und damit sind alle Lehrlinge bundesweit auf dem gleichen Wissensstand. Der große Vorteil dieses zentralen Lehrplans ist, dass auch die Auszubildenden aus Betrieben, in denen der Ausbildung nicht so viel Wert beigemessen wird, nicht schlechter ausgebildet werden als ihre Kollegen aus ambitionierten Betrieben. Die Berufsschüler sind damit auf einem Bildungsniveau. Dieses Niveau ist unabhängig von der Größe und der Qualität des Ausbildungsbetriebes und damit sorgt das duale Ausbildungssystem für Chancengleichheit bei einer zugleich sehr hohen Qualifikation.

Kritik und Innovationswunsch

In den letzten Jahren wurde der Begriff „Ausbildungsreife“ zu einem zentralen Problem für unser duales System. Ausbildungsbetriebe beklagen immer häufiger, dass die Schüler schlecht vorbereitet von den Schulen kommen und dort noch nicht einmal die elementaren Fähigkeiten wie fehlerfreies Lesen und Schreiben vermittelt bekommen haben. Diese Sorge mag berechtigt sein, denn der theoretische Teil des deutschen Ausbildungssystems kann sein hohes Niveau nicht halten, wenn anfangs zu viel Zeit darauf verwandt werden muss, den Auszubildenden zunächst sprachliche und mathematische Grundkenntnisse zu vermitteln.

Die Lösung für dieses Problem ist jedoch eher an den allgemeinbildenden Schulen zu suchen und nicht an den Berufsschulen. Trotzdem müssen auch die beruflichen Schulen reagieren und suchen dafür nach geeigneten Wegen. Einer der potentiellen Lösungsansätze ähnelt dem Bologna System, das auch das Studium an den deutschen Universitäten reformiert hat. Standardisierte Lehrmodule sollen dafür sorgen, dass die berufliche Ausbildung auch weiterhin bundesweit auf einem Stand ist. Denn unser hoher Bildungsstand soll den deutschen Wirtschaftsstandort auch in Zukunft auszeichnen und konkurrenzfähig machen.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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