Der Einfluss der Ukraine-Krise auf den Goldpreis

Zunächst einmal sei an dieser Stelle einführend erwähnt, dass der Preis für eine Feinunze Gold in US Dollar angegeben wird. Das bedeutet, dass eine Geldanlage in Gold neben der Entwicklung des eigentlichen Kurses für das Edelmetall auch immer den Währungsverlauf des US Dollars gegenüber dem Euro berücksichtigen muss. Wenn der US Dollar gegenüber dem Euro beim Verkauf des Goldes beispielsweise höher liegt als beim Einkauf, können Anleger eine zusätzliche Rendite einstreichen. So vergrößert sich faktisch der Gewinn. Analog vergrößert sich ein etwaiger Verlust, wenn im Anlagezeitraum nicht nur der Goldpreis, sondern gleichzeitig auch der US Dollar gegenüber dem Euro gefallen ist.

Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen Jahren

Wenn man sich die Entwicklung des Goldkurses in den vergangenen Jahren einmal anschaut, sieht man sehr deutlich, dass der Preis für eine Feinunze Gold vor genau fünf Jahren im Mai 2009 bei etwas unter 1.000 US Dollar lag. In den Jahren danach folgte ein starker Anstieg nach oben, der seinen Höhepunkt im Herbst 2011 hatte. Dort pendelte der Kurs rund um die 1.900 Dollar Marke, was fast eine Verdoppelung innerhalb von etwas über zwei Jahren bedeutete.

In den folgenden 1,5 Jahren war der Goldkurs relativ stabil und schwankte zwischen 1.600 und 1.800 US Dollar je Feinunze. Danach kam es zu einem dramatischen Einsturz und Gold war im Juli 2013 nur noch knapp 1.300 US Dollar wert. Seither schwankt der Preis für Gold zwischen 1.200 und 1.400 US Dollar, wobei es zu mitunter sehr starken Aufstiegen und Einbrüchen gekommen ist. Mitte Mai 2014 steht der Goldpreis nunmehr bei knapp 1.300 US Dollar je Feinunze.

Korrelation zwischen politischer und/oder wirtschaftlicher Unsicherheit und einem fallenden Goldpreis

„Auro loquente omnis oratio inanis est!“ Zu Deutsch: Wenn das Gold redet, dann schweigt die Welt! Diese Aussage ist keinesfalls neu, was man aufgrund des lateinischen Ursprungs erahnen kann. Sie hat ihren Ursprung bei den Römern und bringt auf den Punkt, was auch heute noch gilt: Gold ist eine Krisenwährung. Je unsicherer eine Situation, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Anleger zu Gold greifen und sich dementsprechend die Nachfrage nach dem Edelmetall und somit auch der Preis erhöht.

Die Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen Jahren verdeutlicht dies. Mit der Pleite der Bank Lehman Brothers begann im September 2008 eine in den Industrieländern ungeahnte wirtschaftliche Talfahrt, in deren Folge die Wirtschaftsleistung vieler Staaten in nur einem Jahr zwischen 5 und 10% einbrach. Gleichzeitig fielen nicht nur die Aktienkurse, sondern es zeigte sich analog eine alte Reaktion: Der Goldpreis nahm in der gleichen Zeit ungeheuer an Fahrt auf und konnte seinen Wert in etwas über zwei Jahren fast verdoppeln. Ursprung dieses beachtenswerten Wachstums war die wirtschaftliche Unsicherheit, die viele Anleger in die Goldanlage trieb, da mit vielen anderen konventionellen Spekulationsinstrumenten nur Verluste zu erwarten waren.

Mit der zurückkehrenden positiven realwirtschaftlichen Entwicklung wich zunehmend die Unsicherheit aus den Märkten und so wuchsen nicht nur die Bruttoinlandsprodukte vieler Staaten wieder, sondern genauso die Leitindizes der Finanzplätze der Welt. Analog ging die Nachfrage nach Gold zurück, die im Juli 2013 ihren Tiefpunkt erreichte. Die Krise schien vorbei.

Mit dem Aufflammen des politischen Konflikts in der Ukraine, die ihren Startpunkt Ende des Jahres 2013 hatte, kehrte auch die Unsicherheit zurück. Die Spannungen des Westens mit Russland haben sich seit der Annektierung der Halbinsel Krim im März 2014 durch die Russen verstärkt. Der Goldpreis erreichte zu dieser Zeit sein Jahreshoch, das bei etwa 1.400 US Dollar je Feinunze lag. Zunehmend sprechen seither nicht nur die Diplomaten, sondern auch die Waffen, was die Unsicherheit über einen sich ausweitenden politischen und bewaffneten Konflikt erhöht.

Wenn es zu einer weiteren militärischen Auseinandersetzung kommt, der nicht nur die Ukraine und Russland, sondern andere europäische Staaten mit einschließt, kann dies große Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung auf der ganzen Welt haben.

Entwicklung des Goldpreises in der nahen Zukunft

Die großen Banken und viele Volkswirtschaften hatten in ihren Jahresprognosen für das Jahr 2014 einen schwächeren Goldpreis zwischen 1.000 und 1.100 US Dollar je Feinunze erwartet. Allerdings wurden diese Prognosen noch Ende des vergangenen Jahres abgegeben und damals hat noch keiner mit den politischen und militärischen Auseinandersetzungen im Osten Europas gerechnet. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland war von den Experten sozusagen nicht eingepreist. Für die weitere zeitnahe Entwicklung ergeben sich aus heutiger Sicht zwei Szenarien, die potenziell beide eintreffen können:

Im ersten Szenario wird es eine diplomatische Lösung der politischen Krise in der Ostukraine am Verhandlungstisch geben, an die sich beide Seiten auch tatsächlich halten. Bei dieser Möglichkeit kehrt Planungssicherheit für alle zurück und die Finanzmärkte werden an Fahrt gewinnen. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Gold zurückgehen – der Goldpreis würde in diesem Szenario also fallen.

Doch diese reibungslose und optimistische Prognose ist nicht unbedingt die wahrscheinliche, was auch die Entwicklung der letzten Tage noch einmal verdeutlicht. Viele Menschen in der Ostukraine wünschen sich eine Lossagung von der Zentralregierung in Kiew und wollen sich Russland anschließen. Doch die politische Klasse der Ukraine wird dies nicht noch einmal zulassen, weswegen eine weitere Zuspitzung zu erwarten ist. Die Unsicherheit würde sich in diesem zweiten Szenario dementsprechend erhöhen und gleichzeitig der Goldpreis mit ihr.

Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

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