Der Pulitzer Preis

Die jährlich vergebene Auszeichnung Pulitzer Prize gilt nicht nur als renommierteste Literatur- und Journalismus-Auszeichnung in den USA, sondern genießt auch in Deutschland bzw. allgemein international herausragendes Ansehen.

Wegweisender Gründervater des Pulitzer-Preises

Der Preis geht auf den 1847 in Ungarn geborenen und 1864 über Deutschland in die USA eingewanderten Journalisten Josef Pulitzer zurück. Pulitzer bildete sich autodidaktisch zum Reporter aus. Anfang der 1880er Jahre erwarb er die damals unbedeutende Zeitung „New York World“. Pulitzer gelang es, die „New York World“ durch die Betonung von investigativen Journalismus-Methoden und Einführung von Neuerungen wie regelmäßigen Cartoon-Seiten und Farbdruck innerhalb weniger Jahre zu einer der wichtigsten und auflagenstärksten, aber auch umstrittensten US-Zeitungen seiner Zeit zu machen. Der passionierte Zeitungsmacher setzte sich vehement für sauber recherchierte Artikel als Mittel zur Aufdeckung von Korruption und anderer politischer Missstände ein. In diesem Zusammenhang regte er unter anderem die Gründung einer Journalistenschule an. In seinem Testament stellte der 1911 verstorbene Presse-Mann ein Stiftungsvermögen zur Verfügung und legte fest, dass daraus alljährlich US-amerikanischen Autoren für besondere Leistungen in verschiedenen Bereichen ein Preis verliehen werden sollte.

Seit 1917 in verschiedenen Autoren-Kategorien verliehen

Die ersten Pulitzer-Preise wurden 1917 verliehen. Der mit einer Goldmedaille und zurzeit (2015) mit 10.000 US-Dollar dotierte Pulitzer Prize wird in 21 Kategorien vergeben. Zusätzlich kann seit 1930 ein Sonderpreis verliehen werden. Die Kategorien sind den beiden Hauptbereichen „Journalismus“ sowie „Literatur, Theater und Musik“ zugeordnet. Zum Bereich „Journalismus“ zählen seit Anfang an die Kategorien „Dienst an der Öffentlichkeit“ und „Leitartikel“. Später kamen unter anderem Kategorien wie „Karikatur“, „Investigativer Journalismus“ oder „Auslandsberichterstattung“ hinzu. Im anderen Hauptbereich werden seit 1917 Preise in den Kategorien “Theater“, „Biographie“ und “Geschichte“ vergeben. Seit 1948 werden auch herausragende Leistungen von Belletristik-Autoren gewürdigt.

Berühmte Preisträger und Preisträgerinnen

Zu den bekanntesten Pulitzer-Preisträgern gehörte der irischstämmige US-Dramatiker Eugene O’Neill. O’Neill bekam die Auszeichnung 1920, 1922 und 1928 für drei seiner Dramen. 1958 wurde O’Neill der Preis postum für das Drama „Long Day’s Journey Into Night“ zum vierten Mal überreicht. Er ist damit zum meistausgezeichnetsten Pulitzer-Preisträger geworden. Zweimal konnte Schriftsteller John Updike die Auszeichnung entgegennehmen: 1982 und 1991 für zwei Romane seiner „Rabbit“-Pentalogie.

Weitere bekannte ausgezeichnete Literaten aus der Kategorie „Roman“ waren Margaret Mitchell, die 1937 für ihr Südstaaten-Epos „Gone By The Wind“ geehrt wurde, 1949 Arthur Miller („Death Of A Salesman“), 1953 Ernest Hemingway für „The Old Man And The Sea“, 1955 Tennessee Williams für „Cat On A Hot Tin Roof“ und 1980 Norman Mailer für „The Executioner’s Song“. Norman Mailer durfte sich bereits seit 1969 „Pulitzer-Preisträger“ nennen. In diesem Jahr hatte er die prestigeträchtige Auszeichnung für seine autobiografische, die Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen von 1967 thematisierende Reportage „The Armies Of The Night“ überreicht bekommen.

2010: Erstmals Pulitzer-Preis für Online-Autorin

In der von der Fachwelt besondere Bedeutung zugemessenen Kategorie „Investigativer Journalismus“ erhielt 2010 erstmals eine Online-Arbeit den begehrten Preis. Die Medizin-Journalistin Sheri Fink hatte 2009 im Online-Nachrichtenportal ProPublica über dramatische Ereignisse in einem Krankenhaus in New Orleans vor dem Hintergrund der Hurrikan-Katastrophe “Katrina“ berichtet. Ihr Beitrag „Deadly Choices At Memorial“ hatte für weltweites Aufsehen gesorgt.

2015: „New York Times“ drei Mal geadelt

Für die Macher der „New York Times“ gab es 2015 dreifach Grund zur Freude. Ihr in bester Pulitzer-Tradition verfasster Bericht über das intransparente Lobby-Unwesen in Washington brachte der renommierten New Yorker Zeitung Pulitzer-Gold in der Kategorie „Investigativer Journalismus“ ein. Ein Times-Bericht über „Ebola“ wurde mit Preisen für „Internationale Berichterstattung“ und „Aktuelle Fotografie“ belohnt.

Aufwendiges Entscheidungsverfahren, bescheidene Zeremonie

102 Richter entscheiden in knapp zwei Dutzend Jurys über die Preiswürdigkeit von jährlich etwa 2500 Vorschlägen. Die Qualitätsansprüche sind enorm und so geschieht es regelmäßig, dass in einigen Kategorien mangels Klasse keine Preisträger gekürt werden. Im angenehmen Gegensatz zu den überpompös-hysterischen Veranstaltungen bei den Oscar-Verleihungen finden die Pulitzer-Preis-Verleihungen im vergleichsweise bescheidenen Rahmen bei einem Mittagsessen in einer New Yorker Universitäts-Bibliothek statt. Im Auftrag des Pulitzer-Preis-Verwaltungsrats gibt der Präsident der Columbia University alljährlich die Gewinner in der Bücherei der 1912 auf Pulitzers Journalistenschul-Anregung hin gegründeten Columbia-Fakultät für Journalismus bekannt.

Bild: Christian Pohl / pixelio.de

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