Der „Trend“ Veganismus

Veganismus – Vegane Ernährung ist ein Trend, der sich in den letzten Jahren verstärkt hat. Auf die Frage, warum immer mehr Menschen nicht nur Fleisch und Wurst, sondern auch Eiern und Milchprodukten abschwören, gibt es unterschiedliche Antworten.

Begriffserklärung

Vegan zu leben bedeutet, alle offensichtlich tierischen Produkte bei der Ernährung wegzulassen: Fleisch, Wurst, Honig, Eier und sämtliche Milchprodukte wie beispielsweise Sahne, Joghurt, Käse oder Milch. Viele Veganer verzichten darüber hinaus aber auch auf Produkte wie Schuhe und Taschen, die aus Tieren hergestellt werden. In diese Kategorie gehören Wolle, Seide und Leder. Kosmetika, die mit Tierprodukten hergestellt werden oder gar auf Tierversuchen basieren, sind sowieso tabu. Vegane Produkte werden von vielen Herstellern mittlerweile durch die sogenannte „Veganblume“ gekennzeichnet – das Symbol ist jedoch nicht rechtlich geschützt. Gemäß der Satzung der „Vegan Society“ ist es erklärtes Ziel, „alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeit an Tieren […] zu vermeiden und die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern“.

Veganismus und vegetarische Lebensweise

Vegetarier und Veganer machen die Ethik und die Rechte von Tieren zum Mittelpunkt ihrer Lebenseinstellung. Auch Vegetarier verzichten auf Fleisch-, Wurst- und Fischprodukte, weil sie konventionelle und auch ökologische Tierhaltung ethisch nicht vertreten können. Beide Gruppen sind erklärte Gegner der Massentierhaltung. Tiere für den eigenen Genuss zu quälen und zu schlachten, ist für sie ebenso wenig hinnehmbar wie die damit verbundene Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Einig sind sich beide Gruppen auch darin, dass eine gesunde Ernährung durch nichttierische Produkte besser gewährleistet ist als durch eine herkömmliche, fette Ernährung mit viel Fleisch, vielen Kohlehydraten und wenig pflanzlichen Ballaststoffen.

Historische Wurzeln veganen Denkens

Tierethische Überlegungen, wie sie Peter Singer 1975 in seinem Werk „Animal Liberation“ anstellte, beflügelten die Diskussion um eine vegetarische Lebenshaltung, aus welcher sich der Veganismus entwickelte. Entsprechende tierethische Grundsätze wurden in einem Memorandum schon 1979 von der „Vegan Society“ formuliert. Vorläufer eines Lebens ohne tierische Produkte sind in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts im Gedankengut der Lebensreformbewegung zu finden: Die Rückkehr zu einer „naturgemäßen Lebensweise“ als Antwort auf die Urbanisierung und Industrialisierung der Moderne. Mit der Lebensreformbewegung gingen die Ideen der Naturheilkunde, sogenannte Reformkleidung für Frauen, die bequem saß und nicht einengte, ökologische Landwirtschaft und Vegetarismus einher.

Fleischverzicht – Tendenz steigend

In Deutschland ging der Fleischkonsum im vergangenen Jahr zurück, während er weltweit zunimmt – ungeachtet einer wachsenden Zahl von Vegetariern und Veganern. Die Ausbreitung der Supermarktkette „Veganz“ – 2011 erstmals in Berlin, 2013 in Frankfurt eröffnet – zeigt grundsätzlich eine Zunahme veganer Lebenseinstellung. Ebenso wie vegane Lokale, die sich vor allem in den Großstädten ausbreiten. Der deutsche Vegetarierbund sprach im Januar 2015 von 900.000 Veganern, d.h. 1,1 % Prozent der Bevölkerung ernähren sich vegan. Demgegenüber ernähren sich 10 % der Deutschen vegetarisch – das sind in Zahlen 7,8 Millionen Menschen. Das Allensbach Institut, das Meinungsforschungsinstitut YouGov sowie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg bestätigen, dass sich dieser Trend in den vergangenen 20 Jahren verzehnfacht hat.

Veganismus: Entwicklungen in Deutschland und der Welt

Bekennende Veganer sind vielfach zunächst Vegetarier. Daher ist es nicht immer möglich, beide Gruppen zu trennen. Manche Menschen entscheiden sich vorübergehend, auf Fleisch und Milchprodukte zu verzichten, andere bleiben bei dieser neuen Haltung. Die Grenzen sind oft fließend und Statistiken erfassen beide Gruppen gerne gemeinsam. Grundsätzlich gilt, dass Frankreich, Spanien, Belgien und Neuseeland mit 2 % der Bevölkerung an Vegetariern und Veganern weltweit das Schlusslicht bilden. Deutschland hingegen gehört zu den Spitzenreitern: Mit 9 % folgt es direkt hinter Taiwan, 10 %. Im oberen Drittel der Statistik finden sich außerdem die Länder Israel (8,5 %), Brasilien (8 %), Italien (6,7 %) und die Schweiz (5 %).
Im Unterschied dazu treffen reisende Veganer noch auf unterschiedliche Bedingungen: In Italien etwa ist Veganismus bereits wesentlich leichter zu leben als in Spanien.

Ausblick

Es steht zu erwarten, dass sich der „Trend“ Veganismus in Deutschland fortsetzen wird. Denn längst sind die Überlegungen veganer Ernährung, die ebenso nachhaltige ökologische Bedingungen und soziale Faktoren miteinbeziehen, in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Zukunft bleibt spannend.

Bild: Denise / pixelio.de

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