Die aktuelle Entwicklung der Strompreise

Als im Oktober 2012 die EEG Umlage erstmals mit über 5 Cent Anteil am Preis für eine Kilowattstunde Elektroenergie festgelegt wurde, setzte eine heiße Diskussion um den Strompreis in Deutschland ein. Zum Jahresbeginn 2013 zogen die Stromanbieter flächendeckend nach und erhöhten die Strompreise so stark, wie schon seit knapp 30 Jahren nicht mehr. Mittlerweile liegt die EEG Umlage bei 6,24 Cent pro kWh, und da seit 2012 noch drei weitere Umlagen dazugekommen sind, die den Strompreis belasten, wird die Sorge um den Preis für den Strom immer stärker.
Für viele einkommensschwache Haushalte sind die steigenden Energiekosten bereits zur existenziellen Bedrohung geworden. Aber auch für alle anderen sind das Energiesparen und der Stromvergleich die einzigen Mittel, das Haushaltsbudget im Rahmen zu halten.

Werden die Preise für Strom weiter steigen?

Die Experten sind sich einig, dass die Strompreise in Deutschland weiter steigen werden – die Frage ist nur, in welchem Maße. Bundeswirtschaftsminister Gabriel (SPD) hat zwar ein konstantes Niveau der Energiekosten bis 2017 in Aussicht gestellt, aber das ist nur das günstigste aller denkbaren Szenarien zur Strompreisentwicklung. Bis 2020 ist eine Senkung gar nicht möglich, weil bis dahin die Einspeisevergütung für die ab dem Jahr 2000 installierten Anlagen mit erneuerbaren Energien stetig ansteigt. Sie beläuft sich mittlerweile auf 20 Mrd. Euro pro Jahr und wird sogar noch über 30 Mrd. Euro im Jahr anwachsen. Allein bis 2018 rechnet die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission für die Energiewende mit wenigstens 0,02 Euro Erhöhung bei der EEG Umlage. Erst wenn die Degression der Vergütung nach 20 Jahren staatlich garantierter Abnahmepreise für alternativen Energien greift, werden die Zahlungen rückläufig.

Aber 2020 lauern bereits die nächsten Teuerungshürden. Denn dann wird der Ausstieg aus der Kernenergie akut, den Bundeskanzlerin Merkel (CDU) 2011 spontan nach der Katastrophe von Fukushima ausgerufen hat. Da sie zeitgleich die Energiewende proklamierte, wird der billige Atomstrom nicht wieder durch Strom aus der Kohle ersetzt, sondern vorwiegend durch Energie aus Gaskraftwerken. Die Kosten für die Energieerzeugung steigen in allen Bereichen, die grundlastfähig sind.

Was der Verbraucher alles zahlt

Denn die Erneuerbaren Energien sind nicht allein der Grund für die ständig steigenden Strompreise. Mehr als die Hälfte der Kosten für eine kWh sind Steuern und Umlagen. Die Stromanbieter sind so gesehen nicht einmal die eigentlichen Preistreiber. Ihre Ausgaben für die Energieerzeugung, den Transport und den Vertrieb sind seit fünf Jahren nahezu konstant geblieben. In der gleichen Zeit ist der durchschnittliche Verkaufspreis um rund 6 Cent gestiegen. Allerdings profitieren sie erheblich von den Regelungen der Regierung. Mittlerweile setzten sich die Strompreise aus zehn verschiedenen Kapiteln zusammen, darunter auch die Offshore-Haftung, der Ausgleich für die Abschaltung von Lasten, die Netzentgelte oder der Aufschlag für Kraft-Wärme-Kopplungssysteme. Für jeden, der an der Stromversorgung in Deutschland beteiligt ist, hat die Politik vorgesorgt – einschließlich sich selbst mit Stromsteuer und Mehrwertsteuer.

Damit auch die Kommunen etwas von den Stromeinahmen haben, dürfen sie die Konzessionsabgabe kassieren. Allein die Beträge, die direkt in den öffentlichen Haushalt fließen, übersteigen die EEG-Umlage deutlich. Der Zahlende ist einzig und allein der private Stromkunde. Er übernimmt sogar noch anteilig die Stromkosten für die deutsche Industrie. Denn die ist in weiten Teilen von der EEG-Umlage befreit und stromintensive Zweige erhalten noch weitere Vergünstigungen. Während der private Endkunde 2012 durchschnittlich 0,264 Euro pro kWh zahlte, lag der entsprechende Betrag für industrielle Verbraucher von 20 bis 500 MW pro Jahr bei 0,149 Euro und in der obersten Kategorie bei 0,116 Euro. Eine Fülle von Ausnahmeregelungen bestehen zudem für Unternehmen, die nicht per Definition als stromintensiv gelten.

Stromvergleich Europa

Im europäischen Stromvergleich liegen die deutschen Preise ca. 48 % über dem europäischen Durchschnitt. Seit dem Jahr 2001 kennen sie nur noch eine Richtung: nach oben. In diesem Zeitraum haben sich die Stromkosten nahezu verdoppelt. Nach Einschätzung der EU wird sich diese Entwicklung bis 2030 noch einmal wiederholen. Die Hoffnung der Verbraucher, dass die Politik das verhindern könnte, ist gering. Denn weder steht eine Senkung der Stromsteuer in Aussicht noch lässt die Regierung vom Ausbau der teuersten Stromproduktion aller Zeiten: der Offshore-Energie samt Stromautobahnen durch das ganze Land.

Bild: Marc Boberach / pixelio.de

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