Die Beliebtheit des ARD Tatort

„Taxi nach Leipzig“ war der erste Kriminalfilm aus der Tatort Reihe, der am 29. September 1970 in der ARD ausgestrahlt wurde. Damals hieß der Kommissar Trimmel, gespielt von dem Schauspieler Walter Richter.

Warum gab es einen „Tatort“?

Vor der Ausstrahlung des ersten Tatorts war die ARD auf der Suche nach einem neuen Format, um einerseits einen Ersatz für die gleichfalls erfolgreiche Stahlnetz-Serie zu erhalten und der Konkurrenz von ZDF mit der Serie „Der Kommissar“, damals noch gespielt von Erik Ode, etwas entgegenzusetzen. Anfänglich sollten die Tatort-Serien nur in Berlin spielen beziehungsweise der Titel Tatort um den Handlungsort ergänzt werden. In der Konzeption kam dann die Idee auf, die Serien, auch aus Kostengründen, von den verschiedenen Landesanstalten produzieren zu lassen. Dies stieß in der vierteljährlich abgehaltenen Konferenz der ARD Fernsehspielchefs zuerst auf wenig Gegenliebe, wurde beim zweiten Versuch aber dann doch genehmigt. Ohne Frage wäre der Tatort ohne diese Idee der Verteilung der Produktionsstandorte und damit wechselnder Schauspielerteams niemals so erfolgreich geworden.

Der Tatort und seine Kommissare

In den ersten Folgen der Serie war der Fokus sehr stark auf die jeweiligen Kommissare und ihre Charaktere ausgerichtet. Dies hat sich bis heute zu einem etwas geringeren Anteil erhalten, jedoch veränderte sich im Laufe der Zeit, immerhin nun 44 Jahre ununterbrochene Tatort-Folgen, die Sichtweise der Zuschauer. Dem trugen und tragen die Drehbuchschreiber und Regisseure in der Form Rechnung, dass oft ein Team in den Vordergrund gestellt wird. Anfangs war das noch eine zögerliche Umsetzung oder scheiterte schlicht an der Dominanz des jeweiligen Kommissars. Das wohl beste Beispiel hierfür war der Duisburger Tatort-Kommisar Horst Schimanski alias Götz George, der vorwiegend in den 80er Jahren im Ruhrpott ermittelte. Sein eigentlich gleichberechtigter Partner Tanner spielte fast immer die zweite Geige. Trotzdem waren schon damals die Nebencharaktere stärker ausgeprägt.

In den achtziger Jahren kamen dann auch Teams auf, die bis heute gleichberechtigt nebeneinander spielen. Allen voran die Kölner und Münchner Kommissare Ballauf/Schenk sowie Batic/Leitmayr. Das Gespann aus Münster, Thiel und Boerne, das inzwischen auch schon 12 Jahre lang in der eher ländlichen Stadt Münster ermittelt, stellt eine Besonderheit dar, da es sich nicht um ein Polizeigespann, sondern um einen Pathologen und einen Kommissar handelt, deren Beliebtheit ohne den starken Kontrast der beiden Charaktere wohl so nicht zustande gekommen wäre. Dazu kommt der oft humoristische Unterton, treffend dargestellt im Sarkasmus von Boerne und der Bodenständigkeit von Thiel. Beide Schauspieler, Axel Prahl als Thiel und Jan Josef Liefers als Boerne, hatten schon vor ihrer Tatort-Zeit eine beachtliche Karriere hingelegt und waren dem Zuschauer im Fernsehen gut bekannt.

Dieses Konzept bekannter Gesichter wurde auch für die neuesten Hamburger Tatort-Folgen umgesetzt, indem Til Schweiger zusammen mit Fahri Yardam die Ermittler Tschiller und Gümer spielen. Dass die Prominenz von Schweiger hilft, zeigte sich an der Zuschauerbeteiligung der am 10. März 2013 ausgestrahlten Tatort-Folge „Willkommen in Hamburg“. Mehr als 12 Millionen Menschen sahen Schweiger alias Tschiller beim Ermitteln zu, womit dieser Tatort-Hamburg zum erfolgreichsten Tatort seit fast 20 Jahren wurde. Die zweite Folge stellte ebenfalls einen Rekord auf: 19 Tote.

Die beliebtesten Tatort-Folgen

Ein etwas schwieriges Feld ist die Bewertung und die Frage, welches die beliebtesten Folgen sind. Letztlich ist diese Betrachtung natürlich immer subjektiv. Tatsächlich wird im Internet seit mehr als 15 Jahren eine Bewertungsskala mit unterschiedlichen Parametern geführt, die einen guten Überblick über den Beliebtheitsgrad sowohl der einzelnen Folgen wie auch der jeweiligen Ermittler gibt. Nach dieser Liste ist der aktuell beliebteste Tatort-Kommissar Axel Milberg alias Klaus Borowski, der im Norddeutschen Kiel nach Verbrechern fahndet. In der Gesamtwertung ist der beliebteste Kommissar ein leider bereits verstorbener Schauspieler. Klaus Schwarzkopf spielte im Jahr 1975 den Kommissar Finke in Hamburg. Regie führte damals übrigens kein geringerer als Wolfgang Petersen.

Warum immer noch Tatort-Folgen?

44 Jahre sind gerade im Fernsehen eine enorm lange Zeitspanne, in der etliche Serien aufkamen und auch wieder untergingen. Warum halten sich die Tatort-Folgen? Die einfachste Begründung dürfte in der Vielfältigkeit der Serie bei trotzdem nur einem Bezugspunkt zu suchen sein. Es geht immer um das Böse, um Ungerechtigkeit, Kriminalität und natürlich Tote. Um diese Dinge werden immer neue und aktualisierte Geschichten gesponnen, die von den Tatort-Kommissaren als vertraute Bezugspunkte aufgelöst werden. Dabei hat jeder Zuschauer „seinen“ Kommissar beziehungsweise Kommissarin. Die unterschiedlichen Spielorte bieten Unterhaltung, ohne zu weit weg zu sein, sodass daraus Fiction entstehen könnte. Es ist eine wunderbare Mischung aus realen Plätzen und gutem, weil professionell gemachtem Fernsehspiel mit einem meist guten Ende. Genau das, was der Zuschauer an einem Sonntag-Abend braucht.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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