Die größten Staudämme der Welt

Historische Aspekte

Bereits im Alten Ägypten kannte man das Prinzip des Staudammbaus. Auch heute noch partiell gut erhalten ist der Staudamm Sadd-el-Kafara nahe Kairo. Der Erbauungszeitraum lässt sich auf 2900-2500 v. Chr. eingrenzen und gilt somit als ältester, noch teilweise vorhandener Staudamm der Welt. Parallel dazu begannen in Asien, im heutigen Jordanien, die Anfänge einer über Staudämme geregelten Wasserversorgung. An vielen Orten weltweit entstanden um 1000 v. Chr. unzählige ähnliche Bauwerke. Im europäischen Raum waren insbesondere die Römer Vorreiter auf diesem Gebiet.

Definition und Funktionsprinzip

Allgemein bezeichnet ein Staudamm die natürliche oder künstliche Konstruktion eines Bauwerks zur Absperrung einer Stauanlage; keineswegs zu verwechseln mit einer Staumauer. Die Dämme sind zum Großteil künstliche Aufschüttungen von Geröll, Erde und Steinen. Dennoch gibt es auch natürliche Staudämme, zumeist durch Erdrutsche geformt, wie beispielsweise der Pragser Wildsee.
Als sinnvoll erweisen sich Staudämme für Stellen, an denen die Absperrung eines breiten Tales durch minimale Höhen stattfinden soll.
Als Grundlage verwendet man zur Aufschüttung meist Materialien aus der näheren Umgebung.
Normalerweise wird dadurch ein Talquerschnitt blockiert. Das Zentrum stellt der Stützkörper dar, der aus verschiedenen Schichten mit abweichender Durchlässigkeit besteht. Zudem erfolgt eine Abdichtung entweder zur Wasser- oder Innenseite.
Beidseitig wird ein Gefälle mit einer speziellen Neigung geschaffen. Somit ergibt sich ein Querschnitt in Trapezform. Da der Untergrund keine besonders hohe Belastung aufnehmen muss, wird nicht zwingend eine felsige Bodenschicht benötigt.

Die produktivsten Staudämme der Welt

Die weltweit größten und produktivsten künstlichen Dämme befinden sich in Asien und Nordamerika, doch auch in der Schweiz sowie in Südamerika gibt es nennenswerte Beispiele.
Nach ihrer Fertigstellung wird sich an der Bachtiari-Talsperre im Iran mit geplanten 315-325 Metern Höhe der größte Staudamm der Welt befinden. Danach folgen mehrere Anlagen in der Volksrepublik China. Der sich anschließend einreihende Staudamm Grande Dixence am Lac des Dix inmitten des Kantons Wallis in der Schweiz war zu Zeiten seiner Erbauung in den 1920er Jahren der zweitgrößte weltweit. In Nordamerika befinden sich der Manuel M. Torres Chicoasén- sowie der Álvaro Obregón-Staudamm, mit deren Hilfe ein großer Teil der landesweiten Stromversorgung Mexikos abgedeckt wird.

In den Vereinigten Staaten findet man im weltweiten Vergleich mit nennenswerter Größe den Oroville-Staudamm mit einer Höhe von 235 Metern. Auch der Hoover-Dam am Colorado River sichert als zweitgrößter Staudamm der Vereinigten Staaten die Stromversorgung vieler Einwohner; insbesondere für die Wüstenstadt Las Vegas.
In Kolumbien, Südamerika, befinden sich die mit Abstand größten Dämme des Kontinents, doch auch Peru und Brasilien tragen durch höchst produktive Staudämme maßgeblich zur nachhaltigeren Stromerzeugung bei.

Vor- und Nachteile

Wie so häufig bei Eingriffen in die Natur, gibt es ebenfalls weitreichende Diskussionen zum Nutzen von Staudämmen. Neben rein wirtschaftlichen Vorteilen, wie steigenden Besucherzahlen dank einer neuen Attraktion und einer möglichen Förderung der Industrie durch eine ausgezeichnete Stromversorgung, bringt eine so tiefgreifende Neuerung auch viele andere Vorzüge mit sich. Es entstehen Arbeitsplätze, eine gesamte Region erfährt finanziellen und sozialen Aufschwung; die Infrastruktur wird erweitert und neue Geschäftszweige entstehen. Gegebenenfalls kann nicht direkt benötigter Strom weiterverkauft werden.

Das Thema Umweltschutz ist in diesem Zusammenhang ein sehr kontroverses Thema. Trockene Gebiete können besser mit Wasser versorgt werden. Das Wasser selbst wird kontrollierter eingeteilt und fließt nicht mehr ungenutzt ab. Zudem können neue Tier- und Pflanzenarten dadurch einen Lebensraum finden. Durch die Flutung bzw. Trockenlegung von anderen Bereichen wird wiederum natürlicher Raum zerstört. Im Unterlauf bleibt die Anschwemmung von fruchtbarem Boden aus; es fehlt an natürlichem Dünger, was insbesondere in Teilen Asiens (Indien, Volksrepublik China)und Südamerikas zu Problemen führen kann.

Die Kosten für den Bau und die Instandhaltung eines Staudamms sind sehr hoch und haben eine lange Amortisationszeit. Nicht selten müssen ganze Ortschaften umgesiedelt werden; Kulturgut wird zerstört. Im Falle von Problemen nach der Errichtung, wie beispielsweise Risse im Damm, gibt es keine sinnvolle Möglichkeit der Schadensbegrenzung. Aufgrund Ihrer neu gewonnenen touristischen Attraktivität werden die Staudämme auch für Terroristen ein zunehmend interessanteres Ziel.
Im Großen und Ganzen bleibt zu sagen, dass ein derart starker Eingriff in das Gleichgewicht der Natur mehrfach tiefgründig abgewogen werden muss.

Bild: Joujou / pixelio.de

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