Die Vermögensverteilung in Deutschland

Die OECD hat eine neue Studie zur Vermögensverteilung in Deutschland veröffentlicht. Deutschland belegt bei der Einkommensverteilung, die sich mittel- und langfristig auch auf die Vermögensverteilung auswirkt, im Vergleich zu den anderen Staaten der OECD einen Platz im Mittelfeld. Besonders gerecht verteilt ist das Einkommen in den nordischen und einigen osteuropäischen Ländern, während die Türkei, die USA und Großbritannien eine größere Ungleichheit aufweisen.

Seit dem Jahr 2007 bleibt die Vermögensverteilung stabil

Während sich die Vermögensunterschiede in den meisten anderen Mitgliedsstaaten der OECD seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise verstärkt haben, hat sich in Deutschland seit 2007 das Vermögen der Haushalte kaum verändert. Das oberste Zehntel der Erwerbstätigen in der Wirtschaft verdient demnach 6,6 mal soviel wie die untersten 10% der Erwerbstätigen. Für den DGB stellt diese Ungleichheit ein Armutszeugnis dar, welche schnellstmöglich von der Politik behoben werden sollte. Im Jahr 2011 verdienten die Vorstände der DAX-Unternehmen 53 mal so viel wie der durchschnittlich verdienende Arbeitnehmer.

Vermögenserfassung des reichten Zehntels nur schwierig möglich

Bei der Vermögensverteilung ergibt sich das Bild, nach dem das reichste Zehntel der deutschen Bevölkerung 60% des gesamten Vermögens besitzt. Der Durchschnitt in der OECD liegt bei 50%. Diese Zahlen sind jedoch mit großer Vorsicht zu genießen, da es in Deutschland keine direkte Erfassung von Vermögen gibt und diese Werte zumeist auf Schätzungen berufen. Die Superreichen machen freiwillig keine Angaben über ihre Vermögensverhältnisse, da sie sonst eine öffentliche Diskussion über eine gerechtere Vermögensverteilung auslösen könnten, die sich zu ihrem eigenem Nachteil auswirken könnte. Die Politik sollte Maßnahmen schaffen, die zu einer Offenlegung der Vermögensverhältnisse führen, um die gesellschaftliche Debatte für dieses wichtige Thema anzustoßen.

Große Ungleichheit führt zu sozialer Ausgrenzung

Die Probleme, die sich aus einer ungleichen Vermögensverteilung ergeben, sind vielfältig. Zum einen fehlt dem ärmeren Teil der Bevölkerung wichtiges Geld, um sich selbst in die Gesellschaft einbringen zu können. Keine Mitgliedschaft in Sportvereinen oder allgemein der Verzicht auf sämtliche Freizeitaktivitäten führt der Studie zufolge zu einer sozialen Ausgrenzung der benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Zum anderen ergibt sich in Deutschland zusätzlich das Problem, dass die Herkunft von Kindern die Bildungschancen in großem Maße beeinflussen. Kinder von Haushalten mit einem geringen Einkommen haben oftmals nicht die gleichen Bildungschancen wie Kinder reicher Eltern.

Studie belegt negative wirtschaftliche Auswirkungen bei großer Ungleichheit

Wenn sich eine solch große Ungleichheit ergibt, dass 40% der Gesellschaft abgehängt und damit ausgegrenzt werden, kann die Gesellschaft nicht ihr ganzes Potenzial abrufen, was zu sinkendem Wirtschaftswachstum führen kann. Zwischen 1990 und 2010 hat die steigende Ungleichheit zu einem um 4,7 Prozentpunkte niedrigeren Wirtschaftswachstum geführt. Neben den sozialen Auswirkungen können also auch wirtschaftliche Folgen auf besonders ungleiche Gesellschaften treffen.

Die Politik ist gefordert

Eine Umverteilung der Einkommen erfolgt in Deutschland u.a. über das progressive Steuersystem, bei dem Geringverdiener deutlich weniger Steuern als Spitzenverdiener zahlen müssen. Die stetige Absenkung des Spitzensteuersatzes im Laufe der Jahre führte jedoch zu einer größeren Einkommensschere in der Gesellschaft. Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 brachten die Parteien die Einführung einer Vermögenssteuer ins Spiel, die neben der gerechteren Vermögensverteilung auch endlich eine Offenlegung des Vermögens von Superreichen zur Folge hätte. Diese mögliche Vermögenssteuer wurde von der CDU/CSU jedoch stets abgelehnt und ist aus der öffentlichen Debatte völlig verschwunden.

Eine weitere Möglichkeit das reichste Zehntel in Deutschland stärker zu besteuern, ist die Erhöhung der Steuern auf Kapitalerträge. Während Arbeitseinkommen mit bis zu 47,5 % besteuert werden kann, werden die Einkünfte aus Kapitalerträgen mit lediglich 25 % besteuert. Anders als beim Arbeitseinkommen erhöht sich der Steuersatz bei höheren Kapitalerträgen nicht. Da besonders die reichsten Menschen hohe Kapitalerträge erzielen, profitieren sie in besonderen Maße von dieser Steuergesetzgebung. Lobbyismus durch die Wirtschaft und falsche Kommunikation der Spitzenpolitiker bzgl. dieser Ungleichheit verhinderten bisher den öffentlichen Diskurs.

Bild: Uwe Schlick / pixelio.de

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