Die Vielfalt der Whisk(e)ys

Whisky oder Whiskey? Schon bei der Frage nach der richtigen Schreibweise sorgt diese Spirituose immer wieder für Verwirrung. Dabei gibt es eine klare Regel: Wurde das Getränk in Schottland hergestellt, schreibt man es ohne e. Whiskeys mit e stammen dagegen aus Nordamerika oder Irland.
Unabhängig von Rechtschreibung und Herkunftsland gilt für alle Whisk(e)ys, dass sie aus Getreidemaische destilliert werden, mehrere Jahre in Holzfässern reifen und nach der Abfüllung meist einen Alkoholgehalt von ungefähr 40 Prozent oder mehr haben. Da enden die Gemeinsamkeiten aber auch schon wieder: Je nach Art der Herstellung können verschiedene Whisk(e)ys sich in Geschmack, Farbe und auch Preis stark unterscheiden.

(Nicht nur) eine Frage der Herkunft: Bourbon Whiskey oder Scotch?

In den USA gibt es verschiedene Whiskey-Varianten, die beispielsweise aus Roggen oder Weizen hergestellt werden. Weltweit am berühmtesten ist der Bourbon, bei dem Mais die Hauptzutat bildet. Eine besondere Form des Bourbons stellt der hauptsächlich durch die Marke Jack Daniel’s bekannt gewordene Tennessee Whiskey dar, der durch eine spezielle Filterung recht mild ist.
Während „Bourbon“ also sowohl das Ursprungsland als auch die Zutaten beschreibt, ist „Scotch Whisky“ oder einfach nur „Scotch“ in erster Linie eine Herkunftsbezeichnung. Sie sagt nur aus, dass der jeweilige Branntwein in Schottland produziert wurde. Außerdem muss er zumindest zum Teil aus Gerstenmalz hergestellt sein, das aber auch mit anderen Getreidesorten gemischt sein darf. Um das Getränk genauer zu beschreiben, sind also weitere Begriffe nötig. Wichtig ist hier vor allem die Unterscheidung zwischen Blends und Single Malts.

Die Mischung macht’s: Blended Whisky

Blended Whiskys oder kurz Blends werden aus verschiedenen Whiskys gemischt. Dabei müssen die Zutaten der Ursprungswhiskys nicht einheitlich sein: So werden z. B. in schottischen Blends häufig Brände aus Gerste mit solchen aus anderen Getreidesorten vermischt, da Letztere zwar weniger geschmacksintensiv, aber billiger in der Herstellung sind.
Für alle Blends gilt, dass die Bestandteile aus mehreren unterschiedlichen Brennereien stammen. Durch die Mischung lassen sich Blends in sehr großen Mengen mit stets gleichbleibendem Geschmack herstellen. Somit erstaunt es nicht, dass die meistverkauften großen Whisky-Marken zu dieser Kategorie gehören, so etwa Johnny Walker oder Ballantine’s.

Die Whisky-Königsklasse: Single Malts

Bei Blends kann der Käufer also normalerweise nicht wissen, wo genau sein Getränk hergestellt wurde. Ganz anders ist das bei einem Single Malt: Er muss in einer bestimmten Brennerei produziert worden sein, nach der er meist auch benannt ist. Auf keinen Fall darf er mit Spirituosen anderer Herkunft vermischt werden. Auch darf er, wie der Namensbestandteil „Malt“ verrät, nur gemälzte Gerste und keine anderen Getreidearten enthalten.
Jeder dieser Malts hat seinen ganz eigenen Charakter, der sich aus den Besonderheiten im Herstellungsverfahren der jeweiligen Brennerei ergibt. So wird das Gerstenmalz oft mit Hilfe von Torfrauch getrocknet. Je nachdem, ob der Hersteller hier viel, wenig oder gar keinen Torf zusetzt, wird das fertige Getränk später ein rauchiges oder ein milderes Aroma bekommen. Auch die Form der Brennblasen und die Art der Fässer, in denen der Alkohol mindestens drei, meist aber 8-12 Jahre reift, beeinflusst den Geschmack stark. Sogar der genaue Herstellungsort kann eine Rolle spielen: So nehmen Whiskys aus unmittelbar am Meer gelegenen Brennereien oft einen leichten Salzgeschmack aus der Seeluft an.
Wegen der langen Reifezeiten, der oft recht kleinen Produktionsmengen und des für die Rezepturen nötigen Fachwissens sind diese Malts teurer als die meisten Blends. Dabei gilt: Je länger der gute Tropfen gereift ist, umso seltener ist er und umso mehr sind Kenner bereit, für den Genuss Geld auszugeben.

Faszination durch Vielfalt

Auch über die Frage nach der Rechtschreibung hinaus gibt es beim Whisk(e)y also viele Unterschiede. Ein Fan milder amerikanischer Bourbons wird nicht automatisch auch ein Freund von torfigen schottischen Malts sein. Und wer einen leichten, fruchtigen Highlandwhisky zusammen mit einem rauchig-öligen Vertreter von der Insel Islay probiert, wird kaum glauben, dass beide mit dem gleichen Überbegriff bezeichnet werden.
Auch wenn diese Geschmacksvielfalt Einsteiger zunächst etwas verwirren mag, macht sie für viele gerade die Faszination dieses Getränks aus.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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