Die Vor- und Nachteile von Ökostrom

Die Positionen beim Ökostrom scheinen klar: die einen sehen in ihm das Gebot der Stunde, das unbedingt aktiv durchgesetzt werden muss, die anderen verteufeln den Ökostrom als Preistreiber. Letzteren gilt Ökostrom als zu teuer, völlig übersubventioniert und mit zu viel Aufwand verbunden. Was bleibt, wenn einmal alle Vorurteile beiseite gelassen werden und nur die reinen Fakten sprechen?

Ökostrom ist klimafreundlich

An dieser mehrfach bewiesenen Wahrheit haben auch die Kritiker nichts auszusetzen. Dass die Verwendung von Ökostrom schädliche CO2-Emissionen vermeidet, weiß mittlerweile jedes Kind. Die jährliche Ersparnis in Deutschland beträgt rund 67 Millionen Tonnen. Ab 2015 sollen es rund 78 Millionen Tonnen CO2 sein. Wer für seinen Strombedarf erneuerbare Energie einsetzt, erhöht seinen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz aktiv um 80 %.

Grüner Strom schützt die natürlichen Ressourcen

Auch dieser Punkt ist unstrittig. Es ist gar nicht die Frage, wann denn nun die Vorräte an fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Kohle oder Gas zu Ende gehen – da werden jedes Jahr neue Berechnungen gemeldet, die Entwarnung vor dem Aus geben sollen. Damit verbunden aber ist auch das Wissen, dass die Aufwendungen, um beispielsweise Erdöl oder Erdgas aus der Tiefsee zu fördern, immer größer werden. Die Naturschäden, die bereits bei der Förderung von Kohle entstehen, sind in den betroffenen Gebieten noch größer als die allgemeine Belastung durch CO2.
Im Gegensatz zu Erdöl, Kohle und Gas sind Wind, Sonne, Wasser und Erdwärme unerschöpflich.

Nachteile: Grüner Strom verursacht Sekundärschäden

Endlich können die Öko-Kritiker auftrumpfen: Windräder blockieren Flächen und verschandeln die Landschaft, Wasserkrafttechnische Anlagen zerstören die Biosphäre in ihrem Einzugsbereich, die Produktion von Solar-Wafern verschlingt riesige Energiemengen und der Transport von Material wie Pellets oder Ausrüstungen wie Solaranlagen schlägt in der mobilen CO2-Emission zu Buche.
Das letzte Gegenargument ist eigentlich nur ein Argument für Elektrofahrzeuge auf Grünstrombasis, was im übrigen auch für die Fabrikation jeglicher Güter gilt.
Aber im Einzelnen: Solarmodule erzeugen in ihrer Lebenszeit mindestens das Fünffache der Energie, die zu ihrer Herstellung notwendig war. Der Anblick von Windrädern ist genau so gewöhnungsbedürftig wie vor 150 Jahren die Eisenbahn als „Ungetüm“ bezeichnet wurde, und Bahnhöfe nur weit vor den Städten errichtet werden durften.
Was bleibt, sind tatsächliche Flächenblockaden durch Wind- und Wassersysteme. Ob deren Verlegung auf das Meer die Lösung ist, scheint strittig.

Alternative Energien und Wirtschaft

Der Abbau der traditionellen Energieproduktion kostet Arbeitsplätze – in Deutschland das absolute Totschlag-Argument. Der Aufbau des alternativen Energiesystems schafft Arbeitsplätze – das wird gern übersehen. Seit der EEG-Reform sind in Deutschland mehr als 200.000 Arbeitsplätze im Bereich der alternativen Energien entstanden, bis 2020 sollen es 500.000 sein. Das Aus der Atomenergie bedeutet den Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen.
Mit der deutschen Aktivistenrolle bei den erneuerbaren Energien werden die Standorte zwischen Flensburg und Oberstdorf als Ziel für internationale Investitionen und Anlagen interessant.

Nachteile: Niedrige Wirkungsgrade

Der mindere Energiegehalt von Holz gegenüber Kohle ist eine Binsenweisheit. Dass mit Hackschnitzeln, Pellets oder anderer Biomasse mehr Volumen eingesetzt werden muss, um die gleiche Wärme- oder Stromproduktion zu erreichen, ist kein Argument dafür, dann doch lieber fossile Brennstoffe zu verwenden. Es gibt Methoden wie die Kraft-Wärme-Kopplung, mit der Biomasse effektiver verwertet werden kann. Der vergleichsweise niedrige Wirkungsgrad von Solarmodulen dagegen ist völlig belanglos. Hier wird der Ausgleich über mehr Fläche hergestellt – auf Dächern und Objekten, die bereits eine Fläche blockieren.
Und: Wind und Sonne sind kostenlos.

Ökostrom verursacht höhere Stromkosten

Diese Aussage stimmt in doppelter Hinsicht nicht: gesamtwirtschaftlich und als private Ausgabe. Die Subventionen für Erdöl, Kohle, Erdgas und für die Atomindustrie liegen weit über denen, die Deutschland für erneuerbare Energie ausgibt. Über die EEG-Umlage im Strompreis redet jeder. Dass über 50 % des Strompreises aus Steuern und Abgaben bestehen, bemerkt eher keiner. Denn darin steckt ein Großteil dieser Subventionen. Die Bürger bezahlen sie, ohne es zu wissen.
Für den privaten Bezug ist auch Öko Strom eine Preis-Alternative. Keiner muss mehr nur um seines grünen Gewissens willen mehr bezahlen als nötig. Der „Energieheld“ im Web hat herausgefunden, dass es in 89 % aller deutschen Regionen einen Ökostrom-Anbieter gibt, der seinen Strom billiger abgibt als der örtliche Versorger. Dieses Verhältnis wird sich weiter positiv entwickeln. Denn die Stromerzeugungskosten im alternativen Bereich sinken ständig, während die fossilen Energieträger immer wieder heftige Ausschläge nach oben unternehmen und tendenziell steigen.

Bild: Uwe Schlick / pixelio.de

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