Doping am Arbeitsplatz

Die Anforderungen in der Arbeitswelt nehmen heutzutage stetig zu. Von Arbeitnehmern aller Berufsklassen werden ständig optimierte und effektivere Leistungen bei einem immer schneller werdenden Arbeitstempo und unter stetigem Zeitdruck erwartet. Hochkomplexe Aufgaben müssen innerhalb kürzester Zeit erledigt werden. Aufgrund dieser wachsenden Belastung durch die Arbeit ist es kaum verwunderlich, dass immer mehr Menschen versuchen, ihren Körper und ihre Leistungsfähigkeit, wie beim Doping, mithilfe von Drogen zu optimieren. Eine dadurch entstehende Medikamenten- oder Drogensucht ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr in der modernen Arbeitswelt und sollte von Angehörigen wie auch von Arbeitgebern sehr ernst genommen werden.

Welche Substanzen werden häufig konsumiert?

Um den Stress aushalten, sich besser konzentrieren und dem steigenden Druck standhalten zu können greifen Arbeitnehmer zu allen Arten von Aufputsch- oder Beruhigungsmitteln. Alkohol, Cannabis und rezeptfreie Medikamente gehören genauso zur Palette wie schwerere Drogen, etwa Kokain. Auch nehmen körperlich gesunde Menschen aufgrund der Belastung durch ihre Arbeit häufig verschreibungspflichtige Medikamente mit starker Wirkung ein. Laut einer DAK Studie aus dem Jahr 2015 sollen bis zu fünf Millionen Berufstätige in Deutschland schon einmal Doping im Job betrieben haben oder bereits in eine Sucht geraten sein. Die Dunkelziffer soll mehrere Millionen übersteigen. Diese Zahl zeigt einen drastischen Anstieg von mehr als 40 Prozent im Vergleich zur letzten Studie aus dem Jahr 2008.

Anführer unter den Dopingsubstanzen ist nach wie vor der Alkohol. 5 bis 8 Prozent der Angestellten in deutschen Unternehmen sollen gefährdet sein eine Alkoholsucht zu entwickeln, oder bereits abhängig sein. Das psychoaktive Rauschmittel hat einen zunächst anregenden und im weiteren Verlauf beruhigenden Effekt indem es direkt auf das zentrale Nervensystem im Gehirn einwirkt. Zudem ist Alkohol überall frei verkäuflich und leicht zu konsumieren. Für Arbeitgeber sind alkoholabhängige Mitarbeiter jedoch häufig recht einfach zu erkennen. Viele der Drogen, die sich beispielsweise im Nachtleben verbreitet haben, sind zu Dopingzwecken im Job nicht geeignet. Illegale Drogen wie Heroin oder Crack machen einen Arbeitenden unfähig seine Arbeit weiter auszuführen. Auch Substanzen wie LSD oder Pilze werden aufgrund ihrer halluzinogenen Wirkung eher selten konsumiert. Meist kommen andere illegale Aufputschmittel für das Doping zum Einsatz. Besonders leistungssteigernde Drogen wie Amphetamine oder Kokain werden häufig direkt am Arbeitsplatz eingenommen. Bei einem Kokainrausch erhöht sich die Leistungsfähigkeit des Körpers, die Ausdauer steigert sich und auch die natürliche Müdigkeit wird unterdrückt, wodurch Überstunden, ständiger Stress oder auch Nacht- oder Schichtarbeit leichter bewältigt werden können. Amphetamine und Metamphetamine haben eine ganz ähnliche Wirkung und fallen deshalb ebenfalls unter die am häufigsten eingesetzten Aufputschmittel in der Arbeitswelt. Für Vorgesetzte ist solch ein Drogenmissbrauch ihrer Angestellten viel schwerer zu erkennen als etwa Alkoholkonsum, da sich rein äußerlich weniger Symptome zeigen. Oft sind jedoch erweiterte Pupillen oder verstärktes Schwitzen als Anzeichen von Drogenkonsum zu erkennen.

In welchen Arbeitsklassen wird besonders gedopt?

Dem allgemeingültigen Klischee des durch Doping ständig unter Strom stehenden Top-Managers widersprechend, sind der DAK Studie zufolge in Deutschland vor allem Berufsgruppen gefährdet, die eine im Verhältnis einfache und chancenärmere Arbeit ausführen. Unter Beschäftigten einfacher Tätigkeiten, deren Ausführung oftmals keine Ausbildung erfordert, haben laut Statistik bereits 8,5 Prozent stimulierende Stoffe zu sich genommen, während bei Gelernten die Zahl auf 6,7 Prozent und bei hochqualifizierten Arbeitskräften sogar auf 5,1 Prozent sank. Der Druck und die Belastung durch die ständig wechselnde und unsichere Arbeitssituation unter den einfacheren Beschäftigungen führten demnach zu einer besonders hohen Bereitschaft, Substanzen einzunehmen.

Woher werden die Dopingsubstanzen bezogen?

Eine weitere verbreitete Methode zum Doping stellen verschreibungspflichtige Medikamente dar. Zum Aufputschen werden besonders häufig Medikamente zur Behandlung von Depressionen, Demenz, sowie Schlaf- und Aufmerksamkeitsstörungen missbraucht. Sie können relativ einfach über den Handel auf diversen Internetplattformen erworben werden, aber auch auf herkömmlichem Weg über einen verordnenden Arzt. Viele Betroffene verschaffen sich Zugang zu den rezeptpflichtigen Substanzen auch über Familienmitglieder oder Freunde, die aufgrund von tatsächlichen Krankheiten jene Medikamente einnehmen.

Unterschiede im Konsumverhalten von Männern und Frauen

Untersuchungen zufolge bevorzugen Männer vor allem Aufputschmittel, während Frauen eher zu beruhigenden Substanzen greifen.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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