Elektromobilität in Deutschland

Eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2020 – das von der Bundesregierung gesteckte Ziel wird ohne weitere Förderung kaum zu erreichen sein. Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE), im Mai 2010 gegründet für den strategischen Dialog zwischen Politik, Industrie, Wissenschaft und beteiligten Verbänden, geht mittlerweile von höchsten 600.000 Fahrzeugen in Deutschland aus. Und dies müssen nicht einmal unbedingt Elektroautos sein: Auch Roller und Motorräder, Batteriebusse, sogar Pedelecs und E-Bikes zählen als elektrisch betriebene Fahrzeuge.

Große Vielfalt der Konzepte

Selbst wenn man nur das Segment Pkw betrachtet, gibt es viele Begriffe zu unterscheiden. Zunächst ist da das rein elektrisch betriebene Auto. Es hat eine Batterie, die an der Steckdose aufgeladen werden kann. In den Radnaben sitzen Elektromotoren, ein klassischer Verbrennungsmotor mit Antriebsstrang existiert beim Elektroauto nicht. Wegen der begrenzten Speicherkapazität der Akkus und der dadurch geringen Reichweite der Autos verfügen sie oft noch über einen so genannten Range Extender, einen kleinen Generator, der die Batterien aufladen kann, zum Beispiel bei Bergabfahrt oder durch Erzeugen von Energie beim Bremsen.

Hybridfahrzeuge verfügen sowohl über Elektro- als auch über Verbrennungsmotoren. Dabei ist nur der Vollhybrid in der Lage, rein elektrisch zu fahren. Beim Plug-in-Hybrid wird die Batterie nicht ausschließlich durch den Verbrennungsmotor geladen, sondern kann auch über eine Steckdose mit Energie versorgt werden. Auch Fahrzeuge mit Brennstoffzelle, also einem Antrieb auf Basis von Wasserstoff, haben Elektromotoren. Der Strom dafür wird durch an Bord die Brennstoffzelle erzeugt und in Akkus zwischengespeichert.

Reisen sorgfältig planen

Wer ein reines Elektroauto fährt, muss seine Fahrten sorgfältig planen. Das Netz der Stromtankstellen ist mit rund 4.400 öffentlichen Stationen in den meisten Regionen in Deutschland immer noch dünn. Ist die Ladesäule besetzt oder von einem Auto mit Verbrennungsmotor zugeparkt, muss noch genügend Reichweite vorhanden sein, um eine Alternative zu suchen. Im Fall der zugeparkten Station gibt es derzeit nicht einmal eine rechtliche Grundlage, das auf dem als „Elektro“ gekennzeichneten Platz falsch geparkte Auto abschleppen zu lassen.

Förderung durch das Elektromobilitätsgesetz

Die Bundesregierung plant neben der finanziellen Förderung auch Privilegien für Pkw mit Elektro-Antrieb und andere Elektrofahrzeuge. Auf der Grundlage des derzeit auf den Weg gebrachten Elektromobilitätsgesetzes (EMoG) sind Änderungen des Straßenverkehrsrechts möglich, etwa der oben angesprochene verbindliche Ausweis von besonderen Parkplätzen, eine Befreiung von Parkgebühren, erweiterte Anlieferungszeiten in Fußgängerzonen oder – durchaus umstritten – die Nutzung von Busspuren. Die Regelungen sollen auf kommunaler Ebene getroffen werden, das EMoG bildet lediglich den rechtlichen Rahmen. Die Städte und Gemeinden haben es dann selbst in der Hand, inwieweit sie das Konzept Elektro fördern. Voraussetzung ist allerdings eine eindeutige Kennzeichnung der privilegierten Fahrzeuge, etwa durch den Buchstaben „E“ im Kennzeichen, so wie heute schon das „H“ für historische Autos, die Oldtimer, steht. Dabei gilt es allerdings zu bedenken, dass auch die von der Versicherungswirtschaft ausgegebenen Mofa-Schilder in zwei Serien verfügbar sein müssten, wollte man auch diese Fahrzeuge einbeziehen – ein nicht unerheblicher logistischer und EDV-technischer Aufwand.

Die Industrie im Fokus

Die Förderung der Elektromobilität sieht zwar auf den ersten Blick aus wie ein großes Klimaschutzprogramm, zielt aber durchaus auch auf die Interessen Deutschlands als Industrie- und Wissenschaftsstandort. Zunächst ist festzuhalten, dass elektrische Energie nicht zwingend „sauber“ sein muss – veraltete Kohlekraftwerke und die Risiken der Kernenergie sind nur zwei von vielen Stichworten hierzu. Zwar schafft man eine reduzierte Abhängigkeit von erdölbasierten Kraftstoffen, eine Vermeidung klimaschädlicher Treibhausgase wird aber nur erreicht, wenn der Strom für Elektroautos aus erneuerbaren Energien stammt. Die Bundesregierung stellt in ihrem Regierungsprogramm Elektromobilität die enorme Bedeutung der Technologie als Wachstumstreiber klar heraus.

Will das Land, in dem das Automobil erfunden wurde, nicht zum Entwicklungsland in dieser Branche werden, ist eine massive staatliche Förderung unumgänglich. Berechnungen der Kosten für Entwicklung und Markthochlaufphase schwanken zwischen 0,8 und 2,7 Milliarden Euro. International dominieren die USA und Japan, in den prozentualen Zulassungszahlen erreichen Norwegen und die Niederlande Spitzenwerte. Erst in einigen Jahren wird sich zeigen, ob die Vision der Bundesregierung vom deutschen „Leitmarkt und Leitanbieter“ und weltweiter Nachfrage Realität werden kann.

Bild: JMG / pixelio.de

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