Fliegerbomben

Immer wieder kommt es in Deutschland aufgrund von Bombenfunden zu größeren oder kleineren Evakuierungen der Bevölkerung, um die jeweiligen Bomben möglichst gefahrlos für die Anwohner zu bergen und zu entschärfen. So etwa kürzlich in Köln, als 20.000 Menschen vorübergehend ihre Wohnung und ihre Arbeitsstellen verlassen mussten.

Die Langzeitwirkung des Krieges

Obwohl die Beendigung des Zweiten Weltkrieges nun schon 70 Jahre zurückliegt, verbergen sich unter der Erde nach wie vor sogenannte Blindgänger. Das sind Bomben, die nach dem Abwurf aus dem Flugzeug beim Aufprall nicht explodierten und quasi als Zeitbombe im Erdreich die Jahrzehnte überdauern. Allein die Tatsache, dass diese Bomben nicht sofort explodierten, beweist keineswegs ihre Ungefährlichkeit. Sowohl der Zünder wie der in der Bombe enthaltene Sprengstoff bleiben über eine sehr lange Zeit aktiv.

Warum nach 70 Jahren noch Bombenfunde?

Die heute noch gefundenen Bomben gerade in Stadtgebieten wie Köln entstammen fast ausschließlich der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Im Ersten Weltkrieg gab es keine großflächigen Bombardements, da zu dieser Zeit die Luftwaffe keine größere Bedeutung besaß. Im Zweiten Weltkrieg jedoch waren diese Bombereinsätze durchaus als Kriegsentscheidend zu betrachten, da dabei sowohl die Infrastruktur großflächig zerstört wurde wie auch eine Demoralisierung der Bevölkerung erfolgte.

Die Menge der abgeworfenen Fliegerbomben über dem gesamten Bundesgebiet ist weder zu schätzen noch bestehen dazu Aufzeichnungen oder Statistiken. Eine ungefähre Vorstellung gibt vielleicht das Ausmaß des größten Bombardements der Alliierten auf Dortmund noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Am 12. März 1945 entließen über 1100 Bomber ihre tödliche Fracht auf die Stadt im Ruhrgebiet. Üblicherweise bestanden Bomberstaffeln aus 90 Bombern und einer entsprechenden Anzahl von Begleitflugzeugen. Gerade in den letzten Kriegsjahren nahmen die Bombenabwürfe stark zu. Es regnete tatsächlich Millionen von Fliegerbomben auf Städte und Dörfer, wobei natürlich Gebiete mit kriegswichtiger Industrie wie das Ruhrgebiet bevorzugte Ziele waren.

Die nicht explodierten Blindgänger bohrten sich metertief in den Untergrund und werden so meist nur zufällig bei Bauarbeiten entdeckt. Allein in NRW mit den Ballungsgebieten um Köln, Dortmund und Düsseldorf wurden seit den 50er Jahren über 25.000 Bomben gefunden und entschärft. Die gesamte Menge an Blindgängern, die noch in der Erde des Bundesgebietes verborgen liegen, kann nur geschätzt werden und diese Schätzung von Fachleuten beläuft sich auf etwa 100.000 Fliegerbomben. In der Hauptstadt Berlin sind es jedes Jahr bis heute zwischen 25 und 60 Tonnen an Flieger-Bomben, Granaten, Minen und Munition, die durch den Kampfmittelräumdienst zu entschärfen und zu beseitigen sind.

Was macht so alte Bomben so gefährlich?

Fliegerbomben unterscheiden sich als Blindgänger in der Erde durch zwei unterschiedliche Zündmechanismen. Einmal die Fliegerbomben mit mechanischem Zünder und einmal solche mit chemischen Langzeitzünder. Während die mechanisch zu zündenden Fliegerbomben eigentlich direkt beim Aufschlag explodieren sollten, waren die chemischen Langzeitzünder dafür ausgelegt, erst nach 2 bis 4 Stunden zu explodieren, praktisch also nach der Entwarnung. Allerdings besaßen diese Langzeitzünder einen Konstruktionsfehler und ein nicht unerheblicher Teil explodierte überhaupt nicht.

Zur Explosion sollte eigentlich eine Ampulle mit Aceton beim Aufschlag zerbrechen und das Aceton wiederum ein Zelluloidplättchen langsam auflösen, das den Schlagbolzen zur Explosionsauslösung festhält. Das funktionierte nur schlecht, dafür wird das Zelluloid über die Jahrzehnte im Erdreich immer spröder und es kommt vermehrt zu Selbstauslösungen. Diese Zünder verursachen auch bei der Entschärfung regelmäßig Probleme und sind praktisch für alle tödlichen Unfälle bei der Bombenräumung verantwortlich. Mechanische Zünder hingegen lassen sich meist, wenn die Korrosion noch nicht soweit fortgeschritten ist, aus dem Bombenkörper herausschrauben oder herausschneiden.

Werden Bomben nur zufällig gefunden?

Nach Fliegerbomben wie auch Munition wird systematisch durch die Munitionsbergungsdienste gesucht. Interessanterweise musste Deutschland für die Überlassung der Luftbilder der Alliierten, die während und nach den Bombardements durch Aufklärer gemacht wurden, bezahlen. Das ist aber ein kleiner Betrag gegen die Summen, die jährlich von den einzelnen Bundesländern für die Bombensuche und vor allem für die Entschärfung ausgegeben werden. Allein Brandenburg wendet dafür pro Jahr 315 Millionen Euro auf.
Die Technik der Entschärfung hat sich im Übrigen weiter entwickelt. So kommen etwa in Niedersachsen und Brandenburg ferngesteuerte Wasserschneidgeräte zum Einsatz, die den Zündmechanismus aus der Bombe herausschneiden. Das ist wesentlich ungefährlicher für die Bombenentschärfer, da viele Fliegerbomben eine Ausbausperre am Zünder besitzen.

Bild: Timo Klostermeier / pixelio.de

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