G8 und die Folgen für die Universitäten

G8 oder auch das „Abitur nach 12 Jahren“ genannt, ist die Umsetzung einer Idee der Bildungspolitik in Deutschland, die Schülern und Schülerinnen in Deutschland im europäischen Vergleich Chancengleichheit bieten soll. Die Devise lautet nicht nur, die Schüler zeitlich schneller zum Abitur zu führen, damit sie schneller den Bildungsweg an der Universität einschlagen können, sondern auch verkürzte und erschwere Lehrpläne, immer jüngere Studierende und Universitäten und Schulen, welche G8 als Herausforderung begreifen und damit umgehen lernen müssen.

Doch was bedeutet G8 im Detail? Während in der Vergangenheit Gymnasiasten dreizehn Schuljahre bis zum Abitur verbringen durften und somit nicht nur mehr Raum und Zeit zum Erlernen des wichtigen Abiturstoffes hatten, sondern auch die Möglichkeit, sich individuell zu entfalten und ihre Identität zu finden. Das Abitur nach 12 Jahren beschleunigt den Schulablauf der Gymnasiasten und verkürzt ihn um ein Jahr. Dies bedeutet, dass die Schüler nicht wie gewohnt erst in der zwölften Klasse in die Oberstufe eintreten, sondern bereits in der elften Klasse und nach der zwölften im Idealfall ihren Abiturabschluss haben.

Die Uni nach der Schule in 12 Jahren

Doch nicht nur die verkürzte Schulzeit stellt ein Problem dar. Besonders die Universitäten haben mit den jüngeren Studienanfängern und insbesondere der Vielzahl an Doppeljahrgängen zu kämpfen. Im Klartext heißt dies: Doppelte Jahrgänge (Abiturienten aus G9 und G8) bewerben sich an den Universitäten auf einen Studienplatz. Nur die wenigsten Unis haben die Möglichkeit, die Kapazitäten für die Vielzahl an Studienbewerber aufzubringen und müssen somit vielen Bewerbern absagen. In den zulassungsfreien Studiengängen bedeutet die Bewerber- und Studierendenflut wie beispielsweise in Bayern oftmals überfüllte Vorlesungen, schwere Bedingungen im Studium, beispielsweise bei der Suche nach einem geeigneten Prüfer.

Auch die Selbstorganisation des Studiums ist eine Herausforderung für die noch jungen Studierenden aus G8. Oftmals noch minderjährig müssen ihre Eltern nicht nur Einwilligungen zum Studienbeginn, sondern auch bei jeder einzelnen Prüfungsleistung, für die beispielsweise Punkte fürs Studium vergeben werden, abgeben. Die jungen Studenten haben aufgrund der kurzen Schulzeit und ihrer Minderjährigkeit also keine Chance, ihr Studium selbst zu organisieren und das Gefühl des Studiums zu genießen. Sie fühlen sich beobachtet und die Uni verwandelt sich dadurch immer öfter zu einem Bildungsweg, der sich nicht sonderlich von der Schulzeit unterscheidet.

Professoren müssen auf junge Studierende Rücksicht nehmen

Was für die Verwaltung der Universität ein unmögliches Unterfangen darstellt, ist auch den Professoren alles andere als eine einfache Aufgabe. In der Vergangenheit wurde der Vorlesungsplan auf Ebene der Prüfungsordnung und Forschungseinrichtung ausgerichtet. Mittlerweile fühlen sich allerdings immer mehr Professoren gezwungen, ihre Vorlesungen an die jüngeren Studierenden anzupassen. Nicht nur inhaltlich besteht demnach eine Herausforderung, das fehlende Jahr im Alter der Studierenden zeigt sich auch am Bedarf der Betreuung. Nicht nur aufgrund der erhöhten Studierendenanzahl müssen Dozenten in Zukunft mehr Sprechstunden anbieten, um alle Fragen ihrer Studenten zu beantworten, der Grund hierfür liegt unter anderem auch in der fehlenden Reife der Studierenden.

Die Rolle der Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes und G8

Mit der Abschaffung von G9 geht auch die des Wehr- und Zivildienstes einher. Männliche Schüler sind nach ihrem Schulabschluss nicht mehr gezwungen, einen Wehrdienst abzulegen, oder alternativ einen Zivildienst zu machen, sondern können gleich nach Schulende an die Universitäten gehen. Dies erhöht weiterhin die Anzahl der Studienanfänger. Gleichzeitig lockert die Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes allerdings auch den Druck auf die Jugendlichen und ermöglicht ihnen eine freiere Entscheidung. Immer mehr Schulabsolventen entscheiden sich, nach ihrem Abitur erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr zu machen, um herauszufinden, in welche Richtung sie sich überhaupt bewegen möchten.

G8 und der Blick in die Zukunft

Es sprechen im Generellen mehrere Punkte für und gegen die Weiterführung von G8. Einige Bundesländer wie beispielsweise Niedersachsen haben sich in der letzten Zeit entschieden, den Schulen die Wahl zu lassen, ob sie ein Abitur in 12 oder 13 Jahren anbieten möchten. Hier wurde insbesondere auf das Drängen der Eltern reagiert, die eine Überforderung der Schüler befürchteten. Andere Bundesländer wie beispielsweise Bayern bleiben dem G8-Prinzip treu und hoffen auf die Chancengleichheit der jüngeren Studierenden im internationalen Feld.

Bild: Lupo / pixelio.de

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