Internet in Deutschland – früher, heute und in Zukunft

Das Internet steht in Deutschland flächendeckend zur Verfügung: 99,9 Prozent aller Haushalte hatten Mitte 2014 technischen Zugang zu Breitband-Netzen. Die notwendige Hardware – vom etablierten PC mit Windows bis zum modernen Tablet – ist ebenfalls sehr weit verbreitet. Diese technischen Möglichkeiten werden allerdings noch nicht überall genutzt: Im Jahr 2014 gingen nur drei Viertel (77,2 Prozent) der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren online. Insgesamt sind dies 54,2 Millionen Internetnutzer. Der Prozentsatz steigt von Jahr zu Jahr, allerdings nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit: Im Jahr 2000 nutzten knapp 30 Prozent der Deutschen das Internet, 2003 waren es schon mehr als die Hälfte. 2009 waren mit 67,1 Prozent mehr als zwei Drittel der Bevölkerung online. Seitdem wächst der Anteil um zwei bis vier Prozentpunkte im Jahr.

Leitungsnetz oder Mobilfunk?

Die fast überall verfügbare Geschwindigkeit von 1 Mbit per Sekunde gilt bereits als Breitbandanbindung. Schmalband-Zugänge über ISDN (also der Basis-Telefonanschluss im Netz der Telekom) oder gar über Modem spielen kaum noch eine Rolle. Für eine störungsfreie Nutzung heute üblicher Techniken wie Videostreaming (beispielsweise YouTube) sollte allerdings auch das Breitbandnetz mindestens 6 Mbit/s zur Verfügung stellen. Zum Vergleich: Das Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an der Universität München ist mit 10 Gbit/s angeschlossen, also der zehntausendfachen Geschwindigkeit der Breitband-Untergrenze für Privathaushalte.
1 bis 32 Mbit/s werden meistens über das Übertragungsverfahren DSL erreicht. DSL steht jedoch gerade in ländlichen Gegenden nicht flächendeckend zur Verfügung. Dennoch sind die Anwender dort nicht auf ISDN oder ihr altes Modem angewiesen. Wo sich ein leitungsgebundener Breitbandanschluss für die Telekom oder ihre Wettbewerber nicht rechnet, bietet normalerweise das Mobilfunknetz höhere Bandbreiten.

Europaweit nur Mittelfeld

Mit 77 Prozent Nutzern liegt Deutschland etwas über dem EU-Durchschnitt (67 Prozent), ist jedoch weit von der Spitzengruppe entfernt. In den skandinavischen Ländern liegt der Anteil der Internetnutzer zwischen 86 und 90 Prozent. Auch die Niederländer (90 Prozent), Luxemburger (87) und Briten (81) liegen vor den Deutschen. Deutlich geringer (um die 50 Prozent) liegt der Nutzungsgrad in Südeuropa. Schlusslichter innerhalb der EU sind die Rumänen, doch auch dort verwendet jeder dritte Bürger einen eigenen Internetzugang.

Internet im öffentlichen Raum

Kein Internet in den eigenen vier Wänden heißt jedoch nicht, dass man gar keinen Weg ins Netz findet: Gerade in Ländern, in denen nicht jeder Haushalt angebunden ist, findet man oft einen öffentlichen Zugang – ob vom Internet-Café an einem Computer mit Windows oder mit dem Smartphone über ein WLAN-Netzwerk im öffentlichen Raum. In den USA sind solche drahtlosen Netzzugänge für Kunden mittlerweile ein fast selbstverständlicher Service. In Deutschland ist die Situation anders: Bislang gibt es zwar Hotspots an Flughäfen, Bahnhöfen, in Hotels oder auch in wissenschaftlichen Einrichtungen – beispielsweise betreibt das LRZ in vielen Gebäuden der Münchner Universität ein drahtloses Netzwerk. Doch für die Nutzung sind üblicherweise personalisierte Zugänge notwendig. Einen schnellen Login ohne vorherige Registrierung findet man kaum.

Die Zukunft soll besser werden

Dabei wäre zumindest in Städten ein fast flächendeckender Zugang problemlos möglich, denn theoretisch könnte jeder Besitzer eines WLAN-Routers sein Netz öffentlich zur Verfügung stellen. Dass dies nicht passiert, hat keine technischen, sondern rechtliche Gründe: Wird das WLAN beispielsweise für Urheberrechtsverletzungen genutzt, haftet der Betreiber, auch wenn er mit dem eigentlichen Vergehen gar nichts zu tun hat. Allerdings soll diese Situation durch eine Gesetzesänderung so verändert werden, dass zumindest Gewerbe – beispielsweise Cafés oder Restaurants – ihren Besuchern rechtssicher einen Internetzugang via Hotspots oder ähnlichem anbieten können.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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