Kinesio Tape im Sport – Anwendungsgebiete für Physiotherapeuten

Ursprung der Kinesio-Tapes

Die Behandlungsmethode des Kinesio-Tapings wurde Ende der 70er Jahre von dem japanischen Arzt und Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase entwickelt. Bei den Tapes handelt es sich um verschiedenfarbige, dehnbare und selbstklebende Gewebebänder, die zur Prophylaxe von Gelenkschäden und zur unterstützenden Behandlung verschiedener Beschwerdebilder und Schmerzzuständen direkt auf die Haut aufgebracht werden. Sie sind heute aus der modernen Physiotherapie nicht mehr wegzudenken.

Kinesiologie

Der Name der Kinesio-Tapes leitet sich aus der Kinesiologie ab, die im weitesten Sinne die Lehre der Bewegung darstellt. Es ist eine effiziente, ganzheitlich alternativ-medizinische Behandlungsweise, deren Methoden auf der chinesischen Lehre der fünf Elemente beruhen. Die Kinesiologie aktiviert Selbstheilungskräfte und baut Muskelverspannungen sowie Blockaden ab.

Anwendungsgebiete der Kinesio-Tapes

Die zwei bis fünf Zentimeter breiten Tapes bestehen aus einem atmungsaktiven Material auf Baumwollbasis, sind sehr elastisch (Dehnungfähigkeit 40 – 70%), wasserfest und zeichnen sich durch eine gute Hautverträglichkeit aus. Sie können etwa sieben bis zehn Tage getragen werden, bevor sie bei Bedarf erneuert werden sollten. Die Kinesio-Tapes werden vor allem von Sportlern als ergänzende Behandlungsmethode bei akuten und chronischen Krankheits- und Schmerzzuständen angewendet. Dazu zählen beispielsweise Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, gereizte Sehnen (Achillessehne, Plantarsehne)oder auch verschiedene Sportverletzungen. Durch die hochelastischen Eigenschaften der Tapes bleibt die volle Bewegungsfreiheit der Gelenke und Muskelpartien erhalten, denn sie passen sich perfekt jeder Art von Bewegung an.

Farbenvielfalt der Kinesio-Tapes

Sicherlich hat jeder von Euch schon mal einen Fußballer mit so einem bunten Tapesteifen gesehen, der irgendwie am Nacken oder Oberschenkel zu sehen ist. Bei Profifußballern sieht man den Einsatz von Kinesio-Tape sogar regelmäßig im Fußballtraining. Die unterschiedlichen Farben der Tapes haben gemäß der Lehre der Kinesiologie auch verschiedenartige Wirkungsspektren, obwohl die Struktur aller Tapes identisch ist.
Braun ist die Farbe der Erde, dem braunen Tape wird daher eine stabilisierende Wirkung zugesprochen.

Blau steht wie das Wasser für eine kühlende und beruhigende Wirkung. Blaue Tapes werden häufig bei Schwellungen und entzündlichen Prozessen eingesetzt.
Orange ist die Farbe der guten Laune, sie wirkt gegen Depressionen, hellt die Stimmung auf und aktiviert den Lymphfluss.

Roten und pinkfarbenen Tapes wird eine wärmende, durchblutungsfördernde und stoffwechselaktivierende Wirkung nachgesagt. Sie werden vor allem bei Rückenschmerzen eingesetzt.

Schwarze Tapes sind universell einsetzbar, da sie keine spezifische Wirkung besitzen.
Grüne Tapes regen den Energiefluss an und werden vor allem zur Unterstützung von Heilungsprozessen eingesetzt.

Gelben Kinesio-Tapes wird eine entgiftende Wirkung für Magen und Leber nachgesagt.

Wirkungsweise der Kinesio-Tapes beim Sport und in der Physiotherapie

Die Kinesio-Tapes werden je nach Verwendungszweck mit unterschiedlicher Spannung auf die Haut geklebt und entfalten ihre physikalische Wirkung – je nachdem, mit welcher Spannung das Tape auf die Haut aufgebracht wurde. Durch die mechanische Verschiebung der längselastischen Kinesio-Tapes bei Körperbewegungen werden die Hautrezeptoren aktiviert. Diese Nervenreize werden an das Gehirn weitergeleitet und verlangsamen die Weiterleitung von Schmerzimpulsen, so dass eine Schmerzlinderung eintritt.

Die Tapes üben zusätzlich einen Massage- bzw. Stretchingreiz auf die betroffenen Muskeln aus, indem die Haut bei Bewegungen angehoben wird, wodurch die Lymphzirkulation angeregt, die Durchblutung und die Nährstoffversorgung verbessert sowie der Abtransport der Lymphe und schmerzauslösenden Substanzen beschleunigt werden, was den Heilungsprozess fördert.

Mit dem Kinesio-Tape wird der Muskel geschont, ohne dass dieser ruhig gestellt werden muss, denn gerade bei Muskelverletzungen ist es wichtig, dass kontrollierte Bewegungen ausgeführt werden, um den Heilungsprozess des Muskels zu unterstützen und den Verlust von Muskelsubstanz zu vermeiden.

Durch das Taping bestimmter Punkte, denen ein Einfluss auf die inneren Organe (ähnlich den Akupunkturpunkten) zugesprochen wird, kann das Kinesio-Tape eine reflektorische Wirkung auf das entsprechende Organ erzielen.

Während beim Kinesio-Taping nur ein einzelner Muskel behandelt wird, können mit dem weiterentwickelten Medical-Taping ganze Muskelgruppen behandelt werden.

Man unterscheidet verschiedene Formen das Tapings:

  • Muskel-Taping, welches tonisierend (spannungsaufbauend) oder detonisierend (spannungsmindernd) sein kann. Die Funktion der Muskeln wird verbessert und die Bewegungsfähigkeit erhöht.
  • Ligament-Taping, zur Stabilisierung von Bändern und Sehnen. Mit diesem speziellen Taping wird die Gelenkfunktion unterstützt und die Bewegungsfreiheit des betroffenen Gelenks unterstützt.
  • Lymph-Taping als Cross-Tapes oder in Gitterstruktur, zur Behandlung von Ödemen und Schwellungen. Die Tapes wirken druckentlastend und beschleunigen den Abbau der Gewebe- und Lymphflüssigkeit.

Kinesio-Tapes werden zur unterstützenden Behandlung bei den verschiedensten Beschwerden eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise:

  • die Stützung und Stabilisierung von instabilen Gelenken
  • die Schmerzlinderung bei akuten und chronischen Rückenschmerzen, Sehnenzerrungen und -reizungen wie der Achilles- oder Plantarsehne, Sehenansatzerkrankungen wie Plantar Fasciitis, Tennisarm oder -schulter, Nervenreizungen wie Ischialgie (Reizung des Ischiasnervs), Sehnenscheidenentzündungen und Karpaltunnelsyndrom
  • zur Stabilisierung des Kniegelenks bei einer Patella-Luxation (seitliches Verrutschen der Kniescheibe)
  • zur Druckentlastung bei Schwellungen und Ödemen an Gelenken und im Weichteilbereich, Bänderzerrungen des Knie- oder Sprunggelenks sowie Verletzungen wie Muskelfaserrisse, Muskelzerrungen- oder -überdehnungen sowie Muskelverhärtungen
  • Schmerzlinderung und Stabilisierung nach einem Bandscheibenvorfall, Hexenschuss oder Lumbalgie
  • ferner zur Schmerzlinderung bei Menstruationsbeschwerden und Migräne, zur Behandlung verhärteter Narben und zur Ausleitung von Gewebsflüssigkeiten nach gröβeren Operationen.

Sportmediziner und Physiotherapeuten vertrauen gerade bei stumpfen Verletzungen auf die gesundheitsfördernde Wirkung der Kinesio-Tapes.

Die Kunst des Klebens

Die Kinesio-Tapes müssen punktgenau auf die betreffenden Körperpartien aufgebracht werden, um die entsprechende Wirkung entfalten zu können. Falsch angebrachte Tapes können sogar kontraproduktiv wirken. Ärzte und Physiotherapeuten lernen in Fortbildungskursen die korrekte Technik der Aufbringung der heilungsfördernden Kinesio-Tapes.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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