Kunstrasen im Fußballsport

Kunstrasen wird gern für Fußballplätze im Amateurbereich und zunehmend auch im Profibereich genutzt. Der künstliche Rasenbelag besitzt eine Oberfläche aus synthetischen Fasern, die die Struktur einer natürlichen Rasenfläche nachbilden. Ein Vorteil des Fabrikats ist, dass es strapazierfähig ist und viele Jahre intensiv bespielt werden kann. Die aufwändige Unterhaltung wie bei einem Naturrasen entfällt. Nachteile des Kunstrasens sind die höheren Investitionskosten, eine begrenzte Lebensdauer von etwa 15 Jahren und eine nach wie vor fehlende Akzeptanz bei vielen Spielern. Für den Garten gibt es schon länger künstliche Rasen-Nachbildungen, doch sind die Anforderungen für einen künstlichen Rasen im Garten weitaus geringer.

Für Sportveranstaltungen wurde in den 60er Jahren in den USA ein künstlicher Belag für Baseball entwickelt und eingesetzt. Die erste Generation dieser Beläge war noch wenig nachgiebig, was zu einer Zunahme von Verletzungen bei den Spielern führte. Insbesondere Schürf- und Gelenkverletzungen wurden durch die Härte des Untergrunds verursacht. Beim Rutschen auf dem Rasen konnten sich Spieler zudem Verbrennungen zuziehen, da sich das synthetische Material durch die Reibung erhitzte. Die neueste Kunstrasen-Generation verwendet meist einen Bodenbelag aus Polypropylen, auf dem zwei Deckschichten aus Flusssand und Gummigranulat für eine gute Dämpfung sorgen. Als Grasersatz werden silikonbeschichtete Fasern verwendet, die im aus der Teppichproduktion bekannten Tuftverfahren aufgebracht werden und dem Grasteppich Struktur geben.

Vorteile und Nachteile des Kunstrasens

Pluspunkte:

  • Unabhängigkeit vom klimatischen Umfeld (Licht, Temperatur, Nässe). Ideal für überdachte Arenen und Plätze, die großer Sommerhitze ausgesetzt sind oder in nördlichen Breitengraden nicht genügend Sonnenlicht für ein gesundes Gedeihen des Rasens bieten.
  • Signifikant höhere Widerstandsfähigkeit als ein Naturrasen oder Rollrasen.
  • Ideal für Amateurvereine, da die Pflege des Belags weniger aufwändig ist und auf einen Rasenpfleger weitgehend verzichtet werden kann. Verschmutzungen des Kunstrasens sind in der Regel leicht zu lösen. Der Rasen muss lediglich alle zwei Wochen aufgebürstet werden.
  • Einige Kunstrasen-Hersteller experimentieren mit der Integration von Fiberglasfasern im Rasen. Dies ermöglicht es, Spielstände oder Werbung direkt auf dem Spielfeld einzublenden.
  • Das Rasenmähen entfällt. Der künstliche Boden muss zwar auch bewässert werden, der Wasserverbrauch ist jedoch im Vergleich zu einem Naturrasen oder Rollrasen deutlich geringer.

Minuspunkte:

  • Fußballspieler, die bislang nur auf Naturrasen spielten, müssen sich umstellen. Auf dem künstlichem Untergrund rollt und springt ein Ball anders als auf Naturrasen und auch bei der Wahl der Fußballschuhe kommen andere Modelle zum Einsatz.
  • Ein optimal gepflegter Naturrasen weist selbst gegenüber künstlichen Belägen der neuesten Generation eine bessere Nachgiebigkeit auf und mildert Stürze besser ab. Das Verletzungsrisiko bei harten und mit Stürzen verbundenen Kollisionen zweier Spieler ist auf Kunstrasen größer.
  • Einmal jährlich ist eine Grundreinigung erforderlich. Die Kosten für eine Grundreinigung betragen im Mittel 0,35 Euro pro Quadratmeter.
  • Die Linienmarkierungen sind permanent und müssen nicht wie bei einem Naturrasen in gewissen Abständen nachgezogen werden. Dieser scheinbare Vorteil wird zum Nachteil, wenn das Spielfeld etwa für Leichtathletik-Veranstaltungen mit anderen Markierungen versehen werden soll.

Kunstrasen im Profi-Bereich

Im Fußball legen auch Profi-Vereine zunehmend ihre Skepsis gegenüber mit künstlichem Material belegten Spielfeldern ab. In Frankreich setzen zwei Erstligaclubs und ein Zweitligist den künstlichen Boden ein: FC Lorient, AS Nancy und LB Châteauroux. Auch im Stade de Suisse von Bern, im Olympiastadion Luschniki in Moskau und im Salzburger Stadion (bis 2010) wird bzw. wurde auf künstlichem Grün Fußball gespielt.
Im Jahr 2015 findet in Kanada die FIFA WM der Frauen statt. Bis auf ein Stadion werden alle Spiele in Stadien mit künstlichen Belägen ausgetragen, so auch das Endspiel. Dies ist besonders beim deutschen Team auf Widerstand gestoßen, da eine Benachteiligung des Frauenfußballs geltend gemacht wurde. Die FIFA hat ein zweistufiges Bewertungssystem für Kunstrasenplätze eingeführt und zertifiziert Felder, die eine hohe Spielqualität und geringe Verletzungsgefahr ausweisen. Laut FIFA haben alle Spielfelder der FIFA WM 2015 die höchste Qualitätseinstufung erhalten.

Künstliches Grün bei anderen Sportarten

Kunstrasenfelder werden auch bei anderen Sportarten eingesetzt. Bei den Mannschaftssportarten sind dies American Football, Baseball, Feldhockey und Golf. Im Hockey wird ausschließlich auf unverfüllten reinen Kunstrasenplätzen gespielt. Hier wird vor Spielbeginn jeder Quadratmeter stark bewässert, um Verletzungsgefahren bei Stürzen zu mindern. Kunstrasenbeläge werden daneben auch im Sommerski-Sport und beim Tennis verwendet.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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