Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung – In Flüchtlingslagern oder Ländern, in denen die Ernte wegen einer Naturkatastrophe oder wegen eines Bürgerkrieges schlecht waren, mangelt es an ausreichender Versorgung mit Nahrung. Anderswo auf Erden werden tonnenweise Äpfel oder Tomaten ins Meer gekippt. Nahrungsmittel, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, werden von den Herstellern oder Wiederverkäufern in den Müll entsorgt. In Frankreich ist genau dies jetzt verboten worden. Laut einem aktuellen Gesetzesbeschluss muss der Großhandel zukünftig die nicht abverkauften Lebensmittel spenden.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Hierzulande gibt es bereits private Lebensmitteltauschbörsen, in denen man den Überfluss aus seinem Kleingarten gegen andere Nahrungsmittel eintauschen kann. Menschen mit wenig Einkommen können gegen einen entsprechenden Nachweis Lebensmittel bei den sogenannten Tafeln abholen. Als Mittel der Selbsthilfe, aus Gründen der Konsumverweigerung und als politisches Zeichen üben immer mehr Menschen Leute das sogenannte „Containern“ aus. Sie entern nach Ladenschluss die Abfallcontainer der Supermärkte oder lebensmittelverarbeitenden Fabriken und entnehmen ihnen alles, was noch essbar ist. Vieles wird heutzutage in den Müll entsorgt, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Das „Dumpstern“ oder „Mülltauchen“ ist besonders unter jungen Konsumverweigerern beliebt. Immer öfter bedienen sich aber auch Menschen, die von Hartz IV oder einer geringen Rente leben müssen. Die Vernetzung unter „Dumpstern“ funktioniert. Der eine hat Würstchen zu bieten, der andere zu viel Gemüse abgegriffen. Man tauscht. Ganz legal ist das allerdings nicht.

Es wird seitens einiger Fabrikbesitzer und Supermarkt-Leiter geduldet. Oft wird das Containern aber auch mit Schlössern an den Müllcontainern verhindert. Aus Sicht vieler Verantwortlicher ist kein Diebstahl gegeben, sondern Hausfriedensbruch. Strafverfahren werden nicht häufig eingeleitet. Falls doch, erfolgt in der Regel eine Einstellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit. Es besteht meistens kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung. Trotzdem ist die Rechtslage nicht zufriedenstellend geklärt. Strafanzeigen wegen Mundraub oder Diebstahl belegen dies.

Besteht ein öffentliches Interesse an einer Haltungsänderung?

2012 hat die „Linke“ eine Initiative gestartet, der zufolge die Bundesregierung das „Containern“ legitimieren soll. Die Lebensmittelverschwendung ist angesichts der zunehmenden Verarmung einiger Bevölkerungsgruppen nicht mehr hinzunehmen. Was im Müll landet, sollte von Bedürftigen oder Konsumverweigerern legal entnommen werden dürfen. Noch besser wäre es, wenn die Verantwortlichen solche Lebensmittel prinzipiell nicht mehr in den Müll entsorgen würden. Sie könnten Nahrungsmittel gegen entsprechende Nachweise und einen geringen Obolus an Bedürftige abgeben oder den Tafeln spenden. Daraus ergäbe sich kein größerer Verlust, als wenn man die Lebensmittel wegwirft. Allerdings wären logistische Fragen zu lösen. Ein Problem ergäbe sich vielleicht auch daraus, dass immer mehr Menschen versuchen könnten, an solche preiswerten Lebensmittel heranzukommen.

Im Übrigen liegt der Kern der Sache in unserer Verschwendung. In den zivilisierten Staaten besteht der Anspruch, einen Überfluss an allem zu verwalten, was uns erstrebenswert erscheint. Wir teilen Überschüsse an Lebensmitteln nicht mit anderen, die Not leiden. Es wird vom Gesetzgeber nicht unterbunden, Ernte- oder Produktionsüberschüsse ins Meer oder den Müll zu entsorgen. Allein in den privaten Haushalten landen 82 Kilo Lebensmittel pro Kopf im Müllcontainer. Ein Umdenken auf allen Ebenen ist denkbar, wahrscheinlich sogar unumgänglich. Auch Lebensmittel sind keine Ressourcen, die man beliebig verschwenden darf. Wenn der Überfluss durch unethische Mittel wie skandalträchtigen Tierzuchtbedingungen, Panscherei oder die Umetikettierung bereits abgelaufener Nahrungsmittel erzeugt wird, dann muss dem Einhalt geboten werden.

Eine umfassende Problematik

Die zugrunde liegende Problematik bezieht sich nicht nur auf das „Containern“. Sie greift viel weiter. Der Lebensmittelverschwendung liegt eine falsche Grundhaltung zu Lebensmitteln zugrunde. Man lässt die Apfelflut im Kleingarten eher verrotten, als sie an Interessierte weiterzugeben oder zu Saft verarbeiten zu lassen. Unsere Neigung zur Verschwendung macht sich aber auch anderswo breit. Viele Menschen kaufen Schuhe, die sie nur einen Sommer lang tragen. Das wäre früher undenkbar gewesen. Intakte Smartphones werden aussortiert, weil es ein neueres Modell gibt. Brauchbare Möbel werden beim Sperrmüll entsorgt, weil sie nicht mehr gefallen. Als Antwort „containern“ manche Menschen, während andere im Sperrmüll nach Verwertbarem suchen. Was die einen entsorgen, nutzen die anderen. Doch statt diesen unerwünschten Recyclingprozess weiter zuzulassen, könnte die Gesellschaft sich bessere Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung und gewollte Überflussproduktion einfallen lassen.

Bild: Gila Hanssen / pixelio.de

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