Mit Seife und Handschuhen gegen Ebola

Mit Seife und Handschuhen gegen Ebola – Der Ebolavirus hat West-Afrika fest im Griff. Laut WHO sind in Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone zwischen März und Mitte August über 1310 bestätigte Infektionsfälle und mehr als 1000 unbestätigte Krankheitsausbrüche unter anderem in Ghana und Mali registriert worden. Täglich steigt die Anzahl der gemeldeten Neuerkrankungen, mindestens 712 Menschen starben bisher. In bis zu 90% der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Die Epidemie ist nach Angaben von Ärzten, die in befallenen Gebieten medizinische Hilfe leisten, nicht unter Kontrolle. Damit ist der aktuelle Ausbruch der Seuche der schlimmste seit der Entdeckung des Erregers 1976.

Ursache und Entdeckung

Bei der Suche nach der Ursache, der in Zaire (heute Demokratische Republik Kongo), ausgebrochenen Seuche musste der Nachwuchswissenschaftler Peter Piot in das Dorf Yambuku reisen. In der dortigen Krankenstation verwendeten die Schwestern nur fünf Nadeln für alle Patienten, ohne sie vorher zu sterilisieren. Piot und sein Team bzw. seine Helfer gingen in die umliegenden Dörfer und klärten die Menschen auf, wie sie die Ansteckung vermeiden können. Innerhalb von drei Monaten ist ihnen gelungen, die Epidemie einzudämmen. Den Tod von mehr als 300 Menschen konnten sie allerdings nicht verhindern. Den neuen, fadenförmigen Virus benannten sie deshalb nach dem Fluss Ebola, um die Bewohner des Dorfes nicht noch weiter zu traumatisieren.

Wie gefährlich der Virus ist, der das hämorrhagische Fieber verursachte, ahnte damals noch niemand, nicht einmal Peter Piot. Er brachte die Blut-Proben des unbekannten Erregers einfach in einer Thermoskanne als Handgepäck nach Europa, um sie im Institut für Tropenmedizin in Antwerpen zu untersuchen.

Heute ist Peter Piot Direktor der London School of Hygiene and Tropical Medicine. In einer Reportage des Senders BBC äußerte er die Meinung, dass es theoretisch einfach sein sollte, den Ausbruch von Ebola zu kontrollieren – durch Verwendung von Seife und Handschuhen, desinfizieren der medizinischen Hilfsmittel, Isolation der Infizierten und Quarantäne für Menschen, die mit Erkrankten in Kontakt waren.

Krankheitsverlauf und Ansteckung

Trotzdem ist der Ebolavirus mindestens so gefährlich wie HIV (eher gefährlicher) und verläuft in bis zu 90% der Fälle tödlich. Doch die Ansteckungsgefahr ist nicht so hoch wie zum Beispiel bei einer Grippe oder Tuberkulose, weil Ebola anders als Grippe-Viren nicht durch Luft übertragen wird. Die Infizierung erfolgt, ähnlich wie bei HIV, nur wenn Schleimhäute oder verletzte Haut mit dem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten und Organen von infizierten Personen und Verstorbenen in Berührung kommt. Der Ebolavirus befällt praktisch jede Zelle im Körper und ruft Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen hervor. Außerhalb des Körpers zerfällt er innerhalb von einigen Stunden. Verschmutze Kleidung von Infizierten kann einfach in der Waschmaschine gereinigt werden.

Der natürliche Hauptwirt ist vermutlich eine Art von Flughund, die eine Infektion mit dem hämorrhagischen Fieber überlebt und verbreitet. Leider sind die Menschen in Westafrika kaum über die Krankheit und ihre Verbreitung aufgeklärt. Vielerorts halten sie sogar die Helfer für die Verursacher der Epidemie. Im Armen-Viertel in West Point in Monrovia/Liberia stürmten aufgebrachte Bürger eine notdürftige Krankenstation und befreiten 17 Ebola-Patienten aus der Quarantäne. Auslöser war, dass Angehörigen, die einem Kranken Essen bringen wollten, der Zutritt verweigert wurde. Nach dem Sturm auf die Krankenstation wurde diese geplündert, Matratzen, Decken und medizinische Utensilien gestohlen. An ihnen sollen nach Angaben der Polizei Reste von Erbrochenem, Blut und Exkrementen kleben – ein hohes Risiko der Übertragung auf die schätzungsweise 60.000 bis 100.000 Menschen, die in Westpoint in ärmsten Verhältnissen leben.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schätzt neben der Unwissenheit und mangelhaften Hygiene die Risiken der Infizierung durch Kontakt mit Leichen als besonders hoch. Das ist in diesen Ländern besonders problematisch, da Tote rituell durch Umarmungen und Küsse in offenen Beerdigungen verabschiedet werden.

Schutzvorkehrungen und Gefahren in Deutschland

In Deutschland ist die Ansteckung mit Ebola sehr unwahrscheinlich. Alle Reisenden aus Afrika werden beim geringsten Verdachtsfall bereits im Flugzeug untersucht. Diese Kontrolle stellt sicher, dass das Virus gar nicht erst hier ankommen kann. Da die Inkubationszeit maximal 21 Tage beträgt und die Krankheit meistens schon nach 8-10 Tagen ausbricht, ist wegen der Schwere der Erkrankung ein anderer Anreiseweg der Reisenden als per Flieger aus Afrika nach Europa kaum denkbar.

Sollte dennoch ein Patient mit ebolaähnlichen Symptomen bekannt werden, wird er sofort mit einem speziellen Krankenwagen auf die Isolierstation eines Krankenhauses gebracht, um das Übertragen des Virus frühzeitig zu verhindern. So war es auch im Falle des in Hamburg eingelieferten Patienten aus Westafrika, bei dem sich der Verdacht auf Ebola-Fieber zum Glück nicht bestätigte.

Trotzdem üben Krankenhäuser in Deutschland den Ernstfall; so stehen nicht nur im Hamburg, sondern auch in anderen Großstädten spezielle Isolationsstationen zur Verfügung. Sollte eine Ebolaepidemie hierzulande tatsächlich ausbrechen, würde es vermutlich verhältnismäßig einfach sein, die Epidemie wieder einzudämmen; neben der Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung sind medizinische Einrichtungen und hygienische Standards nicht mit den Bedingungen in Westafrika vergleichbar. Schon deshalb ist es wichtig, dass Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen sich bei der Bekämpfung der Seuche in den entsprechenden Ländern engagieren und dabei helfen, die Krankheit zu bekämpfen und das übertragen der Viren einzudämmen.

Bild: Aka / pixelio.de

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