Neues Körperwelten-Museum in Berlin eröffnet

Gunther von Hagens eröffnet sein „Menschen Museum“

Der in den Medien oft auch als „Dr. Tod“ bezeichnete Gunther von Hagens hat nach langen gerichtlichen Auseinandersetzungen am 18.02.2015 sein Museum eröffnen können. Von Hagens ist umstritten, seit er begann in seinen Wanderausstellungen „Körperwelten“, die von ihm angefertigten Plastinate – tote Menschen und Leichenteile – zu zeigen.

Berliner Rechtsstreit führte zur Terminverzögerung

Der Bezirk Berlin Mitte hatte sich lange gegen das Museum vor Gericht gewehrt. Doch nun ist der Weg frei, der Rechtsstreit ist beendet. Die ursprünglich für das Jahresende 2014 geplante Museumseröffnung findet nun doch statt. Der Plastinator kann die freiwilligen Körperspenden in der Hauptstadt zur Schau stellen. Unter dem Motto „Facetten des Lebens“ sieht der Besucher in dem neuen Museum 20 vollständige Leichen und etwa 200 einzelne Körperteile als Plastinate auf rund 1.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Was sind Plastinate?

Gunther von Hagens hat die Plastination im Jahr 1977 erfunden und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Er ließ sich das Verfahren patentieren. Er hat als Anatomieassistent Präparate von menschlichen Körperteilen gesehen, die in durchsichtigen Kunststoff eingegossen waren. Das war und ist auch heute noch eine übliche Vorgehensweise, um zu Anschauungszwecken und für eine Ausstellung das organische Material zu konservieren, um es zu Studienzwecken betrachten zu können. Der junge wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität in Heidelberg hatte damals die Idee, Leichenteile nicht vollständig in den Kunststoff einzubetten, sondern die Gewebe selbst mit Kunststoff zu durchtränken und sie dadurch vor Verwesung zu schützen und zu stabilisieren. Er führte Versuche mit unterschiedlichsten Materialien durch. Schließlich fand er heraus, dass durch eine Behandlung mit Silikonkautschuk die Präparate im Wärmeofen gehärtet werden konnten, ohne dass sie sich schwarz verfärbten. Hagens legte großen Wert darauf, dass die Farben der Gewebe erhalten blieben. Schließlich reifte der Plan, die Plastinate in einer Ausstellung zu zeigen.

Weltweite Aufmerksamkeit

Anatomische Präparate hatten bis dato in der Regel nur Medizinstudenten interessiert, die auch heute noch während ihres Studiums Leichen sezieren müssen, um den Aufbau des menschlichen Körpers in allen Feinheiten zu studieren. Der Plastinator stellte nun Leichen und Leichenteile einem großen Publikum zur Schau. Er tourte über viele Jahre mit seiner Ausstellung „Körperwelten“ durch die ganze Welt. Viele Menschen haben seine Plastinate betrachtet. Der Erfinder der Plastination hat viel Zuspruch gefunden. Doch er hat auch viele Besucher schockiert. Über lange Jahre wurde immer wieder in der Öffentlichkeit diskutiert, ob eine solche Zurschaustellung von Leichen ethisch vertretbar ist. In einigen Ausstellungsorten wollte man gerichtlich gegen die Leichen-Schau vorgehen. „Dr. Tod“ zeigte nicht nur anatomische Präparate. Er plastinierte die Leichen häufig in spektakulären Posen und betonte Strukturen mit auffälligen Einfärbungen. Kritiker bemängelten, dass es Hagens nicht um die Darstellung der Anatomie und der Gewebestrukturen ginge, sondern um die Befriedigung der Sensationslust der Besucher der „Körperwelten“. Doch die Ausstellungen fanden weltweit ein großes Publikum und auch viel Anerkennung. Die Besucher standen oft stundenlang an, um die Plastikmenschen zu sehen.

Ethische Diskussionen

Der Plastinator geriet immer wieder in die Schlagzeilen. Es kamen Zweifel auf, ob die Leichen und Leichenteile, die er plastinierte, tatsächlich freiwillige Körperspenden waren, wie Hagens immer wieder betonte. In der Presse war auch zu lesen, dass der Anatomiekünstler einen schwunghaften Handel mit Leichenteilen betrieb, die wohl aus dubiosen Quellen stammten. Die Plastination nahm er nun in der Hauptsache in China vor, wo er ganze Fabriken damit beschäftigte. Es gibt wohl Dokumente, die beweisen, dass von Hagens auch vor chinesischen Hinrichtungsopfern nicht zurückschreckte. Der ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Heidelberg hat nach eigenen Aussagen jedoch keine Probleme mit seinem Umgang mit den sterblichen Überresten von Menschen. Für ihn handelt es sich einfach um anatomische Präparate, für die ein großes Interesse besteht und mit denen sich gutes Geld verdienen lässt. Er verkauft mittlerweile im großen Stil an Universitäten und medizinische Fakultäten in der ganzen Welt sein anatomisches Lehrmaterial. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ bezeichnete den Plastinator deshalb sogar als „Spekulant des Todes“.

Trotz aller Diskussionen wurde Gunther Liebchen, wie der Plastinator ursprünglich hieß, zu einer sehr bekannten Persönlichkeit und zum Medienstar. Seinen jetzigen Nachnamen übernahm er von seiner ersten Ehefrau. Mittlerweile ist er mit Angelina Whalley verheiratet, die nun als Kuratorin des neu eröffneten „Menschen Museums“ im Berliner Stadtteil Mitte fungiert.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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