Hyperhidrosis – Wann macht der Eingriff Sinn?

Unter einer übermäßigen Schweißbildung und dem damit verbundenen Schweißgeruch leiden viele Menschen. Der medizinische Begriff Hyperhidrosis bezeichnet eine Krankheit, die in unterschiedlich starker Ausprägung auftreten kann. Eine zu hohe Schweißproduktion an Händen, Füßen und Achseln hat verschiedene Ursachen. Die Hyperhidrosis lässt sich jedoch gut behandeln. Nur in besonders schweren Fällen werden die Schweißdrüsen operativ entfernt.

Übermäßige Schweißproduktion – eine Erkrankung mit sozialen und psychischen Folgen

Zur Regulierung der Körpertemperatur verfügt der menschliche Körper über vier Millionen Schweißdrüsen, die circa zwei Liter Schweiß in der Stunde produzieren können. Schwitzen zählt zu den natürlichen Vorgängen. Wenn jedoch Schweiß im Übermaß produziert wird, kann dies unangenehme physische und psychische Folgen für die Betroffenen haben. Zwar ist die Hyperhidrosis im eigentlichen Sinn keine Krankheit, dennoch werden Menschen, unter starkem Schwitzen leiden, für ihre vermeintlich mangelnde Hygiene häufig sozial ausgegrenzt. Neben der sozialen Stigmatisierung hat eine hohe Schweißbildung auch einen ungünstigen Einfluss auf den Organismus. Durch das ständig feuchte Milieu kommt es oft zu Infektionen. Für die Behandlung der Hyperhidrosis stehen unterschiedliche medikamentöse Therapien zur Verfügung.

Welche Funktion haben die Schweißdrüsen?

Die zu den Hautanhangsgebilden gehörenden Schweißdrüsen befinden sich in der Lederhaut. An Handflächen, Fußsohlen, der Stirn und in den Achselhöhlen sind jeweils 20.000 bis 30.000 Schweißdrüsen angeordnet. Dabei unterscheiden sich die ekrinen und apokrinen Drüsen hinsichtlich ihrer Funktion, ihrem Aussehen und ihrer Lokalisation voneinander. Während die apokrinen Schweißdrüsen in Haarfollikeln münden, besitzen ekrine Drüsen keinerlei Verbindung zur Körperbehaarung, sondern sind überall am Körper zu finden. Der Schweiß wird durch die Poren an der Hautoberfläche freigesetzt.

Bei diesem Vorgang entsteht eine natürliche Verdunstungskühle, wodurch die Wärme von der Körperoberfläche abgeführt und einer möglichen Überhitzung des Körpers entgegenwirkt wird. Vom thermoregulatorischen Schwitzen ist hauptsächlich der Oberkörper betroffen, an dessen Oberfläche der Schweiß leicht verdunsten kann. Schweiß, der im Bereich der Handflächen und Fußsohlen produziert wird, dient in erster Linie der Befeuchtung der Hornschicht und bewirkt eine Verbesserung der Reibung und Haftung. Das Schwitzen in der Achselhöhle ist eine Körperreaktion aus Ur-Zeiten, als die Kommunikation noch über Duftstoffe erfolgte, die durch den Geruch des Schweißes transportiert wurden und mögliche Angreifer abschrecken sollten. Der typische Schweißgeruch entsteht beim Schwitzen durch das Zusammenspiel von zwei unterschiedlichen Drüsentypen und wird durch die Bakterien der Hautflora begünstigt. Während die Duftdrüsen ihre Duftstoffe in die Haarbalgtrichter abgeben, werden diese von den Bakterien zu Abbauprodukten mit einem üblen Geruch zersetzt. Das dabei entstehende Sekret wird durch den Schweiß befeuchtet. Die Duftstoffe und ihre Abbauprodukte gelangen anschließend mit der Verdunstung in die Umgebung. Eine Fehlfunktion der Schweißdrüsen führt häufig zu vermehrtem Schwitzen und einer erhöhten Geruchsentwicklung, unter der die Betroffenen, aber auch deren Umfeld leiden. Eine Hyperhidrosis betrifft circa 1 bis 2 Prozent der Menschen in Deutschland. Bereits Kinder leiden unter einer erhöhten Schweißbildung an Händen und Füßen.

Die Ursachen der Hyperhidrosis

Eine Hyperhidrosis kann unterschiedliche Ursachen haben. Meist ist die hohe Schweißbildung durch eine funktionelle Störung ekkriner Schweißdrüsen bedingt. Die Aktivität der Drüsen wird durch das vegetative Nervensystem reguliert. Eine Überfunktion kann zu 95 Prozent auf eine gesteigerte Aktivität des Sympathikusnervs zurückgeführt werden. Die genaue Ursache der Hyperhidrosis und der zugrunde liegenden gesteigerten Nervenaktivität ist bisher noch nicht bekannt.

Der Sympathikus erhöht durch die Ausschüttung von Acetylcholin die Leistungsbereitschaft des Körpers in Stresssituationen, wobei es gleichzeitig zu einer Aktivierung der Schweiß produzierenden Drüsen kommt. Das Schwitzen an Händen, Füßen und unter den Achseln wird durch psychische Faktoren wie Ängste, Befangenheit, Stress, Anspannung sowie durch Schmerzen ausgelöst oder verstärkt. Bei einer sekundären Hyperhidrosis sind organische Erkrankungen die Hauptursachen des vermehrten Schwitzens. Zu den körperlich bedingten Ursachen zählen neben einer Fehlfunktion der Schilddrüse auch Tumore, die eine vermehrte Freisetzung des Stresshormons Kortisol auslösen. Eine erhöhte Schweißbildung kann auch als Folge von Infektionskrankheiten oder neurologischen Störungen auftreten. Bei sekundären Hyperhidrosen tritt vermehrtes Schwitzen plötzlich und nicht lokal begrenzt auf.

In Verbindung mit der Hormonumstellung während einer Schwangerschaft sowie in den Wechseljahren kommt es ebenfalls häufig zu übermäßigem Schwitzen, das jedoch als normale Ausgleichsreaktion des Körpers zu verstehen ist und keinen Krankheitswert besitzt. Sobald die normale Schweißproduktion an einer bestimmten Körperstelle blockiert ist, erhöht der Organismus automatisch die Schweißbildung der übrigen Hautareale. Dadurch kommt es vorübergehend zu starkem Schwitzen an Händen, Füßen oder unter den Achseln. Diese Symptomatik ist jedoch eine harmlose Erscheinung und nicht durch eine Hyperhidrosis bedingt. In 65 Prozent aller Fälle ist übermäßiges Schwitzen genetisch bedingt und tritt in vielen Familien gehäuft auf. An verstärktem Schwitzen der Handflächen ist Ärzten zufolge das Chromosom 14 beteiligt.

Welche Symptome treten bei einer Hyperhidrosis auf?

Die Hyperhidrosis ist durch unangenehmen Körpergeruch und eine sichtbare Nässe erkrankter Hautbereiche gekennzeichnet. Die Handflächen und Fußsohlen der Betroffenen fühlen sich feucht-kalt an. Die ständig zu hohe Hautfeuchtigkeit führt zu Irritationen, Hautrötungen und oberflächlichen Schuppungen. Dabei sind Hautfalten an sensiblen Körperstellen wie unter der Brust besonders gefährdet. Die primäre Hyperhidrosis unterscheidet sich von der sekundären Erscheinungsform dadurch, dass bei Ersterer das Schwitzen auf bestimmte Körperstellen begrenzt ist. Meist sind Hände, Füße, Achselhöhlen, Stirn und Kopfbereich von der übermäßigen Schweißproduktion betroffen. Da die Hauptursachen der primären Hyperhidrosis psychischer Natur sind, stellt das Schwitzen selbst einen zusätzlichen Stressfaktor dar, der die Symptome wiederum verschlimmert. Dabei entsteht schnell eine Art Teufelskreis, aus dem sich die Betroffenen erst durch psychologische Unterstützung befreien können. Der Schweregrad einer Erkrankung lässt sich anhand der Schwitzflecken auf der Kleidung leicht ermitteln.

Während Flecken mit einem Durchmesser von bis zu 5 Zentimetern normalem Schwitzen entsprechen, weisen Schwitzflecken mit einer Ausdehnung zwischen 5 und 10 Zentimetern auf ein leichtes und Flecken bis zu 20 Zentimetern auf ein mäßig ausgeprägtes Krankheitsbild hin. Durch die überhöhte Schweißproduktion rinnt der Schweiß bei einer schweren Hyperhidrosis von den Achselhöhlen und durchnässt dabei mehrere Schichten von Textilien. Bei einer leichten Erkrankung sind Hände und Füße lediglich feucht, während sich bei einer mäßigen Ausprägung zusätzlich Schweißtropfen zeigen. Wenn der Schweiß von Händen und Füßen tropft und die Schuhe durchfeuchtet, wird von einer starken Form der Erkrankung ausgegangen. Viele Patienten leiden nicht nur unter den Symptomen, sondern ebenfalls unter emotionalem und psychischem Stress. Sichtbare Achselnässe und ein feuchter Händedruck wirken auf die meisten Menschen abstoßend und werden als Zeichen mangelnder Hygiene missinterpretiert. Aufgrund der ständigen Durchfeuchtung der Haut wird das Wachstum von Bakterien und Pilzen begünstigt. Zu den Folgeerkrankungen einer Hyperhidrosis zählt der mazerative Fußinfekt, eine akute Entzündung des Vorfußes, von der auch die Zehenzwischenräume betroffen sind. Außerdem kann es zu einer Bromhidrose kommen, die neben einem markanten Schweißgeruch die dauerhafte Durchfeuchtung der Fußsohlen zur Folge hat.

Diagnose: Übermäßige Schweißproduktion

Die Diagnose wird anhand der Symptomschilderung durch den Patienten und einer körperlichen Untersuchung gestellt. Zur Bestimmung des Schweregrads der Erkrankung wird die produzierte Schweißmenge bestimmt. Dabei legt der Arzt ein Filterpapier für eine Minute auf die betroffene Fläche auf. Der dabei aufgenommene Schweiß wird anschließend gewogen. Für die Handflächen gilt eine Menge von 20 bis 30 Milligramm Schweiß pro Minute als Grenzwert, während in den Achselhöhlen Schweißmengen von bis zu 50 Milligramm pro Minute als krankhaft angesehen werden. Mit dem Jod-Stärke-Test steht Medizinern eine einfache Möglichkeit zur Verfügung, das von überhöhter Schweißproduktion betroffene Hautareal sichtbar zu machen, um danach die Größe des Schweiß produzierenden Areals besser abschätzen zu können.

Welche Behandlungsmöglichkeiten eignen sich bei einer Hyperhidrosis?

Zur Behandlung übermäßiger Schweißbildung stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Einen entscheidenden Einfluss auf die Auswahl der geeigneten Therapie hat die vom vermehrten Schwitzen betroffene Körperstelle. Bei starkem Schwitzen werden Mittel auf pflanzlicher Basis und sogenannte Anticholinergika eingesetzt. Aus Hausmittel eignet sich Salbei, der bei leichten Beschwerden eine Verminderung der Schweißproduktion bewirken kann. Anticholinergika wirken auf die Schweißdrüsenfunktion und unterdrücken auch Nervenreize, die Drüsen zur vermehrten Produktion und Sekretion von Schweiß anregen. Abhängig von der Ursache des übermäßigen Schwitzens werden in Einzelfällen auch Medikamente eingesetzt, die nicht speziell für diese Erkrankung zugelassen sind.

Zu den zulassungsüberschreitenden Medikamenten zählen Betablocker und blutdrucksenkende Mittel. Bei einigen Betroffenen wirkt diese Medikation auch gegen übermäßiges Schwitzen. Eine primäre Hyperhidrosis kann auch mit Botox-Injektionen behandelt werden. Das Botox wird in diesem Fall im Abstand von 1 bis 2 Zentimetern in die Haut des betroffenen Körperareals injiziert. Die Wirkung des Botox beruht auf einer Blockierung des Neurotransmitters Acetylcholin, der die Schweißdrüsen versorgt. Der positive Effekt einer Botox Behandlung hält zwischen 4 bis 6 Monate an und kann bei Bedarf beliebig oft wiederholt werden. Wenn psychische Gründe als Auslöser für die überhöhte Schweißproduktion infrage kommen, lässt sich mit unterschiedlichen Psychopharmaka eine Verbesserung der Symptomatik erzielen. Operative Verfahren sind nur in besonders schweren Fällen sinnvoll. Bei einem operativen Eingriff werden die Schweißdrüsen der Achselhöhlen entfernt. Dies geschieht entweder durch das Herausschneiden des betroffenen Areals oder im Rahmen einer subkutanen Kürettage. Bei diesem minimal-invasiven Verfahren bleibt die Haut erhalten.

Als letztes Mittel gilt die operative Durchtrennung des Sympathikusnervs, der für die Steuerung der Schweißdrüsenaktivität im jeweiligen Areal verantwortlich ist. Im Unterschied zur Schweißdrüsen-Entfernung kann dieses Verfahren auch bei einer Hyperhidrosis der Hände und Füße angewandt werden. Jede Operation wird erst nach Ausschöpfung aller anderen Therapiemethoden durchgeführt und nur dann, wenn sich mit herkömmlichen Methoden keinerlei Verbesserung des Gesundheitszustandes erzielen lässt. Die Schweißdrüsenentfernung ist unumkehrbar und kann nur unter den Achseln durchgeführt werden. Eine Operation an Schwitzherden der Handinnenflächen, Fußsohlen oder Stirn richtet mehr Schaden an, als medizinisch vertretbar wäre.

Fazit

Eine Hyperhidrosis ist eine Erkrankung, die erhebliche Belastungen für die Betroffenen mit sich bringt und zur sozialen Isolation führen kann. Für eine Behandlung stehen jedoch wirksame Medikamente zur Verfügung. Die Operation ist bei einer Hyperhidrosis nur dann angemessen, wenn alle anderen Therapien zu keinem positiven Ergebnis geführt haben. Eine interessante Alternative zu einem operativen Eingriff ist die Botox-Therapie, die über einen Zeitraum von 4 bis 6 Monaten die überhöhte Schweißproduktion eindämmt.

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