Welche Gefahren bringt ein erhöhter Wasseranteil im Körper mit sich?

Der menschliche Körper besteht bei der Geburt zu etwa 95 Prozent aus Wasser. Der Wasseranteil im Körper eines erwachsenen Menschen beträgt immerhin noch circa 70 Prozent. Dies entspricht bei einem durchschnittlichen Erwachsenen einer Wassermenge von 43 Litern. Diese eindrucksvollen Zahlen lassen bereits erkennen, dass der Wasseranteil im Körper eine erhebliche Rolle spielt.
Wasser fungiert als wesentlicher Bestandteil des Blutes und dient als Transportmittel für Nährstoffe und Abbauprodukte. Es ist für den Stoffwechsel unersetzlich und regelt die Verdauung und Herzkreislauffunktion. Wasser ist von Bedeutung für die Regulierung der Körperwärme und den Aufbau von Muskelmasse. Durch Ausscheidungen, Schwitzen sowie im Rahmen der Atmung gehen im Tagesverlauf zwischen zwei und drei Litern Wasser verloren. Getränke und Nahrung müssen zum Ausgleich für eine ausreichende Wasserzufuhr sorgen.
Durch eine übermäßige Wasserzufuhr kann der Salzhaushalt des Körpers gefährlich verändert werden. Auf Veränderungen des Wasserhaushalts reagiert der Körper durch Leistungsabfall, Durstgefühl und weitere, unterschiedliche Beschwerden. Durch starke körperliche Anstrengungen und übermäßige Wärme kann ein Wasserverlust noch verstärkt werden. Neben einem zu geringen Wasseranteil im Körper kann auch ein zu großer Wasseranteil im Körper auftreten und Beschwerden verursachen.
Erste Symptome können aus unterschiedlichsten Ursachen Ödeme (Schwellungen durch Wasseransammlungen) insbesondere im Bereich der Fußgelenke sein. Diese Beeinträchtigung lässt sich durch einen Fingerdruck im Bereich der betroffenen Verdickungen leicht feststellen. Ein Ödem liegt in der Regel vor, wenn dabei in der angespannten Haut eine Delle entsteht, die sich erst langsam wieder zurückbildet. Wassereinlagerungen können akut, nach einer gewissen Zeit oder chronisch auftreten. Die Ursache für die Entstehung eines Ödems sollte zeitnah geklärt werden.

Wodurch entsteht ein erhöhter Wasseranteil im Körper?

Ödeme können in nahezu allen Körperteilen auftreten. Ein zu hoher Wasseranteil im Körper kann die Folge eines gefährlichen Lungenödems sein. Dabei entstehen die Wasseransammlungen durch eine beeinträchtigte Pumpfunktion des Herzens. Diese kann durch eine Schwächung der Schlagleistung des Herzens entstehen, wodurch sich eine Insuffizienz (Einschränkung der Funktionsfähigkeit) des linken Herzens bildet. Die reduzierte Pumpleistung des geschwächten Herzens bewirkt eine Erhöhung des Drucks in den Venen. Als Folge wird Blutplasma (Wasser) in den umliegenden Bindegewebsbereich gepresst. Durch die eingeschränkte Herzfunktion staut sich das Blut bis zur Lunge zurück. Dabei tritt auch eine geringe Menge Flüssigkeit in die Lunge ein. Dies führt zur Luftnot und Kurzatmigkeit und beim Abhorchen der Lunge ist ein rasselndes Geräusch feststellbar.

Als Ursache für einen überhöhten Wasseranteil im Körper kann ebenso eine geschwächte Nierenfunktion infrage kommen. Dies führt dazu, dass die Urinproduktion der Nieren reduziert wird. Dadurch werden weniger Giftstoffe und Schlacken aus dem Körper transportiert. Als körperliche Abwehrreaktion erfolgt eine Einlagerung der nicht ausgeschiedenen Abfallprodukte im Bindegewebe. Außerdem werden Giftstoffe auch zum Schutz der Organe durch eine wässrige Lösung abgeschwächt und gebunden. Hierbei entsteht eine Wasseransammlung im Körper, die das Gleichgewicht des Wasserhaushalts stört. Falls die Nierenschwäche wegen einer Organschädigung besteht, kann der gestörte Filterungsprozess der Niere Probleme bereiten. Nährstoffe wie Eiweiße, die üblicherweise zurückgehalten und nicht ausgeschieden werden, fehlen bei der Regulierung des Wasserhaushalts im Blut. Insbesondere durch die Reduzierung des Albumin-Anteils (sorgt für die Wasserlöslichkeit von Stoffen) erhöht sich der Druck in den Blutgefäßen. Hierdurch gelangt Wasser in den angrenzenden Gewebebereich. Der Umfang der Ödem-Bildung bestimmt sich durch die Höhe des Eiweißverlustes. Durch eine Nierenschwäche hervorgerufene Schwellungen treten häufig im Gesicht auf. Die Entwicklung erfolgt in der Regel nachts und ist morgens deutlich zu erkennen. Mit zunehmender Bewegung verlieren sich diese Gesichtsschwellungen tagsüber und verlagern sich in den Bereich der Beine und Füße.

Störungen der Leberfunktion können ebenfalls dazu führen, dass die notwendige Bluteiweißbildung eingeschränkt wird.

Durch die Veränderung der Albumin-Konzentration wird die Regulierung des Wasseranteils in den Blutgefäßen beeinträchtigt und es kommt zu Wassereinlagerungen im angrenzenden Gewebebereich.

Die Symptome für einen übermäßigen Wasseranteil im Körper in Form von Schwellungen können auch durch einseitige Belastungen durch Sitzen oder Stehen über einen längeren Zeitraum verursacht werden. Sauerstoffarmes Blut wird über die Venen zum Herzen zurückbefördert. Ohne aktive Muskelpumpe muss von den Füßen und Beinen aus bis zum Herzen ein langer Weg bewältigt werden. Durch die körperliche Passivität versackt das Blut und führt zu Verdickungen der Füße.

Eine weniger gefährliche Wassereinlagerung im Körper kann auch aufgrund der Bindung durch Glykogen beim Aufbau von Muskelmasse sowie durch einen zu hohen Salzkonsum erfolgen.

Eine Wassereinlagerung im Körper kann außerdem durch Störungen des Lymphabflusses verursacht werden. Die Rückführung von Gewebsflüssigkeit in die Venen erfolgt über die Lymphbahnen. Als Symptome für ein Lymphödem können außer Schwellungen auch andere Beschwerden auftreten. Dabei kann es sich um Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Hautverfärbungen sowie unter der Haut sichtbar werdende Adern handeln.

Durchblutungsstörungen von Venen oder Arterien können verschiedene Ursachen haben. Neben der Bildung von Ödemen an unterschiedlichen Körperstellen bewirken sie auch eine Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Eine gefährliche Verstopfung der Vene (Thrombose) verursacht eine deutliche Schwellung, typische Schmerzen sowie eine bläuliche Verfärbung und Erwärmung der betroffenen Stelle. Ebenso können defekte Venenklappen Blutstauungen bewirken. Schließen die Klappen nicht mehr vollständig, wird der Rückfluss beeinträchtigt und führt zur Stauung des Blutes im Unterschenkel und Fuß. Plasma dringt ins Gewebe ein und sammelt sich dort.

Ein überhöhnter Wasseranteil im Körper kann auch durch eine Infektion oder Allergie ausgelöst werden. In beiden Fällen erhöhen Botenstoffe aufgrund von Abwehrreaktionen des Immunsystems die Durchlässigkeit von Gefäßwänden. Dadurch wird der verstärkte Austritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen in die umliegenden Gewebebereiche verursacht.

Quincke-Ödeme sind wiederholt auftretende Unterhautschwellungen. Diese entstehen in erster Linie im Gesichtsbereich. Lippen, Augenlieder und Zunge sowie die Schleimhäute des Rachenraums können davon betroffen sein. Quincke-Ödeme können angeboren sein oder im Erwachsenenalter als allergische Reaktion auftreten. Häufig sind Quincke-Ödeme im Zusammenhang mit einer Nesselsucht-Erkrankung feststellbar. Ist die Rachenschleimhaut betroffen, können die Schwellungen eine akute, lebensgefährliche Atemnot hervorrufen. Die angeborene Variante der Quincke-Ödeme kann außer den möglichen Schwellungen im Gesicht auch Anschwellungen im Bereich der Extremitäten oder des Rumpfes verursachen. In einzelnen Fällen kann auch die Darmwand davon betroffen sein.

Ein übermäßiger Wasseranteil im Körper kann ebenfalls durch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Entzündungshemmer, Arzneimittel gegen Bluthochdruck oder Antidepressiva ausgelöst werden.

Diagnose, Verlauf und mögliche Folgen von Wassereinlagerungen

Ödeme kann der Arzt aufgrund der typischen Symptome in der Regel schnell im Rahmen einer körperlichen Untersuchung feststellen. Nach der Lokalisierung und Feststellung der Druckempfindlichkeit des angeschwollenen Bereiches erfolgen weitere Untersuchungsschritte. Zur wichtigen Feststellung der Ursache für die Schwellungen wird der Arzt im Patientengespräch versuchen, weiterführende Informationen zu erhalten. Insbesondere bestehende Erkrankungen oder Vorerkrankungen können dabei eine Rolle spielen.

Neben dem Abhören der Lunge können zusätzliche Diagnosemethoden erforderlich werden. Blut- und Urinuntersuchungen sowie bildgebende Untersuchungsverfahren können Hinweise auf die Grunderkrankung liefern. Der Verlauf und die Auswirkungen durch einen überhöhten Wasseranteil kann sehr verschieden sein. Dies gilt insbesondere für mögliche Gefahren. Lungenödeme, Quincke-Ödeme der Rachenschleimhaut sowie verstopfte Venen können lebensgefährlich sein und bedürfen einer schnellstmöglichen ärztlichen Behandlung.
Ein gestörter Lymphabfluss kann zu einer leichten, weichen Schwellung führen, die sich nach einiger Zeit selbstständig zurückbildet. In schwereren Fällen ist das Herbeiführen einer Delle mittels Fingerdruck kaum noch möglich. Selbst ein Hochlagern führt nicht mehr zu Rückbildungen der Schwellung. Um das Ödem bildet sich erkennbar überschüssiges Bindegewebe. In noch schwereren Fällen kann es mit einem gestiegenen Entzündungsrisiko zu stark verhärteten, erheblichen Wulstbildungen kommen.
Ödeme können über einen längeren Zeitraum zu einem Absterben von Gewebezellen führen. Der erhöhte Wasseranteil in den Gewebezwischenräumen vergrößert die Abstände zwischen den einzelnen Blutgefäßen und Zellen. Dadurch entsteht eine Nährstoffunterversorgung des betroffenen Bereiches mit der Folge, dass Zellen geschädigt werden oder absterben.

Behandlungsmöglichkeiten und Vorbeugung

Die Behandlung eines Ödems richtet sich nach der festgestellten Ursache. Lungenödeme oder Venenverstopfungen können unbehandelt zu Erstickung, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Daher müssen im Rahmen einer ärztlichen Behandlung wirksame Arzneimittel zur schnellen Beseitigung der Schwellungen und Verstopfungen eingesetzt werden. Patienten mit Herzschwäche und einem überhöhten Wasseranteil können mit Arzneimitteln wie Betablockern oder ACE-Hemmern behandelt werden. Ödeme durch alkoholbedingte Lebererkrankung erfordern eine sofortige Alkoholabstinenz.

Beschwerden durch Verdickungen in den Fußgelenken aufgrund einseitiger Körperhaltungen, insbesondere durch längeres Sitzen, können dagegen durch gezielte Bewegung schnell wieder gelindert werden. Wippen auf den Füßen, Kniebeugen und das richtige Abrollen der Füße während des Gehens oder Laufens sind dazu hilfreich. Eine dauerhafte sportliche Betätigung, gezielte Gymnastikübungen und das Hochlegen der betroffenen Körperbereiche dienen in jedem Fall zur Durchblutungsverbesserung. Für Beschwerden im Fußbereich ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen empfehlenswert. Entwässerungsmittel können ebenso zur Verringerung des Wasseranteils beitragen. Falls die Einnahme von Medikamenten für die Ödem-Bildung ursächlich sein sollte, sind Alternativen zu prüfen. In Einzelfällen können auch Lymph-Drainagen, Kortison-Behandlungen oder Hormonpräparate angebracht sein.

Fazit

Neben einer täglich ausreichenden Wasserzufuhr zum Ausgleich gegen den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und Ausscheidungen ist auch mögliche Ödeme zu achten. Ein erhöhter Wasseranteil im Körper kommt in vielen Fällen vor. Ein typisches Anzeichen für einen unnatürlichen Wasseranteil stellt eine Schwellung bestimmter Gewebebereiche dar. Die Ursachen für eine Wassereinlagerung im Körper können sehr verschieden sein. Eine Wassereinlagerung im Körper kann mit erheblichen Gefahren verbunden sein, aber auch eher harmloser Natur wie beim Aufbau von Muskelmasse sein. Da dies oftmals unklar ist, sollte bei größeren, länger anhaltenden Schwellungen sowie in der Kombination mit Schmerzen, Wärmebildung und weiteren Beschwerden ein Arzt verständigt werden. Nach einer Diagnose und Feststellung der Ursache einer überhöhten Wassereinlagerung im Körper kann über eine mögliche Behandlung entschieden werden.
Zur Behandlung einer Grunderkrankung müssen die spezifischen Maßnahmen je nach Art der Erkrankung getroffen werden. Zur allgemeinen Vorbeugung ist eine ausreichende regelmäßige Bewegung sowie eine gesunde Lebensführung hilfreich. Langes, ununterbrochenes Sitzen mit angewinkelten Beinen sollte möglichst vermieden werden, um einen überhöhten Wasseranteil im Körper zu vermeiden.