4 geniale Vorteile von Topinambur

Mancher Gartenfan oder Landwirt hat schön gelbe Blüten mit langen Stängeln im Garten stehen. Bei vielen Menschen fehlt jedoch das Wissen, dass die ingwerähnlichen Wurzeln das eigentlich Interessante an der Blumenpracht sind. Die Rede ist vom Topinambur, lateinisch Helianthus tuberosis. Der Topinambur ähnelt im oberen Teil einer Zwergsonnenblume, nur mit Riesenwuchs. Er gehört zu den Korbblütlern. Man kennt die gesunde Knolle auch unter so fantasievollen Bezeichnungen wie Jerusalem-Artischocke, Knollensonnenblume, Ewigkeitskartoffel, Diabetiker-Kartoffel oder Indianerknolle. Beim Betrachten der Knolle ergibt sich eine gewisse optische Ähnlichkeit mit Kartoffeln oder Ingwerwurzeln. Außerdem fühlen sich manche Menschen beim Verzehr des Wurzelgemüses an den Geschmack von Artischocken erinnert. Das hängt allerdings ganz von dem Zubereitungsrat ab. Wer kein Freund von Artischocken ist, könnte durch Topinambur einer werden.

Kurz zur Geschichte und zum Nährstoffprofil der Knolle

Um 1610 herum wurde das Wurzelgemüse, das bereits bei den brasilianischen Indios als Gemüse und Heilmittel geschätzt wurde, auch hierzulande bekannt. Die Indios gaben dem Wurzelgemüse auch den Namen: Topinambur, abgeleitet vom Stammesnamen der Tupinamba. Später geriet die Knolle bei uns wieder in Vergessenheit, weil der Siegeszug der Kartoffel begann. Diese gedeiht in unserem Klima bestens und entspricht voll dem, was wir gerne essen. In Nord- und Mittelamerika und Mexiko erfreute sich die Topinambur Knolle weiterhin großer Beliebtheit. Topinambur war nur bei uns ziemlich out – bis es jetzt als neues Superfood wieder auferstand. Der Grund für diese ungewöhnliche Karriere als Nahrungsmittel mit Superfood-Qualitäten liegt im Nährstoffprofil des Wurzelgemüses. Die tolle Knolle enthält in 100 Gramm

  • 0,2 Milligramm Vitamin B1
  • 1,3 Milligramm Vitamin B3
  • 4,0 Milligramm Vitamin C
  • 4,0 Milligramm Eisen
  • 500 Milligramm Kalium
  • und 0,1 Milligramm Kupfer.

Das klingt zunächst nicht besonders bedeutend – ist es aber doch, wie Sie sehen werden. Außerdem sind 2 Gramm Eiweiß, 0,4 Gramm Fett und 17 Gramm Kohlenhydrate im Topinambur enthalten. Wichtiger noch sind die 12 Gramm Ballaststoffe aus verschiedenen unverdaulichen Fasern, zu denen wir etwas weiter unten noch kommen. Die genialen Effekte dieses Nährstoffprofils stellen wir nun in vier Punkten vor.

1. Topinambur: der unscheinbare Sattmacher

Topinambur ist ein wunderbarer Sattmacher – unter anderem wegen der enthaltenen Ballaststoffe. Am meisten Furore als Sattmacher kann der Ballaststoff Inulin für sich verbuchen. Die Ballaststoffe und unverdauliche Fasern in diesem Wurzelgemüse haben die Eigenschaft, im Verdauungstrakt unter Flüssigkeitseinfluss aufzuquellen. Dadurch vergrößert sich ihr Volumen um einiges. Das Sättigungsgefühl tritt durch eine entsprechende Rückmeldung des Verdauungssystems an das Gehirn schneller ein. Das Gefühl, schon satt zu sein, tritt bei einem hohen Ballaststoffgehalt – zum Beispiel von Gemüse oder Vollkornprodukten – aber nicht nur schneller ein, sondern es hält auch länger an. So auch beim Topinambur.

Topinambur: Der ideale Sattmacher für Diabetiker

Besonders interessant ist Topinambur für Diabetiker. Diese müssen einerseits den Blutzuckerspiegel so konstant wie möglich halten, und andererseits darauf achten, trotz reduzierter Kalorienzufuhr hinreichend satt zu werden. Nach Möglichkeit sollen sie bei Vorliegen von Übergewicht auch noch abnehmen. Dass das Inulin in diesem Wurzelgemüse für einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel sorgt, ist bereits seit Längerem bekannt. Der hohe Sättigungsgrad des Inulins ergänzt sich damit. Statt überteuerte Inulin-Präparate im Reformhaus zu kaufen, sollten Sie lieber häufiger frischen Topinambur in den Speiseplan integrieren. Viele fantasievolle Rezepte dafür finden sich im Internet.

2. Gute Figur machen mit der Superfood Knolle

Mancher sagt, Topinambur sei eine Wunderknolle und ein Figur-Wunder. Nun ja, Übertreibungen verkaufen sich halt gut, wenn es um Verzichtsleistungen und Diäten geht. Schließlich will jeder wissen, wofür er sich kalorienmäßig kasteit. Doch tatsächlich ist hier etwas dran. Topinambur besteht nämlich zu 80 Prozent aus Wasser. Das reduziert die Kalorienzahl des Wurzelgemüses von 200 Gramm Topinambur auf gerade mal 66-73 Kalorien. Damit ist es zweifellos leicht, eine gute Figur zu machen und sich trotzdem satt zu essen – siehe oben. Der Nebeneffekt der vielen Ballaststoffe auf 100 Gramm Knolle ist, dass noch nicht einmal alle der wenigen vorhandenen Kalorien genutzt werden können. Der Verdauungstrakt ist nämlich erst einmal mit der Verarbeitung der Ballaststoffe ausgelastet. Das verbraucht Energie. Die unverdaulichen Faserstoffe werden dann komplett ausgeschieden. Die Esser setzen somit durch das Inulin keine Speckröllchen an.

Warum werden nicht alle Kalorien vom Topinambur verbraucht?

Feiern Sie ruhig, dass ein Teil der Kalorien im Topinambur gar nicht genutzt werden kann, denn dieser Kalorienanteil gehört zu den Ballaststoffen. Auch Ballaststoffe sind natürlich Kalorienträger – allerdings keine, die Sie dick machen. Im Gegenteil. Satt und schlank zu gleich zu bleiben, das gewährleistet kaum ein hiesiges Superfood so gut wie Topinambur. Daher sollten Sie dieses Wurzelgemüse als Diabetiker oder übergewichtiger Mensch so oft wie möglich auf den Tisch bringen. Im eigenen Garten können Sie gleich doppelt vom Topinambur profitieren: Unter der Erde wächst die schmackhafte Wurzelknolle. An der Oberfläche erfreuen Sie wunderschöne gelbe Blüten, die bei guten Bodenverhältnissen ziemlich hoch werden. Schöner können Gartenfreunde ihr Topinambur nicht auf den Tisch bringen.

3. Topinambur: ein Wurzelgemüse mit imposantem Nährstoffprofil

Wie Sie weiter oben im Text schon gesehen haben, ist das Nährstoffprofil der Knolle in einiger Hinsicht interessant, auch wenn es auf den ersten Blick etwas unscheinbar wirkt. Interessant sind jedoch

  • der Vitamin B-Gehalt
  • der Vitamin C-Gehalt
  • der Gehalt an Nikotinsäure
  • der Kaliumgehalt
  • und der Gehalt an Biotin.

Auch die drei Prozent Proteine mit ihren Aminosäuren sollten nicht unter den Tisch fallen. Für vegan lebende Menschen, die möglichst abwechslungsreiche, fettarme und proteinhaltige Gemüsesorten essen sollten, ist die Indianerknolle ebenfalls interessant. Doch vor allem Diabetiker sollten sich mit den Qualitäten und Nährwerten der Knolle befassen. 200 Gramm Topinambur haben nur 0,7 BE. Das Wurzelgemüse punktet mit einem niedrigen Fettgehalt und einem hohen Sättigungsfaktor, beide in der Diabetes-Ampel als grüner Ampelpunkt gekennzeichnet. Der Glyx-Faktor bekommt in der Diabetes-Ampel einen gelben Punkt. Das bedeutet, bei Topinambur können Sie ähnlich zulangen wie bei der Kartoffel oder bei den meisten Gemüsesorten.

4. Das wunderbare Wurzelgemüse ist ein Präbiotikum

Als solches ist es für die Stärkung des Darmsystems und somit auch das reibungslose Funktionieren der Immunabwehr ein veritabler Nützling. Die Ballaststoffe in diesem Wurzelgemüse halten den Darm gesund. Sie fegen ihn sauber und entfernen ungute Keime gleich mit. Eine gesunde Darmflora ist gut für das Immunsystem. Das Tolle an der Knolle ist, dass im Topinambur Ballaststoffe enthalten sind, die durch unverdauliche Bestandteile nicht nur als Darmreiniger taugen, sondern auch aktiv am Aufbau der Darmflora beteiligt sind. Die Rede ist von der Wirkung des Wurzelgemüses als Präbiotikum – bitte nicht zu verwechseln mit den Probiotika. Das Inulin und Substanzen, die als Fructo-Oligosaccharide (FOS) bekannt sind, haben im Topinambur ähnliche Eigenschaften. Es handelt sich dabei um darmrelevante Po¬ly¬sac¬cha¬rid-Mixturen. Diese werden aus Fructose-Molekülen zusammengebaut.

Die ernährungsphysiologischen Eigenschaften von Inulin und FOS

In den ernährungsphysiologischen Eigenschaf¬ten haben FOS und Inulin eine gewisse Ähnlichkeit. Wichtig an diesen Substanzen ist nämlich, dass die zusammengeschlossenen Fructose-Moleküle ausnahmsweise nicht im Dünndarm aufgenommen und zu Fettdepots verwandelt werden. Stattdessen durchwandern sie den gesamten Darmtrakt und kommen schließlich vollkommen intakt im Dickdarm an. Dort wartet schon das hungrige Empfangskomitee der nützlichen Darmbakterien auf sie. Zu diesen gehören auch die Bifidobakterien. Diese verstoffwechseln sowohl das FOS, als auch das Inulin, um sich daran zu laben. Das erklärt auch, warum die Darmflora nach und nach aus dem Ruder läuft, wenn wir uns nur von Weißmehlprodukten wie Kuchen, Toastbrot und Keksen, von Milchprodukten wie Joghurt und süßen Milchshakes, von Fast Food, Imbisskost und zuckerhaltigen Softdrinks ernähren. Diese Nahrungsmittel stellen das ideale Futter für die schlechten Darmbakterien dar – und diese wuchern dadurch auf. Dabei gehen die guten Darmbakterien, an denen auch unser Immunsystem hängt, unter. Das notwendige Gleichgewicht in der Darmflora ist nicht mehr gegeben. Die ständigen Infekte, die nun eintreten, machen das unmissverständlich deutlich.

Präbiotika: Das beste Futter für die guten Darmbakterien

Die Fructo-Oligosaccharide (FOS) und das Inulin sind Präbiotika. Mit diesem Begriff werden unverdauliche Nahrungsbestandteile und Faserstoffe bezeichnet, von denen sich die nütz¬li¬chen Darm¬bak¬te¬ri¬en ernähren. Die Zufuhr von vielen Präbiotika ist also sehr wichtig, um eine anhaltende Darmgesundheit und ein intaktes Immunsystem zu gewährleisten. Als Probiotika sind hingegen die Darmbakterien selbst bekannt. Diese können nach Gebrauch von Antibiotika in getrockneter und gekühlter Form auch als Präparat zugeführt werden. Den Effekt von Präbiotika im Essen bemerken Sie an der gesteigerten Stuhlmenge und der schwindenden Darmträgheit. Das Gute an Präbiotika ist, dass Sie diese jederzeit zuführen können – also noch bevor die Darmflora durch eine unvernünftige Ernährungsweise entgleist. Da mindestens 70-80 Prozent unseres Immunsystem von einer ausbalancierten Darmflora abhängen, überlegen Sie gut, wie viele Kuchenstücke, Pizzen, Colas und Hamburger Sie sich im Wochenverlauf gönnen.

Fazit

Mit dem Topinambur haben wir ein neues Wurzelgemüse auf Ihren Speiseplan gesetzt. Ob Sie das Wurzelgemüse demnächst aus reiner Neugierde probieren, oder weil sie Diabetiker sind, spielt keine Rolle. Zunächst sollten Sie herausfinden, wie diese Knolle schmeckt und mit welchem Zubereitungsrat sie das Wurzelgemüse am Liebsten mögen. Der einfachste Weg, an diese wunderbare Knolle zu kommen, ist der Anbau im eigenen Garten. Im Supermarkt findet sich die Indianerknolle bisher eher selten. Dafür kann die tolle Knolle aber oft in Bioläden, in Hofläden oder im Internet bezogen werden. Rewe und Edeka führen sie auch hin und wieder. Fragen Sie einfach mal nach, denn Nachfrage bestimmt oft das Angebot.