Das Angus Rind – robust und anpassungsfähig

Aufzeichnungen über die Vorfahren des Angus Rindes führen in das 17. Jahrhundert zurück. Der erste Züchter der hornlosen Rinderrasse aus dem Landkreis Aberdeenshire, in den schottischen Highlands war Hugh Watson. Der Mann war bereits im Alter 19 Jahren Pächter einer Farm in Keillor. Das Land lag in der Provinz Angus in Schottland. Schon der Vater und der Großvater des Pächters hatten „Angus doddies“ gezüchtet. Der Vater schenkte dem jungen Farmer aus seiner eigenen Herde sechs seiner besten Kühe und einen Bullen. Hugh Watson selbst erwarb noch zehn geschlechtsreife, weibliche Rinder (Färsen) und einen schwarzen Bullen. Er hatte vor eine schwarze, hornlose Rinderherde zu züchten. Die Stammbäume der Angus-Rinder lassen sich auf den Lieblingsstier des Züchters „Old Jock 126“ und auf die Kuh „Old Granny“ zurückführen. „Old Granny“ wurde 1824 geboren. Sie lebte 35 Jahre und gebar insgesamt 29 Kälber. Die mittelgroßen Angus Rinder entstammen den beiden Rassen „Angus doddies“ und Buchan humlies (Rasse von Arbeitsochsen). Das erste Herdebuch über die Rinder wird seit 1862 geführt; „Old Jock 126“ der Bulle, war das erste Herdebuchtier das darin eingetragen wurde. Die Gesellschaft der Angus Rinder entstand erst im Jahre 1879. Im Englischen wird diese Rasse auch „Angus Cattle“ genannt.

Der Bewahrer der Angus Rasse:
William Mc Combie of Tillyfour, war erfolgreicher Viehhändler und ab 1820 auch Pächter einer Farm. Er lebte von 1805 bis 1880. Der Mann gilt als Verbesserer der Angus-Rasse, da er sich um die Zucht der Rinder besonders verdient gemacht hatte. Der Züchter traf eine glückliche Zuchtauswahl und er gewann mit seinen Tieren bedeutende Preise im Schau Ring. Neben Schautieren produzierte Mr. McCombie auf seinem Pachthof auch Rinder mit hervorragender Fleischqualität. Besonders hervorzuheben ist, dass selbst Queen Victoria das Fleisch seines Ochsen „Black Prince“ kostete. Mr. McCombie wurde sogar in das „House of Commons“ gewählt.

Das Angus Rind eignet sich perfekt für die extensive Weidenhaltung

Merkmale
Bei der Rasse „Angus Rind“, handelt es sich um robuste Tiere die ganzjährig auf der Weide gehalten werden können. Sie haben einen sehr guten Mutterkuhinstinkt. Die Kühe bringen ihre Kälber auf der Weide zur Welt. Das Angus Rind ist ein guter Futterverwerter. Zur Angus-Rasse gehören einfarbig rote- und schwarze Tiere. Sowohl der Bulle als auch die Kühe sind hornlos und sie geben diese Eigenart an ihre Nachkommen weiter. Das Angus Rind zählt zu den mittelrahmigen, mittelintensiven Fleischrindrassen. Die Tiere haben einen breit angelegten Rücken und einen langgestreckten Körperbau. Die Kühe dieser Rasse besitzen ein breites- leicht geneigtes Becken. In der Folge sind sie imstande die Kälber einfacher zur Welt zu bringen. Angus-Rinder besitzen einen kurzen Kopf sowie einen feinen Knochenbau. Besonders hervorzuheben sind auch die kurzen und festen Klauen und die kurzen Striche am Euter der Kühe.

Charakter
Das hornlose Angus Rind ist in der Regel ein sehr ruhiges und gutmütiges Tier. Wegen ihres ruhigen Charakters können die Rinder auch in großen Gruppen leben. Beim Angus Rind bekommt die Kuh ihr erstes Kalb in der Regel im Alter von zwei Jahren. Sie besitzt gute Muttereigenschaften. Da eine Mutterkuh genügend Milch produziert, kann lange gesäugt werden. Dadurch sind die Kälber in der Regel sehr vital. Die Kuh kalbt einmal pro Jahr – die Kälber sind sofort imstande zu laufen. Mutterkühe können sogar im Alter von 12 bis 13 Jahren noch gebären. Angus Rinder besitzen meist eine schwarze Färbung, wobei die rot gefärbten Tiere genetisch von derselben Rasse abstammen. Es ist darauf hinzuweisen, dass in den USA zwischen „Black Angus Cattle“ und „Red Angus Cattle“ ein Unterschied gemacht wird.

Nutzung
Das Angus Rind überzeugt mit einer hohen Schlachtausbeute. Das Fleisch der Tiere ist feinfaserig und gut marmoriert. Hervorzuheben ist auch die gelbe Farbe des Fettes der Rinder. Die friedfertigen Tiere sind robust, genügsam und gutmütig. Meist ist nicht einmal der ausgewachsene Bulle aggressiv. Die anspruchslosen Tiere werden auch zur Landschaftspflege eingesetzt. Angus-Rinder eignen sich für die unterschiedlichsten Betriebsstrukturen und Herdengrößen. Der Bulle wird häufig zur Deckung bei der Reinzucht oder als Partner zur Kreuzung unterschiedlicher Rassen herangezogen.

Fütterung
Ab dem Jahre 1945 versuchte man die Aberdeen-Angus-Rinder in Deutschland zu halten. Durch die Fütterung der Tiere mit Maissilage, Sojaschrot oder gemahlenem Getreide kam es bei den Rindern zur extremen Verfettung. Kein Wunder, da die Angus-Rinder durch ihre schottische Heimat an die Weidenhaltung gewöhnt waren. In der Bundesrepublik wird bei der Stallmast häufig die Fütterung mit Grünfutter angewendet. Wobei der Weidegang mit genügend Auslauf in der Regel zu gesünderen, vitaleren Tieren führt. Das Fleisch der Angus-Rinder die sich im Freien bewegen können, ist auch von Spitzenköchen gefragt.

Die Produkteigenschaften
Angus-Rinder sind wegen ihres ruhigen Charakters ideal für die Weidenhaltung. Das Merkmal ihres Körperbaus sind die tiefen Rippen sowie der hochgestellte, walzenförmige Rumpf. Weil die Tiere sehr gute Futterverwerter sind, legen sie auch auf eher schlechten Weideflächen prächtig an Gewicht zu. Die frühreifen Angus-Rinder können bereits mit 15 Monaten das erste Mal belegt werden. Kühe erreichen etwa nach der dritten Abkalbung ihr Endgewicht. Weil die mütterlichen Tiere eine gute Milchleistung bringen, kommt es zu einer langen Säugeperiode von etwa 9 Monaten. Daher wachsen die Kälber auch sehr schnell. Dank der guten „Bemuskelung“ und des feinen Knochenbaus der Rinder gibt eine sehr gute Schlachtausbeute (zirka 60 %). Das Rind der Angus-Rasse kann mit etwa 22 Monaten das erwünschte Schlachtgewicht erreichen. Das liegt bei dem Bullen mit einer Widerristhöhe zwischen 135 cm bis 150 cm, bei ungefähr 1 100 Kilogramm. Die Kuh kann bei einer Größe von zirka 125 cm bis 140 cm, schätzungsweise 500 bis 700 Kilogramm auf die Waage bringen.

Vorkommen der Aberdeen-Angus Rinder:

Das Aberdeen-Angus Rind ist weltweit verbreitet. Diese Rasse wird nicht nur in Schottland, Deutschland und Österreich gezüchtet. Die friedfertigen und anspruchslosen Tiere sind beispielsweise auch in Nord- und Südamerika sowie in Neuseeland und Australien anzutreffen. Außerdem erfreuen sich die Tiere auch in Kanada und Argentinien großer Beliebtheit.
Die besondere Fleischqualität – kernig, feinfasrig und gut marmoriert
Angus-Kälber trinken in der Regel die gesunde Muttermilch direkt vom Euter der Mutterkühe. Aberdeen-Angus-Rinder die in natürlicher Weidenhaltung leben, produzieren kerniges, feinfasriges Fleisch mit einem herzhaften Geschmack. Es zeichnet sich mit einer kräftigen, roten Farbe aus und ist gut marmoriert. Ein Rinderbraten aus Angus-Fleisch beispielsweise ist saftig und überrascht den Feinschmecker mit seinem köstlichen Eigengeschmack. Durch die natürliche Haltung der Tiere kommt es meist auch zu einer Hof nahen Schlachtung. Dadurch bleibt den Rindern viel Stress und Aufregung erspart, dies wirkt sich wiederum auch auf die Fleischqualität aus. Anzumerken ist zudem, dass das Fett (ein Geschmacksträger) im Fleisch gleichmäßig verteilt ist. Tiere aus der Weidenhaltung, produzieren meist Fleisch mit weniger Fett und Cholesterin als ihre Verwandten aus der Stallhaltung. Besonders wichtig, ist das „Abhängen“ der Schlachthälften. Dies geschieht in der Regel in Kühlräumen. Dort kann das Angus Fleisch reifen wodurch es sein volles Aroma erlangen wird.

Die Vorteile eines guten Standorts und der Weidenhaltung

Das Aberdeen Angusrind ist ein sehr widerstandsfähiges Tier, das sich an die unterschiedlichsten Bedingungen gut anpassen kann. Die Kuh ist mit guten Mutterinstinkten ausgerüstet, sodass sich auch die Kälber schnell entwickeln. Bei Rindern, die sich viel im Freien bewegen können und ein reichhaltiges Angebot an Kräutern und Futtergräsern vorfinden, braucht der Bauer oder Züchter meist kein Antibiotikum einsetzen. Ein großer Vorteil von dem Menschen und Tiere profitieren. In Gegenden in denen im Winter nasse Witterungsverhältnisse herrschen, bieten so manche Züchter als Unterstand einen Offenfrontstall an, der nach Süden hin offen ist. Bei Regen haben die Rinder die Möglichkeit sich unter ein Dach zu stellen, trotzdem haben sie jederzeit genügend frische Luft und Bewegung. Werden die Angus-Rinder in ihrer ursprünglichen Form gehalten, ist ihr Fleisch weniger fetthaltig, als bei ihren Artgenossen die im Stall stehen.

Das Rind ist ein Wiederkäuer: Sein Organismus ist auf Gräser und Kräuter ausgelegt und nicht auf Soja und Mais. Wirklich gutes und gesundes Fleisch erhält der Züchter und Konsument von Tieren die im Freien so natürlich wie möglich leben können.

Fazit:

Die Geschichte der Aberdeen-Angus-Rinder führt uns in das frühe 19. Jahrhundert zurück. Ihre Ursprünge sind im nordöstlichsten Teil von Schottland zu finden. Im Landkreis Aberdeenshire, in den schottischen Highlands, züchtete der junge Pächter einer Farm – sein Name war Hugh Watson, die ersten Rinder dieser Rasse. Mittlerweile sind die Tiere weltweit anzutreffen. Das hochwertige Fleisch der anpassungsfähigen Rinder ist dunkelrot und zart marmoriert. Angus-Rinder aus der Weidenhaltung produzieren Fleisch mit weniger Fett und Cholesterin als die Tiere aus der Stallhaltung. Es kann mit einem sehr guten Eigengeschmack überzeugen.

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