Mundgeruch – was sind die Ursachen und wie werde ich ihn los?

Morgens wird fast jeder von diesem Phänomen geplagt. Wenn der Mundgeruch aber nach dem Frühstück und dem Zähneputzen immer noch da ist, wird daraus ein schnell ein ernsthaftes Problem. Kaum etwas ist im sozialen Umgang miteinander unangenehmer als penetranter Körperschweiß oder starker Mundgeruch. Gleichzeitig gilt es immer noch als Tabu, einen Betroffenen offen auf dieses Thema anzusprechen.

Eigener Geruch wird oft nicht wahrgenommen

Da wir gegenüber eigenen Gerüchen nicht immer so sensibel sind, wie bei fremden Ausdünstungen, hilft nur der regelmäßige kritische Selbstcheck. Beim Atemtest ist das relativ einfach. Halten Sie sich beide Hände vor den Mund, pusten Sie hinein und atmen Sie die Luft sofort wieder durch die Nase ein. Wenn Sie eine halbe Stunde nach dem Zähneputzen etwas anderes als einen schwachen Pfefferminzduft wahrnehmen, dann sollten Sie als erstes überlegen, woher der Mundgeruch kommen könnte. Falls Sie rauchen oder am Vortag Knoblauch oder Zwiebeln gegessen haben, liegt die Ursache natürlich auf der Hand.

Meistens ist der Grund für den schlechten Atem, der wissenschaftlich als Halitosis bezeichnet wird, aber im Mund selbst oder im Hals- und Rachenraum zu finden. Gelegentlich sind auch der Magen und der Verdauungstrakt daran schuld. In seltenen Fällen kann schlechter Atem sogar auf eine schwere Krankheit hindeuten. In den nächsten Abschnitten stellen wir Ihnen die häufigsten Ursachen für Mundgeruch vor und erläutern, wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten und welche Haushaltsmittel und sonstigen Hilfsmittel in harmlosen Fällen helfen.

Mangelnde Mundhygiene als Ursache für Mundgeruch

Mangelnde Mundhygiene und kranke Zähne oder entzündetes Zahnfleisch sind die häufigste Ursache für Mundgeruch. Während der Nahrungsaufnahme bleiben stets Essensreste im Mundraum zurück, die sich vor allem zwischen den Zähnen und auf der Zunge ansammeln. Dort werden die Nahrungsrückstände von Bakterien zersetzt. Bereits während der Zersetzungsprozessen können Fäulnisgase entstehen, die über die Atemluft nach außen gelangen und dann als Mundgeruch wahrgenommen werden. Manchen Speisen, insbesondere Knoblauch und Zwiebeln, hängt auch ein Eigengeruch an, der so wahrgenommen werden kann.

Weit schlimmer sind aber die mittelfristigen Schäden, die Essensreste im Mundraum anrichten können. Im Idealfall sorgt der Speichelfluss dafür, dass die Mundhöhle regelmäßig gereinigt und remineralisiert wird. Bei vielen Menschen funktioniert dieser Mechanismus aber oft nicht mehr reibungslos. Verantwortlich dafür sind zum einem trockene Heizungsluft und Klimaanlagen, die auch die Mundschleimhäute austrocknen können. Zum anderen ernähren sich viele Menschen von Fertiggerichten oder essen mittags in der Kantine, wo meist auch nur vorverarbeitete Lebensmittel angeboten werden. Die Versorgung mit Mikronährstoffen, insbesondere Mineralien, ist deshalb oft schlecht, was sich auch negativ auf die Zusammensetzung des Speichels auswirkt. Werden Nahrungsrückstände dann nicht regelmäßig mechanisch entfernt und die Mundhöhle gründlich gesäubert, nehmen die Bakterien überhand und ihre Säuren greifen den Zahnschmelz und das Zahnfleisch an, was letztlich zu Karies und Parodontose führt.

Der Zahnarzt kann helfen

Wenn Sie regelmäßig an schlechtem Atem leiden, dann sollten Sie als erstes Ihren Zahnarzt aufsuchen. Sofern Zahnfleisch und Zähne noch gesund sind, reicht meist schon eine regelmäßige Zahnpflege. Am besten putzen Sie die Zähne nach jeder Mahlzeit und vergessen dabei auch die Zungenreinigung nicht. Auch antibakterielle Mundspülungen können helfen, die Zahnzwischenräume sauber zu halten. Zahnbelag, der immer schlecht riecht, werden Sie alleine aber nicht los. Hier sollten Sie in eine professionelle Zahnreinigung investieren und im Anschluss daran auf gründliche Mundhygiene achten. Zahnbeläge und Zahnstein bilden sich nicht bei allen Menschen gleich schnell. Wenn Sie hier anfällig sind, lohnt es sich, regelmäßig, etwa alle drei bis vier Monate, in eine professionelle Zahnreinigung zu investieren. Das sorgt nicht nur für reinen Atem, sondern hält auch die Zähne und das Zahnfleisch schön und gesund. Weitere Informationen zur Hilfe vom Zahnarzt gibt es hier.

Entzündungen als Ursache für schlechten Atem

Wenn Zähne und Zahnfleisch gesund sind, resultiert schlechter Atem oft aus entzündlichen Prozessen im Mund- und Rachenraum. Falls Sie noch Mandeln haben, sind die üblichen Verdächtigen bereits identifiziert. Eine chronische Mandelentzündung (Angina tonsillaris) verursacht nicht immer merkliche Beschwerden. In den tiefen Furchen der Rachen- und Gaumenmandeln sammeln sich aber oft unbemerkt Eiter, abgestorbenes Schleimhautgewebe und andere Zerfallsprodukte an. Die Fäulnisgase, die diese Abfallstoffe produzieren, sind extrem unangenehm und werden über die Atemluft mach außen transportiert. Sie haben dann wortwörtlich faulen Atem.

Ähnliche Prozesse stellen sich ein, wenn eine Selbstverletzung im Wangenbereich, die zum Beispiel beim Kauen entstehen kann, schlecht heilt. Hier bilden sich manchmal tiefe Geschwüre, die permanent entzündet sind oder sogar eitern. In solchen Fällen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Permanente Entzündungsprozesse wirken sich nicht nur negativ auf den Atem aus, sondern belasten zudem das Immunsystem und können mittelfristig sogar auf andere Organe übergreifen. Auch vermeintlich kleine Schrunden in der Mundhöhle sollten, wenn diese nach gut einer Woche nicht abheilen, vorsorglich dem Arzt vorgestellt werden.

Übler Atem durch Bakterien und Viren

Neben Bakterien können auch Viren, insbesondere Herpes-Erreger, sowie Hefepilze die Mund- und Rachenschleimhaut befallen und für Mundgeruch sorgen. Erste Anzeichen dafür sind eine trockene Mundhöhle, schleimiger Speichel sowie brennende Schmerzen im Mund und auf der Zunge. Herpes-Infektionen, die nicht nur die Lippen, sondern auch die Mundhöhle selbst befallen können, gehen meist mit kleinen, oftmals weißlichen Bläschen einher. Die Mundflora ist in solchen Fällen meist schwer gestört und nicht mehr im Stande, sich selbst zu heilen. Hier sollten Sie immer zeitnah einen Arzt konsultieren.

Schlechter Atem während einer Erkältung oder einer Grippe ist oftmals auf Eiter- und Schleimrückstände in den oberen Atemwegen zurückzuführen. Das Symptom verschwindet aber von selbst, sobald der grippale Infekt auskuriert ist. Wenn sich Schleim und Eiter in den Nasennebenhöhlen festgesetzt haben, ist eine Nasenspülung mit Salzwasser oft äußerst hilfreich und verbessert nicht nur den Atem, sondern verkürzt auch die Rekonvaleszenz. Entsprechende Geräte („Nasenduschen“) gibt es in Drogerien und Apotheken, wo Sie auch gleich das richtige Mineralsalz für die Spülungen erhalten. Auch Mundspülungen und Gurgelanwendungen mit Salzwasser sorgen in solchen Fällen für schnelle Linderung. Wenn gerade keine Apotheke in der Nähe ist, dann ist Meersalz ein Haushaltsmittel, das sich sehr gute als erstes Hilfsmittel eignet.

Darüber hinaus können auch die Ohren schuld an schlechtem Atem sein. Auch hier können sich unbemerkt Entzündungen bilden und sich beträchtliche Eitermengen in den Gehörgängen ansammeln. Gelegentliche Ohrenschmerzen oder Druck auf den Ohren ist durchaus normal, in Kombination mit fauligem Atem empfiehlt sich aber der zügige Gang zum Hals-Nasen-Ohrenarzt. Hier sollten Sie auch ausdrücklich auf die Halitosis hinweisen, das hilft dem Arzt bei der Diagnose.

Magen und Speiseröhre als Auslöser für Mundgeruch

Leiden Sie öfters an starkem Aufstoßen oder Sodbrennen? Starke, brennende Schmerzen im Brustbereich in Kombination mit saurem Aufstoßen und Magenschmerzen oder Blähungen deuten auf eine ernsthafte Störung des Verdauungstrakts hin. In diesen Fällen sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen. Meist bildet der Magen aufgrund falscher Ernährung nur zu viel Säure. Hinter diesen Symptomen können sich in seltenen Fällen aber auch schwere Störungen wie ein Magengeschwür oder gar ein Tumor verbergen. Aber selbst, wenn es sich nur um eine chronische Gastritis handelt, ist professionelle Hilfe erforderlich. Nicht nur Ihrem Magen zuliebe. Wenn die geschilderten Symptome mit schlechtem Atem einhergehen, sind sie sehr wahrscheinlich auch die Ursache hierfür. Besonders wenn das Aufstoßen so stark ist, dass es mit einem Rückfluss vorverdauter Nahrungsbestandteile in die Speiseröhre einhergeht, hat dies äußerst unangenehmen Atem zur Folge. Sie sollten dann nicht lange mit Haushaltsmitteln oder anderen Hilfsmitteln aus der Apotheke experimentieren, sondern einen Internisten aufsuchen.

Darüber hinaus kann die Ursache für Mundgeruch aber auch in der Speiseröhre selbst liegen. Sogenannte Speiseröhrendivertikel sind winzige Ausbuchtungen in der Schleimhaut der Speiseröhrenwand. Divertikel gehen nicht immer mit Beschwerden einher. Allerdings können sich dort Speisereste verfangen, die dann von Mikroorganismen zersetzt werden. Das ist meist nicht gefährlich, die Fäulnisgase, die während dieser Zersetzungsprozesse entstehen, werden aber als schlechter Atem wahrgenommen. Wenn eine hartnäckige Halitosis mit dem häufigen Zwang zum Räuspern, ständigem Hustenreiz, einem Kloßgefühl im oder leichten Schwellungen am Hals verbunden ist, sollten Sie Ihren Arzt darauf ansprechen.

Achalasie – selten, aber möglich

In seltenen Fällen kann der schlechte Atem auch auf eine Achalasie zurückzuführen sein. Bei dieser Störung öffnet sich der Schließmuskel am Übergang von der Speiseröhre zum Magen nicht mehr weit genug, um die aufgenommene Nahrung vollständig in den Magen gelangen zu lassen. Meist sind die für die Muskelsteuerung zuständigen Nerven geschädigt. Die verzehrten Lebensmittel werden dann nicht im Magen verdaut, sondern teilweise in der Speiseröhre von Bakterien zersetzt. Die dabei entstehenden Abfallstoffe verursachen einen fauligen Atem. Junge Leute sind hiervon aber nur äußerst selten betroffen, eine Achalasie wird fast ausschließlich bei Menschen über 40 beobachtet.

Wenn Sie über 50 sind kommt auch eine Hiatus-Hernie als Auslöser für permanent schlechten Atem in Frage. Gelegentlich kommt es an der Übergangsstelle zur Speiseröhre zu einem Bruch, so dass ein Teil des Magens durch das Zwerchfell in den Brustraum austritt. Was furchterregend klingt, ist meist nicht wirklich gefährlich und geht vor allem anfänglich nur mit diffusen Symptomen einher. Eines davon ist extrem schlechter Atem, der beständig auftritt und nach der Nahrungsaufnahme sogar noch stärker wird. Auch in diesen Fällen sollten Sie zügig einen Internisten konsultieren.

Mundgeruch bei Diabetes

Mundgeruch kann auch aus schweren Stoffwechselstörungen resultieren. Kommt es bei Diabetikern zu einem starken Anstieg des Blutzuckerspiegels, wird die Energieversorgung der Zellen empfindlich eingeschränkt. Der Körper reagiert darauf mit einem verstärkten Abbau von Fetten und Protein. Insbesondere beim Abbau der Fettsäuren entstehen sogenannte Ketonkörper, die zu einer Ketoazidose, auch als diabetisches Koma bekannt, führen können. Eine Ketoazidose ist lebensgefährlich und kündigt sich oftmals durch einen nach Azeton riechenden Atem an. Azeton ist ein Element der Ketonkörper und wird sowohl über den Urin als auch die Atemluft ausgeschieden. Wer an Diabetes Typ I oder Typ II leidet und bemerkt, dass sein Atem nach Nagellackentferner oder fauligen Äpfeln riecht, sollte sofort den Notarzt verständigen oder sich ins Krankenhaus begeben.

Halitosis und Hungerkuren

Bei Personen, die nicht an Diabetes leiden, aber dennoch einen Azetongeruch beim Ausatmen wahrnehmen, kann auch eine temporäre Unterzuckerung aufgrund eines Kohlenhydratmangels vorliegen. Dieses Phänomen tritt häufig bei Abmagerungskuren auf, manche Menschen leiden aber auch morgens daran, wenn ihr Blutzuckerspiegel über Nacht stark abgesunken ist. Ein bewährtes Hilfsmittel sind dann Haferflocken oder Cornflakes zum Frühstück, die viele Kohlenhydrate enthalten und dem Körper rasch Energie zuführen. Der Mundgeruch verschwindet dann meist kurz nach der Mahlzeit von selbst. Ein einfaches Haushaltsmittel ist in diesen Fällen auch ein Löffel Zucker, den Sie pur essen oder in den Tee einrühren können. Haferflocken sind allerdings die gesündere Lösung und sorgen auch längere Zeit für Abhilfe, da Sie neben Monosacchariden, die sofort ins Blut gelangen, auch komplexe Kohlenhydrate enthalten, die langsam abgebaut werden. Haferflocken versorgen Sie über Stunden mit Kohlenhydraten und beugen so einer erneuten Unterzuckerung und dem dadurch bedingten Mundgeruch vor.

Einfache Haushaltsmittel und sonstige Hilfsmittel gegen Mundgeruch

Was Sie selbst gegen Mundgeruch tun können, hängt von dessen Ursache ab. Wenn Sie Knoblauch oder Zwiebeln gegessen haben ist der schlechte Atem, der auf den Verzehr dieser Knollen fast immer folgt, auf das Enzym Allicin zurückzuführen. Dabei handelt es sich um ein natürliches Repellents, das Pflanzen vor schädlichen Insekten schützen soll. Auf Allicin reagieren nicht alle Menschen gleich stark, es wird außerdem nicht nur über den Atem, sondern auch über die Haut ausgeschieden. Eine akute Knoblauchfahne kann durch Dragees, Kaugummi oder Mundspülungen zwar etwas abgeschwächt werden, letztlich müssen Sie aber warten, bis das Allicin abgebaut ist, was bis zu 48 Stunden dauern kann. Der Verzehr von Äpfeln, Petersilie, Minze und Spinat kann diesen Prozess aber angeblich beschleunigen.

Wenn kein bestimmtes Lebensmittel, sondern Speisereste zwischen den Zähnen immer wieder für Mundgeruch sorgen, dann ist eine gute Zahnbürste das beste Hilfsmittel. Für eine gesunde Mundflora reicht es aber nicht, morgens nur eben zweimal links und zweimal rechts zu putzen. Eine gründliche Mundhygiene dauert wenigstens drei Minuten und schließt eine sorgfältige Zungenreinigung mit ein. Hartnäckiger Belag auf der Zunge lässt sich auch durch ein einfaches Haushaltsmittel gut bekämpfen. Tröpfeln Sie einfach etwas ätherisches Lavendelöl auf die Zunge und lassen Sie es kurz einwirken. Danach können Sie den Belag ganz leicht abbürsten. Außerdem sollten Sie die Zähne und die Zunge nicht nur morgens und abends, sondern auch zwischendurch putzen. Hier darf es dann auch einmal schneller gehen, die Speisereste sollten aber vollständig aus der Mundhöhle entfernt werden.

Wenn Sie trotz ausreichender Mundhygiene regelmäßig an Mundgeruch leiden, sollten Sie unbedingt zunächst Ihren Zahnarzt, und wenn dieser nichts finden kann, Ihren Hausarzt aufsuchen. Wie oben gezeigt sind die Ursachen für Mundgeruch meist harmlos, ab und zu ist schlechter Atem aber doch ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung.

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