Trainerschein? Das kannst auch du!

„Den Spieler hätte ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht vom Feld genommen!“ Diesen Satz hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört, der ab und zu Fußball schaut. Neben den nicht immer abseits der Kritik stehenden selbsternannten Fernsehexperten gibt es gerade im Fußball unglaublich viele Hobbyexperten, die es grundsätzlich immer besser wissen. Insbesondere während Welt- und Europameisterschaften drängt sich der Eindruck auf, die gesamte Nation habe kurzfristig den Trainerschein erworben. Dabei reicht Fanwissen bei weitem nicht aus, um die Prüfungen der Lehrgänge zu bestehen. Es geht dabei auch um wissenschaftliche Aspekte, beispielsweise um Muskelaufbau und Regeneration nach den Spielen. Nur mithilfe von umfassenden theoretischen Kenntnissen kann eine vorausschauende Trainingssteuerung gelingen.

Kein Profi? – Kein Problem!

Vor noch nicht allzu langer Zeit gab es ein ungeschriebenes Gesetz im internationalen Fußball: Wer kein Profi war, der kann auch kein ausgezeichneter Trainer sein. Trotz Trainerschein. Mit Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim), Manuel Baum (FC Augsburg) und Florian Kohlfeldt (Werder Bremen) gibt es jedoch Beispiele, die aufzeigen, dass eine Profilaufbahn keine Grundvoraussetzung mehr für den Trainerberuf ist. Auch auf internationaler Ebene gibt es Beispiele für erfolgreiche Trainer ohne Profierfahrungen: José Mourinho (Champions League-Sieger 2004 und 2010) und André Villas-Boas (Europa League-Sieger 2011).

Der Beruf des Fußballlehrers öffnet sich somit auch für diejenigen, die sich für den Sport und seine technisch-taktischen Aspekte interessieren, allerdings nicht über die spielerischen Voraussetzungen verfügen, um ein sehr guter Spieler zu werden. Auch Jürgen Klopp hält bekanntlich nicht allzu viel von seinen fußballerischen Fähigkeiten. Und trotzdem hat er den Trainerschein erworben. Zurzeit trainiert er den großen FC Liverpool in der englischen Premier League.

Umfangreiche Anforderungen

Dass man keine schillernde Profikarriere hingelegt haben muss, um ein respektabler Trainer zu werden, scheint also so sicher zu sein wie der Schlusspfiff nach jedem Spiel. Bei seiner täglichen Arbeit hat der Trainer nämlich in erster Linie mit sehr vielen Menschen zu tun, die jeweils eigene Interessen und Ziele verfolgen. An erster Stelle stehen meistens die Spieler, dicht gefolgt von ihren Beratern. Hinzu kommen die Ärzte und Physiotherapeuten, die durchaus andere Standpunkte vertreten können, als der Trainer. An oberster Stelle stehen dann die Manager bzw. der Vorstand. Vor allem Letzteres gilt natürlich ausschließlich für den Profibereich.

Aber auch im Breitenfußball besteht Konfliktpotenzial. In den Jugendmannschaften stehen die Eltern besonders im Mittelpunkt, da sie die Interessen ihres Kindes oftmals strikter vertreten als die Kinder selbst. Sie erfüllen im Juniorenbereich also die Rolle der Berater. Der Trainer ist somit vor allem Moderator, Schlichter und erste Anlaufstelle für Probleme jedweder Art. Nicht umsonst wird in den Medien oft von Menschenführung gesprochen. Der Trainer bewegt sich also auf einem schmalen Grat zwischen Taktiktüftler, Manager und Vaterfigur.

Der Trainerschein und seine Lizenzstufen

Um den Trainerschein zu erlangen und später einmal Fußballlehrer zu werden, muss die Ausbildung des DFB durchlaufen werden. Die unterste Lizenzstufe ist die sogenannte „C-Lizenz“, die sich auf den Breitenfußball konzentriert. Um Dich anzumelden, musst Du mindestens 16 Jahre alt sein und einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben. Bevor Du dann die Prüfung ablegen kann, müssen zunächst 120 Lerneinheiten à 45 Minuten abgeleistet werden. Bestehst Du die Prüfung, darfst Du Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene auf Kreisebene trainieren.

Die nächste Lizenzstufe im Breitenfußball bildet die „B-Lizenz“. Obwohl es empfehlenswert ist, zunächst die „C-Lizenz“ erfolgreich abzuschließen, ist sie keine Voraussetzung, um die „B-Lizenz“ zu durchlaufen. Auch hier müssen 120 Lerneinheiten abgearbeitet werden. Hinzu kommt, dass man sich während des Lehrgangs für einen Schwerpunktbereich entscheiden muss: Junioren- oder Seniorenfußball. Verlaufen die Prüfungen wie gewünscht, ist es Dir im Erwachsenenfußball erlaubt Männermannschaften bis einschließlich 5. Liga zu leiten; bei den Frauenmannschaften dürfen alle Teams unterhalb der 2. Bundesliga betreut werden. Im Juniorenbereich dürfen alle Männer-Nachwuchsmannschaften unterhalb der A- und B-Jugend trainiert werden, bei den Frauen ist man berechtigt, alle Jugendteams zu führen.

Mit der nachfolgenden Lizenzstufe, der sogenannten „DFB-Elite-Jugend-Lizenz“ steigen auch die Anforderungen an die Teilnehmer. So ist eine Gesamtnote von mindestens 10 Punkten bei der Prüfung der „B-Lizenz“ vorzuweisen. Außerdem musst Du mindestens ein Jahr lang mit der B-Lizenz trainiert und 20 Trainingseinheiten an einem DFB-Stützpunkt abgeleistet haben. Erst dann wirst Du zum Lehrgang zugelassen. Lagen die beiden vorangegangenen Lizenzen noch in der Hand des jeweiligen Landesverbands unterstehen alle folgenden Lizenzstufen inklusive der „DFB-Elite-Jugend-Lizenz“ direkt dem DFB. Nachdem die 80 Lerneinheiten erfolgreich absolviert wurden, bist Du berechtigt an DFB-Stützpunkten und in den Leistungszentren der Vereine zu arbeiten.

Die letzte Lizenzstufe vor dem „Fußballlehrer“ ist die „A-Lizenz“. Um die Prüfung zu bestehen, muss an 100 Lerneinheiten teilgenommen werden. Als Lohn für das bestandene Examen bist Du berechtigt bei den Herren in der Regionalliga, sowie alles Jugendteams zu betreuen. Bei den Frauen darfst Du sogar die Bundesligamannschaften trainieren. Bist Du nun in Besitz der Lizenz, muss diese alle drei Jahre fristgerecht verlängert werden.
Zudem musst Du Fortbildungsveranstaltungen im Umfang von 20 Lerneinheiten besuchen.

Der „Fußballlehrer“ stellt die höchste Lizenzstufe des Trainerberufs dar. Auch hier musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um Dich bewerben zu können. Du kannst entweder ein Jahr lang eine Seniorenmannschaft in der 6. Spielklasse trainiert, ein Jahr lang als leitender DFB-Stützpunktkoordinator gearbeitet oder ein Jahr lang eine Bundesligamannschaft der A- oder B-Junioren betreut haben. Solltest Du zum Fußballlehrer aufsteigen, steht Dir auch die internationale Bühne offen, da die deutsche Fußballlehrer-Lizenz mit der UEFA-Pro-Lizenz gleichwertig ist.

Trainerschein ganz ohne Praxis?

Dem Start der Ausbildung geht in vielen Fällen bereits ein freiwilliges Engagement im örtlichen Fußballverein voraus. Auch wenn wir schon festgestellt haben, dass eine Profilaufbahn nicht unbedingt von Nöten ist, ist es dennoch Voraussetzung, in einem vom DFB eingetragenen Verein Mitglied zu sein bzw. einen Spielerpass zu besitzen. In den meisten Fällen stand man ja zumindest als Knirps auf dem Platz und hat somit einen offiziellen Spielerpass. Ohne jegliche „Praxiserfahrung“ geht es also nicht. Und das ist auch gut so. Da dem Wunsch, Fußballtrainer zu werden, aber oftmals ein gewisses Interesse an dem Sport vorausgeht, scheint die Bedingung eines Mitgliedsausweises eine kleine Hürde zu sein.

Taktikfüchse auch im Breitenfußball

Nicht jeder Hobby-Fußballer, der in der Kreisklasse kickt, ist ein Haudegen und Fan von Blutgrätschen. Auch auf der untersten Stufe des Breitenfußball s gibt es durchaus Taktikfanatiker, die aus einer Kreisligabegegnung gerne ein Taktik-Gipfeltreffen machen. Wenn Du einer von ihnen bist, würde es sich doch anbieten einmal den Trainerschein bzw. zunächst die „C-Lizenz“ zu erlangen, um einen anderen Blick auf den Sport zu erhalten. Vielleicht schlummert in Dir ja der perfekte Fußballlehrer. Das Wissen, was man im Zuge der ersten Lizenzen erlangt, kann man sicherlich auch als aktiver Fußballer einsetzen, um das Spiel, seine Mitspieler, aber auch und vor allem den Trainer besser zu verstehen.

Nebenberuf Schiedsrichter

Sie sind oft die Buhmänner auf dem Platz und werden besonders dann als gut befunden, wenn man sie gar nicht bemerkt. Der Job des Schiedsrichters ist vor allem im Bereich des Breitenfußball s hart. Dennoch kann einem der Einblick in den Beruf der Regelhüter in gewisser Weise die Augen öffnen und den Horizont erweitern. Wie sehen die Schiedsrichter das Spiel? Welchen Anweisungen folgen sie? Nach welchen Kriterien treffen sie ihre Entscheidungen?

Nicht umsonst beinhalten auch die Lehrgänge des Trainerscheins das Fach „Regelkunde“. Versteht man nämlich die Hintergründe und die Intention der Entscheidungen des Schiedsrichters, kann man diese besser nachvollziehen. Da somit die Differenzen der beiden Parteien verringert werden, können auch die sich häufenden Eskalationen am Spielfeldrand vermieden werden. Man muss nicht gleich FIFA-Schiedsrichter werden, um den Blickwinkel zu schärfen, da einfache Einführungskurse angeboten werden, die in das Feld der Schiedsrichter einführen.

Der große Traum

Wer sich für den Trainerschein und für eine Ausbildung zum Fußballtrainer entscheidet, der hat meistens den großen Traum, seinen Lieblingsklub zu trainieren und viel Geld zu verdienen. Aber so viel sei vorweggesagt, nicht jeder hat das Zeug dazu. Das ist zu einem gewissen Grad – wie auch im Bereich der Spieler – eine Frage des Talents. Dennoch lohnt es sich für alle, die mehr über das Spiel und das Business rund um die 90 Minuten erfahren wollen, den Trainerschein zu machen. Dem ein oder anderen reicht möglicherweise auch die „DFB-Elite-Jugend-Lizenz“, mit der man in den Leistungszentren von den großen Vereinen arbeiten darf. Jugendarbeit ist nicht nur spannend, da man mit ehrgeizigen jungen Menschen zusammenarbeitet und ihre Entwicklung verfolgen kann, sondern auch extrem wichtig, da man die Zukunft des Fußballs aktiv mitgestaltet.

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