Wie Sie mit der richtigen Sprache im Beruf erfolgreicher werden

Raus mit der Sprache: haben Sie hin und wieder das Gefühl, in einer bestimmten Situation nicht die richtigen Worte zu finden? Was Sie im privaten Bereich vielleicht mit einem Witz überspielen, kann Sie im Beruf wertvolle Sympathiepunkte kosten. Abgesehen vom Beispiel des einsamen Leuchtturmwärters, sind viele Berufe von Kommunikation abhängig. Was wäre ein Kundenbetreuer, der nicht mit seinen Kunden spricht? Ein Lehrer, der nur stumm vor der Tafel steht? Lesen Sie deshalb hier, wie Sie in verschiedenen Branchen und Berufen das Optimum aus Ihrer Ausdrucksweise herausholen.

Warum wir so oft aneinander vorbeireden

Im Privaten wie auch im Beruf ist Sprache ein wichtiges Werkzeug für Erfolg. Zugleich birgt sie durchaus Konfliktpotenzial. Etwa dann, wenn wir aneinander vorbeireden, wenn wichtige Informationen nicht beim Empfänger ankommen oder falsch von ihm verstanden werden.

Wie kommt es dazu, dass Kommunikation nicht funktioniert? Jede Aussage entfaltet ihre Wirkung auf verschiedenen Wegen. Friedemann Schulz von Thun beschreibt das in seinem Vier-Ohren-Modell. In ihm besteht jede Nachricht gleichzeitig aus vier unterschiedliche Ebenen. Auf der Sachebene wird die reine Information übermittelt, sie ist entweder wahr oder falsch. Der Appell bildet Ebene Nummer zwei. Welches Ziel verfolgt der Sprecher mit seiner Aussage beim Gegenüber? Die Beziehungsebene sagt aus, welche Meinung der Sender von seinem Gegenüber hat. Die Selbstoffenbarungsebene schließlich enthüllt Informationen über den Sender selbst.

Als wäre das nicht schon kompliziert genug, treffen vier verschiedene Nachrichtenebenen auch auf vier verschiedene Ohren beim Empfänger. Interpretiert er die Aussage als Sachinformation? Fasst er sie als Appell, als Aussage über das Verhältnis zwischen Sender und Empfänger oder als Aussage über sich selbst auf?

Wie Sie mit Empathie den richtigen Ton treffen

Ihre Redeweise kann der Schlüssel zu Erfolg oder Misserfolg einer Unterhaltung sein. In Form von Empathie hat jedermann ein starkes Werkzeug an der Hand, das zum Gelingen von Kommunikation beiträgt.

Der Begriff Empathie bedeutet die Fähigkeit, neben dem Äußeren und der Sprache einer Person auch das wahrzunehmen, was in ihrem Inneren vor sich geht. Der Begriff Einfühlungsvermögen wird gerne synonym verwendet. Denn genau das tut der Sender: Er fühlt sich in die Gedanken, Gefühle, Eigenschaften und vermuteten Motive des Gegenübers ein. Er lässt sich auf die Person ein und nimmt sie in all ihren Facetten wahr. Die Handlungen, Äußerungen und auch Haltungen des Gesprächspartners werden erforscht. Empathie endet aber nicht bei der Aufnahme von Informationen. Sie umfasst auch eine angemessene Reaktion darauf. Empathischen Menschen wird gerne nachgesagt, einen „Draht“ zu einer Person zu haben. Sie nehmen sich Zeit für eine Unterhaltung, hören aktiv zu und passen Ihre Redeweise dem Gesprächspartner an. Wie kann das in unterschiedlichen Berufsfeldern aussehen?

Beispiele, wie Sie mit der richtigen Sprache mehr Erfolg im Beruf haben

Bildung und Pädagogik

Lehrer und Erzieher vermitteln nicht einfach nur Bildung. Vor allem formen sie auch einen Teil der Persönlichkeit von Menschen. Das fängt schon bei den Jüngsten im Kindergarten an. Sie lernen dort, wie sie sich in Gruppen verhalten, welche Werte als gut oder schlecht angesehen werden und wie man Konflikte austrägt. Empathie ist in diesem Beruf elementar. Kinder können sich noch nicht so gut ausdrücken oder komplizierte Sachverhalte verstehen. Erzieher sollten daher eine einfache Redeweise verwenden, die auf schwieriges Vokabular verzichtet. Kinder erklären sich gerne, oft aber unklar. In diesem Fall hilft Nachfragen weiter.

In der Schule wird die Redeweise nach und nach differenzierter. Hier kommt ab einem gewissen Zeitpunkt die Jugendsprache ins Spiel. Kinder und Jugendliche entwickeln oft einen eigenen Slang, dem Erwachsene nur schwierig folgen können. Sich darauf einzulassen, zeugt von aufrichtigem Interesse auf der Seite des Lehrers. Das bedeutet nicht, dass er selbst in Jugendsprache reden solle, was im Gegenteil leicht ins Lächerliche umschlägt. Es reicht, wenn Lehrer signalisieren, dass sie nicht „zum alten Eisen“ gehören und ehrlich wissen möchten, was ihre Schüler motiviert.

Gleichzeitig bringt die richtige Sprache zwischen Lehrern und Schülern ein gesundes Maß an Distanz. Mit dem richtigen Ausdruck schafft der Lehrer Grenzen, zeigt, dass er eine Respektsperson ist und gleichzeitig auch seinen Schülern gegenüber Respekt zollt. Die Sprachberatung ist aus diesem Grund Teil des Lehramt-Studiums.

Pflege

Immer mehr Menschen verbringen einen Teil ihres Lebens in Pflege. Sei es bei Reha-Maßnahmen, im betreuten Wohnen oder in einem Altersheim. Oft sind Pfleger und Ärzte dann die Personen, mit denen sie am häufigsten kommunizieren. Sprache wird dabei zum Beispiel gebraucht, um medizinische Vorgänge und Anwendungen zu erklären. Der Empfänger ist jedoch nicht unbedingt vorgebildet. Ein medizinischer Ausdruck beschreibt möglicherweise das Vorgehen perfekt, sagt den Senioren aber überhaupt nichts. Eine Redeweise, die medizinisches Vokabular einfach verständlich macht, sorgt hier für Erfolg.

Viele Pflegeberufe enthalten zudem eine psychologische Komponente. Patienten und Heimbewohner haben eine Vielzahl an Ängsten und Sorgen oder sind wütend darüber, dass sie ihr Leben nicht mehr vollständig frei führen können. Diese Gefühle müssen ernst genommen werden, weshalb auch hier die Empathie wieder eine zentrale Rolle spielt. Ein Pfleger, der Verständnis für die Nöte seines Patienten ausdrückt, zeigt ihm, dass er ihn respektiert. Neben der reinen Ausdrucksweise sollte er auch die Körpersprache seiner Schützlinge deuten können. So kann er direkt ansprechen, wenn er meint, dass sein Gegenüber sich aus irgendeinem Grund nicht wohlfühlt. Oft lassen sich Probleme so pro-aktiv lösen. Weitere Informationen zu „heilenden Worten“ gibt es hier.

Medizin

In der Medizin hat Sprache einen ganz ähnlichen Einfluss auf den beruflichen Erfolg wie in der Pflege. Welcher Patient stand nicht schon einmal vor der Frage: „Was will mir der Arzt eigentlich sagen?“ Medizinische Experten haben ihr ganz eigenes Vokabular. Für Laien ist es kaum zu durchschauen. In diesem Bereich kommt die Experten-Laien-Kommunikation zum Zug. Ärzte müssen sich bewusst machen, dass sie für gewöhnlich einen immensen Wissens-Vorsprung gegenüber ihren Patienten haben. Entsprechend müssen sie ihre Redeweise so vereinfachen, dass ihr Gegenüber sie versteht. Einen Ausdruck zu viel zu erklären, ist absolut keine Schande. Gerade, wenn es um die Gesundheit von Menschen geht!

Sport

Sogar Sport funktioniert nicht ohne Sprache. Sicher, ein Eiskunstläufer in seiner Kür redet ebenso wenig wie ein Marathonläufer kurz vor dem Ziel. Dennoch kommt kaum ein Sportler ohne eine Person aus, die regelmäßig mit ihm spricht: den Trainer. Erfolg im sportlichen Bereich hängt unter anderem davon ab, wie klar der Trainer seine Anweisungen gibt. Wer genau weiß, was zu tun ist, kann sich unkompliziert daranhalten. Eine einfache und prägnante Redeweise funktioniert auch dann, wenn der Sportler gerade Höchstleistungen vollbringt. Nicht umsonst stehen Fußballtrainer im Match an der Linie und rufen den Spielern immer wieder kurze Befehle zu. Damit erreichen sie, wenn alles funktioniert, ihre taktischen Ziele.

Darüber hinaus motivieren Trainer Ihr Team zusätzlich. Aufmunternde Worte und ein positiver Ausdruck sind als psychologisches Hilfsmittel nicht zu unterschätzen und können die mentale Stärke eines Sportlers extrem verbessern. Dabei darf die Sprache des Trainers durchaus anerkennen, dass der Sportler schon erschöpft ist oder ans Aufgeben denkt. Sein Anfeuern sorgt zugleich dafür, dass sein Schützling über sich hinauswachsen und seine Grenzen überwinden kann.

Öffentlicher Dienst

Sprache im öffentlichen Dienst ist so vielfältig wie die Tätigkeitsfelder in diesem Bereich. Salopp gesagt arbeiten im Öffentlichen Dienst vorwiegend Beamte, die in einer Form von Verwaltung tätig sind. Die Redeweise in den betroffenen Berufen ist oft negativ geprägt vom sogenannten „Beamten-Deutsch“. Mitarbeiter in der Verwaltung arbeiten vor einem rechtlichen Hintergrund, der ihre Tätigkeit genau eingrenzt. Es ist zweifelsfrei festgelegt, was erlaubt und was verboten ist. Aktionen wie jene, dass Arbeitslose nur noch Kunden genannt werden dürfen, können das Problem nicht kaschieren.

Wie auch im medizinischen Bereich, treffen im Öffentlichen Dienst zwei Personengruppen mit unterschiedlichem Wissensstand aufeinander: Einerseits der Beamte oder Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst, andererseits der Bürger, der aus einem ganz anderen Umfeld kommen kann. Der Mitarbeiter hat für gewöhnlich einen großen Wissens-Vorsprung. Er sollte daher seine Sprache so einfach und verständlich halten, dass sein Kunde ihm jederzeit folgen kann. So vermeidet er Rückfragen und zusätzlichen Aufwand, weil Informationen zur Fallbearbeitung fehlen.

Selbst im Öffentlichen Dienst ist Empathie hilfreich. Mit dem passenden Ausdruck zeigt sich der Mitarbeiter von seiner menschlichen Seite. Ein „ich verstehe Sie“ oder „ich möchte Ihnen gerne helfen“ reichen oft schon aus! Er wird nicht mehr mit „Paragraphenreitern“ und dem „Amtsschimmel“ in Verbindung gebracht, der gerne für eine negative Grundhaltung sorgt. Seine Sprache macht ihn menschlich und zeigt, dass er lediglich seine Arbeit machen will, statt sein Gegenüber zu gängeln.

Business

Im Business allgemein treffen die unterschiedlichsten Redeweisen aufeinander. Jede Branche hat ihr eigenes Vokabular, das nur Insider verstehen. Personen in einem Beruf, der mehrere Branchen vereint, müssen daher regelmäßig auch mehrere „Sprachen“ sprechen.
Selbst innerhalb einer Firma verwenden einzelne Abteilungen unterschiedliche „Dialekte“. Abteilungsleiter und Manager tun gut daran, sich den entsprechenden Wortschatz anzueignen, um mit den Team-Mitgliedern auf einer Ebene zu kommunizieren.

Wie auch im Sport, so ist Motivation im Business ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wer seinem Team zeigt, dass er hinter ihm steht, es lobt und anspornt, sorgt für mehr Einsatz und bessere Arbeit. Ein freundliches Wort abseits des geschäftlichen Alltags ist zudem Ausdruck der menschlichen Seite. Mitarbeiter, Teamleiter und Chefs sind immer auch Menschen, die ihre emotionale Seite im Business zwar zurückstellen, aber nie ganz ausschalten können.

Sprache ist ein Erfolgswerkzeug

Die verschiedenen Beispiele zeigen, dass Sprache in allen Berufszweigen Vorteile verschaffen kann. Insgesamt lässt sich festhalten, dass Kommunikation nicht auf das Sprechen reduziert werden darf. Es kommt immer auch darauf an, ein guter Zuhörer zu sein. Ein Training in Empathie und eine Sprachberatung sind jeweils eine lohnende Investition in Ihren beruflichen Erfolg.