Promi Big Brother und Dschungelcamp – warum ist Trash-TV mit C-Promis so erfolgreich?

Vor kurzem ist sie angelaufen, die neue Staffel „Promi Big Brother“ mit zwölf mehr oder weniger Prominenten. Wobei das Attribut „prominent“ in unserer Zeit ja recht großzügig ausgelegt wird, um ausreichend Willige für die 14-tägige TV-Demütigung auf Sat.1 zu finden.

Dem Lockruf der Gage sind diesmal gefolgt: Ex-Spielerfrau Claudia Effenberg, Ex-Senator Ronald Schill, Ex-Bachelor Paul Janke und Hubert Kah, der vor über 30 Jahren von der „Neuen Deutschen Welle“ ins Rampenlicht gespült wurde, von dort aber ebenso schnell wieder verschwand. Hinzu gesellen sich die Schauspielerinnen Alexandra Rietz und Liz Baffoe, die sich immerhin schon eine gewisse TV-Präsenz erarbeitet haben, und Michael Wendler, der sich nach seinem Kurz-Aufenthalt im Dschungel jetzt im mit Kameras gespickten Container beweisen will. Das Dutzend im Big Brother-Haus komplettieren Mario-Max Prinz zu Schaumburg-Lippe (ein echtes Blaublut), Aaron Troschke, der durch einen TV-Auftritt bei „Wer wird Millionär“ auffiel, sowie Janina Youssefian, Mia Julia und Ela Tas (in dieser Reihenfolge Kurzzeit-Liebschaft von Dieter Bohlen, Pornodarstellerin und Ex-Bachelor-Kandidatin).

Diese 12 sind aus- und ins Promi Big Brother-Haus eingezogen, um Teil eines Experimentes zu werden, in dem es laut Sat.1 um „Völlerei und Entbehrung“ geht. Als Motiv für ihre Teilnahme wird von den Möchtegern-Promis gern das Ausloten der eigenen Grenzen herangezogen. Und doch lehrt das Ansehen der Staffel, dass kaum ein Kandidat zu psychologischen Studien eingezogen ist, lägen doch sonst die eigenen Nerven nicht immer so schnell so komplett blank. Nach nur wenigen Tagen, bei einigen noch schneller, fällt jegliche Maske und vorher zur Schau gestellte Gelassenheit.

Um den Schauer-Faktor sowohl bei den Bewohnern als auch bei den Zuschauern noch zu steigern, hat Sat.1 das Haus für PromiBB diesmal in zwei Bereiche aufgeteilt, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Unten im fensterlosen Keller geht es zu wie in einem Rattenloch. Sechs Bewohner hausen dort auf engem Raum mit einem Inventar, das noch für die Müllhalde zu schäbig wäre. Oben dagegen fehlt es an nichts außer an Privatsphäre. Während die „Unterschicht“ eine Art Hamsterrad betreiben muss, um kalt duschen zu können, gibt es für die „oberen 6“ einen Pool, feinste Sanitäranlagen und Essen wie im Gourmettempel. Wer in welchem Bereich wohnt, entscheiden Mitkandidaten und Zuschauer durch immer wieder eingeblendete Aufrufe. Und hier setzt der vielleicht besondere Reiz dieses Trash-TV an.

Was hat das Trash-TV, was andere Fernsehunterhaltung nicht hat?

Der Zuschauer wird zum Richter und Henker, denn mit seiner Stimmabgabe ist er in der Lage, zu bestrafen, zur Schau zu stellen und der Lächerlichkeit preiszugeben.

Zweifelsohne werden die Kandidaten an ihre psychischen Grenzen gebracht. Dazu bedarf es nicht einmal des Einzugs in den Dschungel, müssen die Kandidaten nicht auf Bohnen-mit-Reis-Diät gesetzt werden und keine Kakerlaken und Känguruhoden knabbern. Das für PromiBB hergerichtete Haus ist Grenzgang genug. Es ist Kulisse für zwei Wochen ungenierten Voyeurismus. Das freut, erregt oder stößt ab, in fast allen Fällen aber interessiert und polarisiert diese Art von Fernsehen.

Anstatt den Abend mit inhaltsschwangerem Programm zu verbringen, sieht der Zuschauer manchmal gern, wie Ex-Porno-Sternchen sich in Extremsituationen schlagen oder ein selbsternanntes Model sich verhält, wenn es nicht auf den schönsten Walk ankommt, sondern auf nichts anderes als Sozialkompetenz.

Es verschafft Genugtuung, die Aufrufe für die Nominierungen zu erhören und Claudia Effenberg für eine Heuchelei abzustrafen, sie virtuell von der weichen Matratze zu schubsen und wieder in den Keller zu verbannen. Und da sich Ex-Politiker, Janina Youssefian & Co. wie auch ihre Vorgänger aus früheren Staffeln freiwillig vor die Kameras begeben haben und gut dafür kassieren, hält sich das Mitleid in Grenzen. Der Fernsehkonsument jedenfalls geht mit dem guten Gefühl zu Bett, vielleicht weniger auf dem Konto, aber dafür mehr im Kopf zu haben als so mancher Kandidat.

Ist Qualitätsfernsehen ein Auslaufmodell?

Aber was bedeutet das ungebrochene Interesse der Zuschauer für die Fernsehlandschaft der Zukunft? Haben wir die Freude an Qualitätsfernsehen verloren? Sind anspruchsvolle Verfilmungen mit großen Schauspielern und hochwertige Shows mit echten Entertainern passé? Die Antwortet lautet: jain, denn wie so oft, die Mischung machts. Ein Sender, der eine breite Zielgruppe erreichen will, muss unterschiedlichste Unterhaltungsbedürfnisse befriedigen. Und wie die Konsumforscher längst herausgefunden haben, fiebern auch Akademiker gelegentlich beim Trash-TV mit, genauso wie sich Freunde von Fernseh-Massenware für eine gute Dokumentation begeistern können. Für die Sender bedeuten (Promi) Big Brother, Dschungel & Co. jedoch große Zuschauerzahlen bei relativ kleinen Investitionen ins Konzept. So profitieren alle Seiten von der großen Fernsehvielfalt.

Bild: Daniela Baack / pixelio.de

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