Selbstverteidigungsmethoden für Frauen

Selbstverteidigungsmethoden für Frauen – Viele Frauen haben Angst vor Überfällen, körperlichen Angriffen oder gar Vergewaltigungen, denn die Zahl der registrierten Straftaten nimmt zu. Wer nachts alleine unterwegs ist, braucht gute Nerven und ein gutes Selbstwertgefühl. Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen, die selbstbewusst auftreten, weitaus seltener Opfer von Gewalttaten werden. Das Selbstbewusstsein drückt sich unter anderem durch die Körperhaltung und den Gesichtsausdruck aus. Frauen, die mit einem leichten Lächeln und großen, zügigen Schritten in aufrechter Haltung über die Straßen schreiten, wirken ganz anders, als Frauen, die ihre Schultern hochziehen und den Kopf hängen lassen.
Frauen, die Selbstverteidigung trainieren, schlagen deshalb gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits können sie sich in gefährlichen Situationen zur Wehr setzen. Andererseits steigert es das Selbstvertrauen. Es ist deshalb unwahrscheinlicher, dass eine trainierte Frau überhaupt Opfer einer Gewalttat wird.

Die Ratschläge der Polizei

Es gibt zahlreiche Grundkurse, die einen generellen Einblick in die wichtigsten Regeln der Selbstverteidigung vermitteln. Diese Kurse werden an Volkshochschulen, von der Polizei, an Universitäten und auch von vielen Arbeitgebern angeboten. Bei allen Kursen spielt das grundlegende Verhalten in einer bedrohlich wirkenden Situation eine große Rolle.

Die Polizei hat eine Reihe dieser Verhaltensregeln zusammengestellt. Sie rät Frauen, die sich verfolgt oder bedroht fühlen, die Straßenseite zu wechseln und einen beleuchteten Hauseingang zu suchen. Außerdem sollten sie sich unter so viele Menschen wie möglich begeben und einsame Ecken meiden. Auf der Straße sollten Frauen, die sich verfolgt fühlen, niemals die eigene Wohnung ansteuern und dort im Treppenhaus verschwinden. Der mögliche Täter hat dann nämlich einen perfekten Hinweis. Frauen sollten sich auf keinen Fall scheuen, andere Frauen anzusprechen und zu sagen, was los ist und dann den Weg gemeinsam bestreiten. Wer niemanden auf der Straße ansprechen kann, sollte über das Handy eine Freundin oder einen Freund anrufen – oder zumindest so tun und sich das Handy ans Ohr halten!

Ein wichtiger Tipp der Polizei: Wenn es wirklich brenzlig wird, sollte die Frau laut „Feuer“ rufen. Auf das Wort „Feuer“ reagieren Passanten eher als auf „Hilfe“. Außerdem sollte jedes Opfer abwägen, was in dieser gefährlichen Situation wirklich wichtig ist. Wenn es dem Angreifer nur um den Geldbeutel oder das Handy geht, ist es vernünftiger, sich nicht zu wehren. Nur dann, wenn es wirklich um Leib und Leben geht, sollte man alle Mittel ausnutzen, die einem zur Verfügung stehen.

Grundregeln der Selbstverteidigung

Wer in die schlimme Lage kommt, sich körperlich verteidigen zu müssen, hat einen Vorteil, wenn er sich über die wichtigsten Grundgriffe vorher informiert hat. Jede Frau sollte diese Grundgriffe zusammen mit Freundinnen oder Freunden einüben. Das verleiht zum einem eine erhöhte Selbstsicherheit, zum anderen kann man dann seine eigenen Fähigkeiten besser einschätzen.

Der Abstand ist der wichtigste Punkt bei der Selbstverteidigung. Ein einziger Schritt zurück kann schon von überwältigender Bedeutung sein. Wer Abstand hält, kann leichter gezielt treten und auch fokussierter zuschlagen. Empfindliche Punkte sind die Nase, die Augen und der Schritt. Gleichzeitig sollte die Frau in dem Moment, in dem sie zuschlägt, so laut wie möglich schreien. Potentielle Täter rechnen nicht mit Gegenwehr. Sie haben ihr Opfer als „hilflos“ eingestuft. Der Überraschungseffekt, der entsteht, wenn die Frau schreit und schlägt, ist deshalb sehr wichtig. Niemand sollte sich in dieser Situation zurückhalten oder die Dinge erst einmal vorsichtig angehen. Es ist wirklich wichtig, von Anfang an vollen Einsatz zu leisten. Dann hat die überfallene Frau eine gute Chance, dass sich der Täter vor Schreck einfach umdreht und davonläuft. Denn damit hatte er bestimmt nicht gerechnet!

Kampfsport als Selbstverteidigungsmethode

Jede Form von Kampfsport kann auch für die Selbstverteidigung eingesetzt werden. Wer sich selbst verteidigen möchte, kann sich also entscheiden, ob er einen generellen Kurs zur Selbstverteidigung besuchen möchte oder ob er eine Kampfsportart als Hobby betreiben will. Letzteres hat den enormen Vorteil, dass das Selbstbewusstsein und die Kondition auf Dauer gefördert und gestärkt werden. Außerdem können aktive Sportlerinnen an Wettkämpfen teilnehmen. Das Training bringt sichtbare Resultate, auch wenn mal als Frau nie überfallen werden sollte – was letzten Endes ja das wünschenswerte Ziel ist.
Es gibt zahlreiche Kampfsportarten. Welche man wählt, hängt vom persönlichen Geschmack und vom lokalen Angebot ab. Es macht Sinn, die Kampfsportschulen in der Nähe zu besuchen. Vor Ort kann man sich am besten einen Eindruck verschaffen. Die meisten Sportschulen bieten außerdem Schnupperkurse an.

Judo und Karate sind die wohl bekanntesten Kampfsportarten. Beide Sportarten haben philosophische Grundprinzipien, die das ganze Leben des Ausübenden beeinflussen. Gute Judo- und Karatekämpfer müssen sich mit fernöstlichen Ideologien vertraut machen und bauen darüber ihr Körperbewusstsein und ihre Lebenseinstellung auf. Das gleiche gilt auch für Kung Fu. Die asiatischen Sportarten werden deshalb meist auch als Kampfkunst und nicht als Kampfsport bezeichnet. Für Laien ist der Unterschied zwischen Sport und Kunst oft nur schwer zu erkennen. Prinzipiell haben Kampfkunstarten jedoch auch einen spirituellen Anspruch, während es bei Kampfsport ausschließlich um den sportlichen Faktor geht.
Übrigens: Die Frage, wie man einer Gefahr von vorne herein aus dem Weg geht, ist bei allen Kampfsportarten ein wichtiges Thema. Die Sportstatuten entsprechen deshalb vollkommen den Ratschlägen der deutschen Polizei. In allererster Linie sollte jeder versuchen, einen Überfall zu vermeiden. Selbstverteidigung sollte nur im Notfall eingesetzt werden.

Fitness als Basis-Programm

Alle Kampfsport- und Kampfkunstarten verlangen ein hohes Maß an Disziplin und Fitness. Der Ausübende muss nämlich eine wirklich gute Kondition haben. Deshalb gehört vor allem das Ausdauertraining zur Ausbildung: Joggen, Walken und das Wandern langer Strecken nehmen beim Training eine wichtige Rolle ein.
Das zeigt, wie wichtig die allgemeine Kondition ist, wenn man sich in einer Notlage befindet. Wer regelmäßig ins Fitness-Studio geht oder oft läuft, wird in puncto Selbstverteidigung immer einen gewaltigen Vorteil haben. Gerade dann, wenn eine Frau von mehreren Personen überfallen wird und eigentlich keine Chance zur Selbstverteidigung hat, kann es helfen, wenn man lange, schnell und gut laufen kann. Manchmal ist eine gute Flucht die beste Verteidigung!

Was ist mit legalen Waffen?

Legale Waffen werden immer beliebter. Auch dann, wenn die Frauen eigentlich gar nicht vorhaben, sie einzusetzen, fühlen sie sich mit einer Waffe in der Tasche einfach sicherer. Wenn es das Selbstbewusstsein positiv stärkt, ist dagegen nichts einzuwenden.
Prinzipiell sollten alle Waffen vor dem Kauf genau überprüft werden. Wie sinnvoll sind sie? Bringen sie etwas, und sind sie überhaupt legal?

Die PTB-Marke ist hier ein wichtiges Zeichen! Einerseits muss beim Tragen einer mit der PTB-Marke gekennzeichneten Waffe ein kleiner Waffenschein vorliegen, andererseits sind Waffen ohne PTB-Marke meist illegal. Wer vorhat, in Zukunft eine Gaspistole oder einen kleinen Schlagstock in der Handtasche zu haben, sollte sich immer erst einen kleinen Waffenschein besorgen. Der kleine Waffenschein wurde in Deutschland 2002 eingeführt und wird nur ausgestellt, wenn man keine Vorstrafen hat, volljährig und weder drogensüchtig noch alkoholabhängig ist. Ein Eignungstest ist nicht notwendig. Der kleine Waffenschein ist deshalb leicht zu bekommen.
Wer das Waffengesetz verletzt, muss auch bei Notwehr mit einer Geldstrafe rechnen. Üblicherweise wird ein Bußgeld verhängt. Schlimm wird es, wenn das Gericht später keine Notwehrsituation erkennen kann. Dann droht dem Waffenbesitzer sogar Haft.

Welche Waffen gibt es zur Selbstverteidigung?

  • Sprays
  • Eine Gaspistole kann sich jeder kaufen, der einen kleinen Waffenschein besitzt. Die üblichen Gaspistolen haben jedoch zwei bedeutende Nachteile. Der Angreifer kann sie einerseits für eine echte Pistole halten, sich bedroht fühlen und eine richtige Waffe ziehen. Andererseits ist die Menge an Reizgas, die eine Gaspistole versprüht, sehr gering. Die Gasmenge ist erst ab Kaliber 9 mm groß genug für eine abschreckende Wirkung. Dann sind die Waffen jedoch zu schwer für die Handtasche. Die Polizei rät deshalb davon ab, eine Gas- oder Schreckschusspistole zu verwenden. Wer sie dennoch benutzen will, sollte damit üben und die Waffe sehr gut kennen.

    Als Alternative bieten sich Spraydosen mit Tränengas, Pfeffer oder Chili an. Der Wirkstoff „Oleoresin Capsicum“ gilt allgemein als effektivstes Mittel in einer Spraydose. Es ist in Deutschland jedoch nur für die Abwehr von Tieren zugelassen. Man darf es also bei sich tragen, um sich gegen einen angreifenden Hund zu wehren. Es ist jedoch verboten, das Spray gegen Menschen einzusetzen. Wer es dennoch tut, erfüllt automatisch den Tatbestand der schweren Körperverletzung. Außerdem wird die Effektivität des Sprays angezweifelt. Es dauert einige Sekunden, bis die Wirkung einsetzt. Der Angreifer kann sich in dieser Zeit aus dem Pfeffernebel wegbewegen. Wichtig ist auch die Windrichtung. Im schlimmsten Fall kann sich das Opfer mit dem Spray selbst außer Gefecht setzen. Da der Einsatz gegen Menschen grundsätzlich verboten ist, wird anschließend die Notwehrsituation vor Gericht genau beleuchtet.

    Beim Kauf von Pfefferspray muss unbedingt auf die Kennzeichnung geachtet werden. Die Dose muss einen Prüfstempel vom Bundeskriminalamt tragen und ausdrücklich als Tierabwehrspray gekennzeichnet sein. Typisch hat das Pfefferspray Namen wie Anti-Dog oder Stopp-Dog. Wenn diese Kennzeichnung fehlt, handelt es sich um eine illegale Waffe. Der Besitz ist dann strafbar.

  • Schlagwaffen
  • Manche empfehlen in Sachen Selbstverteidigungsmethoden Schlagwaffen. Dafür gibt es lange Taschenlampen oder ausziehbare Schlagstöcke. Diese Teleskop-Schlagstöcke gelten als sehr effektiv. Allerdings ist es verboten, einen solchen Schlagstock mit sich herumzutragen. Legale Schlag-Waffen sind dagegen stabile Regenschirme, schwere Taschenlampen oder Spazierstöcke. Allerdings ist es sehr wichtig, das Zuschlagen vorher zu üben. Ohne Training ist es richtiges Zuschlagen fast unmöglich. Regenschirme und Spazierstöcke haben den eindeutigen Vorteil, dass ihr Besitz absolut legal ist und man damit niemals das Waffengesetz verletzen kann. Wer in Bezug auf Legalität auf der absolut sicheren Seite sein möchte, wird deshalb als Waffe einen guten Regenschirm wählen. Taschenlampen sind oft zu schwer für die Handtasche, aber ebenfalls praktisch und legal.

    Eine besonders umstrittene Waffe ist das Messer. Klappmesser, die man mit einer Hand öffnen kann, dürfen generell nicht mitgeführt werden. Legal sind Messer mit feststehenden Klingen, die nicht länger als 12 cm sind. Allerdings kann man mit einem Messer dem Gegenüber wirklich schwere Verletzungen zufügen und die Grenze zwischen Notwehr und Körperverletzung deutlich überschreiten. Im schlimmsten Fall kann so aus Notwehr Körperverletzung oder sogar Totschlag werden. Das Gericht muss dann entscheiden, ob die Verteidigung mit dem Messer wirklich angebracht war.
    Außerdem gibt es noch Elektroschocker in den verschiedensten Ausführungen. Elektroschocker sind jedoch zahlreichen Regeln unterworfen und nicht ungefährlich. Distanz-Schocker sind in Deutschland seit 2008 vollkommen verboten, Kontaktgeräte nur unter Einschränkungen erlaubt. Wie beim Pfefferspray sind eine Reihe von Produkten als Tierabwehrgeräte oder „Vieh-Treiber“ auf dem Markt. Legale Elektroschocker tragen die PTB-Marke.

Notwehr oder Körperverletzung?

Notwehr wird in Deutschland in der Juristensprache als „gerechtfertigter Eingriff und damit kein strafbares Unrecht“ ausgelegt. Ob der Angegriffene ein Recht auf Notwehr hat, entscheidet die Situation, die dann „Notwehrlage“ genannt wird. Dabei muss nach der Gesetzeslage in Deutschland der Angegriffene das „relativ mildeste Mittel“ wählen. Auf Risiken muss er sich dabei nicht einlassen. Wer bei seiner Verteidigung jedoch zum Pfefferspray greift, wird später erklären müssen, warum er dem Angreifer nicht nur die Handtasche an den Kopf geworfen hat.
Sollte der Angegriffene zu unverhältnismäßig heftigen Mitteln greifen, begeht er den Tatbestand eines „Notwehrexzesses“, und er wird gegebenenfalls wegen Körperverletzung angeklagt. Wer beispielsweise einen Dieb niederschlägt, ohne zu wissen, ob er überhaupt etwas gestohlen hat, begeht Körperverletzung.
Auch deshalb ist das Grundprinzip, Gefahren nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen, immer noch der beste und wichtigste Ratschlag überhaupt.

Bild: Jörg Blanke / pixelio.de

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