Social Freezing

Gesellschaft und Politik diskutieren seit einiger Zeit vermehrt über das Thema social freezing. Das Thema ist aktuell geworden, nachdem bekannt wurde, dass Apple und Facebook ihre Mitarbeiter beim social freezing unterstützen. Was aber verbirgt sich hinter diesem neumodischen Begriff, der für so kontroverse Diskussionen sorgt? Seit wann gibt es „sozial freezing“ und warum ist es erst jetzt präsent geworden?

Social freezing einfach erklärt

Es handelt sich bei dem Begriff, der in den letzten Monaten in aller Munde ist, um die Möglichkeit, unbefruchtete Eizellen einzufrieren und zu einem späteren Zeitpunkt zu befruchten. Auf diese Weise ist es möglich, einer Frau Eizellen zu entnehmen und einzufrieren. Die Eizellen bleiben dabei erhalten und können nach einigen Jahren für eine Schwangerschaft genutzt werden. Diese Vorgehensweise ist aus biologischer Sicht tatsächlich vorteilhaft, da die Fruchtbarkeit der Frau ab Mitte 20 deutlich abnimmt. Frauen, die sich in diesem Alter keine Schwangerschaft wünschen, können ihren Kinderwunsch später realisieren. Auf diese Weise wird die biologische Uhr der Frau quasi angehalten. In Politik und Wirtschaft wird diese Vorgehensweise jedoch hitzig diskutiert. Verschiedene Experten haben sich inzwischen in die Diskussion eingeschaltet. Kontrovers werden die verschiedenen Vor- und Nachteile diskutiert. Einige Experten fordern sogar ein gesetzliches Verbot in Deutschland.

Ursprünglich für Krebspatienten entwickelt

Die neue Methode, um die Fruchtbarkeit der Frau zu verlängern und den Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt zu realisieren, wurde ursprünglich für Krebspatienten entwickelt. Vor allem Frauen, die an Gebärmutterkrebs leiden, können so auf eine mögliche Unfruchtbarkeit reagieren. Strahlentherapien schädigen nämlich nicht nur das bösartige Tumorgewebe, sondern eben auch das gutartige Gewebe und somit auch die Eizelle. Frauen, die über eine längere Zeit intensiv bestrahlt werden, werden in vielen Fällen unfruchtbar. Krebspatienten ließen auch in der Vergangenheit vermehrt ihre Eizellen einfrieren und konnten sich so ihren Kinderwunsch Jahre später nach erfolgreicher Genesung trotz Unfruchtbarkeit realisieren. Ursprünglich wurde das Verfahren also nicht entwickelt, um bei gesunden Frauen die Fruchtbarkeit zu verlängern bzw. zu erhalten.

Facebook und Apple entfachen die Diskussion

Social freezing ist bekannter und populärer geworden, nachdem Facebook und Apple ihren angestellten Frauen aktiv angeboten haben, die Behandlungskosten für das Entnehmen und Einfrieren zu übernehmen. Die Entnahme ist nämlich keinesfalls kostengünstig. Eine erfolgreiche Behandlung kostet zwischen 3.000,00 EUR und 10.000,00 EUR. Aus diesem Grund wurde die Entnahme von Eizellen von den meisten gesunden Frauen nicht in Erwägung gezogen. Die großen Unternehmen haben allerdings ein finanzielles Interesse daran, dass die angestellten Frauen ihren Wunsch nach einem Baby verschieben. Schließlich sollen die Angestellten gerade im Alter zwischen 20 und 30 Jahren für das Unternehmen Erträge erwirtschaften und nicht aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Können Frauen nun auch mit Mitte 30 oder Anfang 40 ihren Babywunsch realisieren, weil sie fruchtbar sind, verzichten sie auf eine Schwangerschaft mit Mitte 20. Außerdem können Paare natürlich selbst steuern, wann sie ein Baby bekommen möchten.

Politik und Wirtschaft schalten sich in die Diskussion ein

Bisher ist nicht bekannt, dass große Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern ähnliche Angebote machen. Dennoch wird befürchtet, dass in Zukunft immer mehr Frauen die Schwangerschaft bewusst verschieben und das von den Unternehmen unterstützt wird. Es gibt viele Kritiker, die sich mit Nachdruck für ein Verbot des social freezing aussprechen. Von Kritikern wird vor allem auf die Tatsache hingewiesen, dass der Mensch zu sehr in den natürlichen Verlauf eingreift. Wirtschaft und Politik befürchten außerdem Auswirkungen auf die demographische Entwicklung und natürlich die Renten. Facebook und Apple haben harsche Kritik einstecken müssen. Dennoch gibt es auch eine ganze Reihe von Befürwortern. Diese argumentieren vor allem damit, dass die Frauen die Möglichkeit haben, Karriere zu machen und verweisen außerdem auf die Emanzipation. Eine Einigung konnte bislang nicht erzielt werden. Aus diesem Grund ist das Thema weiterhin aktuell und wird auch in den nächsten Monaten für Gesprächsstoff sorgen und weiter diskutiert werden.

Bild: JMG / pixelio.de

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