Traditionelle Tibetische Medizin (TTM)

Die Traditionelle Tibetische Medizin ist ein Heilsystem, das Körper, Energie und Geist sowie die Wechselbeziehungen zur Natur ganzheitlich betrachtet. Sie zeichnet sich durch ein eigenes System an Diagnose- und Heilmethoden, eine spezifische Anatomie, Physiologie, Embryologie und Pathologie sowie durch eine umfangreiche Sammlung an Rezepturen aus Heilkräutern, Mineralien und Tierprodukten aus. Diverse Methoden der Äußeren Anwendung haben allerdings im Westen noch kaum Verbreitung erlangt.

Geschichte und Entwicklung

Die Traditionelle Tibetische Medizin hat eine Jahrtausende Jahre alte Tradition, deren Wurzeln in schamanischen Traditionen und einer magisch-medizinischen Arzneimittelkunde liegen. Sie wurde einerseits durch das Ayurveda Indiens, das gemeinsam mit dem Buddhismus nach Tibet kam, und andererseits durch die Traditionelle Chinesische Medizin beeinflusst. Während beispielsweise die Pulsdiagnose und die Astrologie der TTM von der TCM inspiriert sind, ist der Buddhismus das der TTM zugrunde liegende spirituelle Fundament. Die TCM bediente sich wiederum ihrerseits tibetischer Heilpflanzen, da diese im antiken China als qualitativ äußerst hochwertig galten und somit bereits sehr früh in dortigen pharmakologischen Texten erwähnt wurden.

Verständnis von Krankheiten

In der TTM beruht das Verständnis von Krankheiten auf den „drei Geistesgiften“ aus dem Buddhismus. Diese stören das Gleichgewicht der so genannten drei Doshas (Vatta, Pitta und Kapha). Doshas sind Verstöße gegen den Lebensrhythmus, die Chaos verursachen. Ist der Zustand aller Doshas harmonisch, dann ist der Mensch gesund. Liegt ein Mangel oder Überschuss vor, entstehen Krankheiten. Gemäß der tibetischen Lehre ist die geistige Grundhaltung ausschlaggebend dafür, ob ein Mensch gesund oder krank ist. Insgesamt werden 84.000 Störungen unterschieden, die wiederum in 404 Krankheiten eingeteilt werden. 101 dieser Krankheiten wurden gemäß dieser Lehre durch Fehlverhalten in vorigen Leben verursacht. Werden sie nicht behandelt, so führen sie zum Tod. 101 Krankheiten stammen gemäß diesem Verständnis aus dem aktuellen Leben und sind daher grundsätzlich heilbar. 101 Krankheiten gehen auf Geister zurück, die letzten 101 Krankheiten sind vergleichsweise harmlos und können durch richtiges Verhalten geheilt werden.

Therapieformen

Die Traditionelle tibetische Medizin umfasst mehrere Therapieformen oder Heilmethoden, die je nach Bedarf einzeln oder kombiniert zur Anwendung kommen. Grundsätzlich geht es immer darum, einen Zustand der Balance zu erreichen.

Gemäß der 5-Elemente-Theorie beruht alles Sein auf den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Holz und Metall. Auch die Doshas beruhen auf diesen fünf Elementen. Wesentlich ist die Herstellung eines harmonischen Gleichgewichts unter den Elementen. Dies lässt sich unter anderem durch die richtige Ernährung erreichen. Dabei geht es hauptsächlich um die Befolgung gewisser Ernährungsrichtlinien, die auf die Tageszeit und Jahreszeit abgestimmt sind.

Neben der Ernährung ist das richtige Verhalten der zweite Schlüssel zur Gesundheit. Negative Emotionen wie Hass, Gier und Wut werden mit gewissen Krankheitsbildern in Verbindung gebracht und verursachen ein Ungleichgewicht im Körper.

Der dritte Schlüssel zur Gesundheit sind Arzneien in Pillenform, die vorwiegend pflanzlicher, manchmal aber auch tierischer oder mineralischer Natur sind. Zu den typischen Heilpflanzen zählen unter anderem Aloen, isländisches Moos, Gold-Fingerkraut, Schafgarbe und Spitzwegerich. In den so genannten „Juwelenpillen“ sind Edel- und Halbedelsteine in Pulverform der Wirkstoff.

Die vierte Therapieform sind äußere Behandlungen wie Massagen, Bäder, Aderlass, Räucherungen, Moxibustion und Schröpfen.

Verbreitung, Akzeptanz und Ausbildung

Wer sich in das Studium der traditionellen tibetischen Heilsystem vertiefen möchte, muss für eine Ausbildung nicht in das Himalaya-Gebiet reisen, sondern kann dies an einer speziellen Akademie tun. In diesen Akademien, wie sie im Westen mehrfach gegründet wurden, werden nicht nur Lehrgänge angeboten, sondern auch Forschungstätigkeit sowie kultureller Austausch gefördert und Maßnahmen zur Steigerung der Akzeptanz und zur Verbreitung des wertvollen traditionellen Wissens aus dem kleinen Land der buddhistischen Mönche gesetzt. Auch wenn noch einiges an Aufbauarbeit zu leisten ist, um die Lehre aus Tibet genauso bekannt zu machen wie die TCM es bereits ist, kommt manchen tibetischen Heilpraktiken im Westen bereits einige Aufmerksamkeit zu. Wer an einer Ausbildung interessiert ist, dem sei daher der Besuch einer Akademie wärmstens empfohlen.

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

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