Verzicht auf Olympia 2022 – Keiner will Ausrichter sein

Eigentlich sollte die Ausrichtung olympischer Spiele für jedes Land eine Ehre sein. Doch seit einigen Jahren nimmt die Anzahl an Bewerbungen immer mehr ab. Die Hintergründe dieser Situation sind vielfältig.

Der Verzicht von München

Schon bei der Bewerbung beim IOC um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2018 hatte es in der bayerischen Bevölkerung große Diskussionen gegeben. Damals wurde jedoch die Bevölkerung außer in Garmisch-Patenkirchen nicht vorher gefragt, ob sie eine Münchner Olympiabewerbung haben wollen. Dies wurde für die Ausrichtung 2022 geändert. In allen vier teilnehmenden Regionen (München, Garmisch-Patenkirchen, dem Berchtesgardener Landkreis sowie dem Landkreis Traunstein) hätte es ein positives Ergebnis geben müssen, um die olympischen Spiele nach Deutschland zu holen.
Allerdings hatte die Befragung der Bevölkerung ein fatales Ergebnis zur Folge. In Bayern ist der Tourismus und die Infrastruktur bereits so gut ausgebaut, dass die Menschen hier weniger profitiert hätten. Vielmehr gab es für olympische Spiele in Bayern Vorbehalte hinsichtlich Umweltschutz, mangelnder Transparenz und möglicher Schulden. Auch wurde immer wieder das Thema olympischer Gigantismus zur Sprache gebracht, obwohl die Münchner Olympiabewerbung im Gegensatz zu den Spielen von Sotschi hier absolut vorbildlich war. Keine nennenswerten Umstrukturierungen, keine Zwangsumsiedlung, sondern die Nutzung bereits vorhandener Sportstätten stand im Vordergrund.

Der Rückzug von Oslo

Neben Almaty, der mit fast 1,5 Millionen Einwohnern größten Stadt in Kasachstan, bleibt jetzt für die Winterspiele 2022 nur noch Peking übrig. Vor Oslo haben neben München bereits die polnische Stadt Krakau, die schwedische Hauptstadt Stockholm, die Schweizer Region Graubünden und Lwiw aus der Ukraine ihre Kandidatur zurückgezogen.
Der Knackpunkt war wieder einmal das Geld. Um die Olympischen Winterspiele in Norwegens Hauptstadt ausrichten zu können, hätte die Regierung der Stadt Oslo eine Staatsgarantie von knapp über 3 Milliarden Euro vorweisen müssen. Für die Aufwendung solch einer Summe aus Steuergeldern fehlte am Ende die Mehrheit in der norwegischen Bevölkerung, deren Zustimmungsrate seit September 2013 immer weiter gesunken war. Folgerichtig empfahl die dafür verantwortliche parlamentarische Gruppe der Regierung, auf die Bewerbung zu verzichten. Die Abstimmung im norwegischen Parlament ist somit hinfällig geworden.

Konzepte für die Zukunft

Der massive Rückzug von Bewerbungen aus Europa und anderen Gebieten des Westens zeigt das deutliche Problem auf, welches das IOC inzwischen hat. Unter den Präsidenten Juan Antonio Samaranch aus Spanien und Jacques Rogge aus Belgien hat sich das olympische Angebot stark kommerzialisiert und den Verband reich gemacht. Die Folge ist nun ein System aus Knebelverträgen, exklusiven Werbepartnern und staatlichen Garantien, das für viele demokratische Staaten nicht akzeptabel ist. Die fehlende Transparenz sowie undurchsichtige Zahlungen an mehrere Mitglieder haben den Verband in Verruf gebracht. Dies alles könnte sich unter dem neuen Präsidenten Thomas Bach langfristig ändern. Aber auch Bach ist ein Teil dieses Systems und es wird Zeit brauchen, die für die Mitglieder finanziell lukrativen Vorteile wieder in ein vernünftiges Gleichgewicht zu bringen, damit die sich bewerbenden Staaten auch von diesem Ereignis profitieren.

Olympia in Deutschland?

Eine mögliche Bewerbung für die Sommerspiele 2024 oder 2028 wird derzeit heiß diskutiert. Vom Jahr 2024 ist abzuraten, da der DFB ein heißer Kandidat für die Ausrichtung der Fußball EM 2024 ist und sicher nicht beide Ereignisse innerhalb von wenigen Wochen hintereinander in Deutschland stattfinden werden (können). Generell kann Olympia in Deutschland nur ausgetragen werden, wenn die Bevölkerung von Anfang an in den Bewerbungsprozess integriert wird. Eine Kampfkandidatur zwischen den möglichen Austragungsorten Berlin oder Hamburg sollte vermieden werden. Besser wäre eine frühe Einigung auf einen Kandidaten, der dann von der ganzen Bevölkerung unterstützt wird. Dazu sollten auch bei einer Befragung in Zukunft nicht nur die Menschen vor Ort abstimmen, sondern Olympia muss als nationales Ereignis gesehen werden. Dafür braucht ein Land die ganze Bevölkerung. Also sollte auch die ganze Bevölkerung abstimmen und nicht nur die regionalen Bevölkerungsgruppen, die wie in Bayern hauptsächlich eigene (verständliche) Interessen im Auge haben.

Bild: Emanuel Keller / pixelio.de

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