Zwillingsforschung

Ist die individuelle Persönlichkeit genetisch vorprogrammiert oder wird sie durch äußere Einflüsse geformt? Diese Frage befasst seit jeher die Menschheit und die Wissenschaftler. Die Zwillingsforschung befasst sich genau mit diesem Thema, um immer wieder neue Erkenntnisse zu erlangen. Interessant ist das Forschungsgebiet nicht nur für alle Menschen, die glauben, nichts gegen ihre persönliche Veranlagung tun zu können, sondern auch für Psychologen und Richter, die über Zukunftsaussichten und Strafmaß einer Person zu entscheiden haben.

Zwillingsforschung – ein hochinteressanter Wissenschaftsbereich

In der Zwillingsforschung, einem Gebiet sowohl der Psychologie als auch der Humangenetik – werden Zwillinge von Forschern über einen langen Zeitraum genau beobachtet und befragt. Auf diese Weise wollen sie herausfinden, inwieweit und auf welche Weise das menschliche Verhalten auf die genetische Anlage und von äußeren Bedingungen, z. B. Kindheit, Herkunft, finanzielle Faktoren usw., beeinflusst wird. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass etwa die Hälfte der Persönlichkeitsstruktur in der genetischen Anlage festgelegt ist und der Rest durch die Umwelt geprägt wird. Denn eineiige Geschwister neigen bewiesenermaßen dazu, sich ähnlich zu verhalten und die gleichen Vorlieben zu haben, auch wenn sie getrennt voneinander aufwachsen. Insofern scheint nicht nur die Umwelt den Menschen zu prägen. Herausgefunden wurde auch, dass sich die Entwicklung mit steigendem Alter trotzdem unterscheiden kann, denn äußere Faktoren können sich durchaus auf die Persönlichkeit auswirken – wenn auch nicht nur.

Eineiig und zweieiig – der bedeutsame Unterschied

Wenn im Bauch der Mutter zwei Babys gleichzeitig heranwachsen, spricht man von Zwillingen. Allerdings gibt es hierbei noch zwei verschiedene Kategorien. Bei eineiigen Zwillingen (wie den berühmten Mädchen „Luise und Lotte“) handelt es sich um Personen mit identischem Erbgut. Hier wurde nur eine Eizelle befruchtet, die sich geteilt hat. Deshalb werden sich die beiden Kinder auch noch im Erwachsenenalter im Aussehen verblüffend ähneln. Bei zweieiigen Zwillingen ist der Fall jedoch anders gelagert. Hier waren zwei Eizellen vorhanden, die jeweils unabhängig voneinander befruchtet wurden. Aus diesem Grund ist das Erbgut beider Kinder unterschiedlich und sie gleichen sich nicht mehr als normale Geschwisterpaare. Eineiige Zwillinge kommen weit seltener vor als zweieiige, die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt lediglich 4:1000, weshalb sie als etwas ganz Besonderes angesehen werden.

Zwillinge häufen sich in manchen Familien

Die Forschung hat ergeben, dass Frauen, die selbst einen zweieiigen Zwilling haben, häufiger selbst mit Zwillingen schwanger werden als der Durchschnitt. Grund dafür sind in diesem Fall die Gene, die die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen. Nicht unwichtig ist aber auch das Alter der Frau zum Zeitpunkt der Schwangerschaft. Durchschnittlich steigt die Zahl der Zwillingsschwangerschaften mit dem Alter der werdenden Mutter. Mit etwa 38 Jahren sinkt die Wahrscheinlichkeit dann jedoch wieder, was hormonell bedingt ist. Auch „Extra-Hormone“, die bei Kinderwunsch verabreicht werden können, führen zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen. Das gleiche gilt für die künstliche Befruchtung, bei der mehrere Eizellen gleichzeitig befruchtet werden, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen. Mittlerweile gibt es aus diesem Grund – sowie dem steigenden Alter der schwangeren Frauen im Vergleich zu früher – immer mehr Zwillingsgeburten in Deutschland.

Im Jahr 2012 wurden in Deutschland ca. 11.650 Zwillinge geboren, womit sich die Zahl in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich erhöht hat. Übrigens ist die Häufigkeit von Zwillingen auch von Weltregion zu Weltregion unterschiedlich. So gibt es in Afrika mehr Zwillinge als in Europa, in Asien dagegen am wenigsten. Hierfür müssen entsprechende Gene verantwortlich sein, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Bild: knipseline / pixelio.de

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